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Mindelheim

06.11.2020

Tipps, damit Corona im Unterallgäu nicht zum Umweltproblem wird

Herumliegende Masken sind ein Bild, das es erst seit diesem Jahr in Deutschland gibt. Doch die Masken sind nicht das einzige Müllproblem, das es in Bezug auf Corona gibt.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus In den vergangenen Monaten ist im Unterallgäu deutlich mehr Müll angefallen als im Vorjahreszeitraum. Über Sinn und Unsinn mancher Hygienemaßnahmen und richtiges Lüften.

Die Corona-Pandemie bringt vieles mit sich: viele Einschränkungen, viele Regeln – und auch viele Belastungen für die Umwelt. Letzteres legen zumindest die Zahlen der Kommunalen Abfallwirtschaft am Landratsamt Unterallgäu nahe: Laut deren Leiter Edgar Putz wurden von diesem März bis einschließlich September nämlich fast 600 Tonnen mehr Müll verbrannt als im Vorjahreszeitraum, das entspricht einer Steigerung um 4,5 Prozent.

Am deutlichsten haben laut Putz die Gewerbeabfälle zugenommen, nämlich um 164 Prozent von 190 auf nun rund 500 Tonnen. „Ursächlich für diesen Anstieg dürfte zum einen der konsequente Vollzug der Gewerbeabfallordnung sein, aber eben auch der durch Corona bedingte Mehraufwand im Krankenhaus- und Pflegebereich“, vermutet Putz. Auch im privaten Bereich führten Einmal-Masken, -Handschuhe und -Geschirr zu mehr Müll – und der Frage, ob alle Hygienemaßnahmen, die derzeit ergriffen werden, wirklich nötig sind. Hier ein Überblick:

Viele Geschäfte lehnen es seit Ausbruch der Pandemie ab, Lebensmittel in Kunststoffbehälter oder Stoffbeutel zu füllen, die die Kunden von zuhause mitgebracht haben. Ist das nicht mehr erlaubt?

Eine behördliche Anordnung dafür gibt es nicht, teilt das Landratsamt auf MZ-Anfrage mit. Auch in Corona-Zeiten sei es nicht verboten, die Behälter der Kunden zu befüllen. Damit von ihnen aber keine Keime auf die Ware übergehen, sollen diese – wie schon vor Corona – nicht mit hinter die Theke genommen werden. Erlaubt ist das nur, wenn es einen eigenen Bereich dafür gibt, der danach desinfiziert wird. Auf der Theke dürften Behälter aber nach wie vor befüllt werden. In vielen Geschäften scheitert das allerdings daran, dass sich auf dieser nun eine Plexiglas-Wand zum Schutz der Mitarbeiter erhebt und die Behälter dort nicht mehr abgestellt werden können.

Wie groß ist generell die Gefahr, sich über eine Schmierinfektion mit dem Coronavirus zu infizieren?

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) wird das Virus am häufigsten über eine Tröpfcheninfektion übertragen, also über Partikel, die beim Atmen, Husten, Sprechen oder Niesen entstehen. Zwar sei eine Übertragung über kontaminierte Oberflächen insbesondere in unmittelbarer Umgebung eines Infizierten nicht auszuschließen, bislang ist aber nicht eindeutig geklärt, wie lange das Virus auf Flächen überlebt. Insgesamt gilt eine Schmierinfektion als eher unwahrscheinlich, ausgeschlossen ist sie aber nicht.

In manchen Kindergärten dürfen die Kinder bei Geburtstagsfeiern der übrigen Gruppe nur einzeln Abgepacktes anbieten. Ist es tatsächlich verboten oder zumindest riskant, wie früher unverpackte Lebensmittel von zuhause mitzubringen?

Verboten ist das prinzipiell nicht. „Es ist aber nicht auszuschließen, dass manche Einrichtungen individuelle Hygienekonzepte haben, die zum Beispiel nur einzeln Abgepacktes zulassen“, so das Unterallgäuer Landratsamt. Das Kreisjugendamt empfehle den Kindertagesstätten, von außen mitgebrachtes Essen für alle Kinder nur zu erlauben, wenn es auch professionell zubereitet wurde – also zum Beispiel die Butterbreze vom Bäcker oder Essen vom Caterer, das vom Kita-Personal abgeholt wird.

Auch ein abgepackter Kuchen oder Kekse, die die Erzieherin verteilt, sind möglich. So soll laut dem Landratsamt Unterallgäu sichergestellt werden, dass die Lebensmittel unter hygienisch einwandfreien Bedingungen hergestellt, gelagert und transportiert wurden.

An einer Schule durften die Kinder im Sportunterricht erst zum Tischtennis-Schläger greifen, nachdem sie einen Einmal-Handschuh angezogen hatten. Bei 25 Kindern und möglicherweise mehreren Klassen kommt da einiges an Müll zusammen. Hätte es womöglich auch gereicht, den Schläger nach jedem Spielerwechsel zu desinfizieren?

Nach Ansicht des Gesundheitsamtes wäre das sogar besser gewesen, weil fraglich sei, ob Einmal-Handschuhe der Belastung beim Tischtennis-Spielen standhalten.

Was ist generell von Einmal-Handschuhen für den Corona-Schutz zu halten?

Nach Ansicht etlicher Experten nicht viel. Denn im Alltag können sie schnell porös und damit durchlässig werden – und den Träger in trügerischer Sicherheit wiegen. Wer sich nicht jedes Mal die Hände wäscht, sobald er mit den Handschuhen etwas angefasst hat, kann sich die Handschuhe auch gleich sparen – und damit jede Menge Müll.

Desinfektionsmittel sind dieser Tage allgegenwärtig. Wann sind sie sinnvoll und wann reicht gründliches Händewaschen aus?

Die Mittel müssen laut Gesundheitsamt virus-geeignet sein und außerdem korrekt angewendet werden. „Gründliches Händewaschen mit Seife ist im Alltag oft ausreichend“, so das Gesundheitsamt.

Um die Aerosol-Belastung in geschlossenen Räumen zu senken, wird empfohlen, regelmäßig zu lüften. Wie oft und wie lange sollte man lüften?

„Das hängt ganz von der Raumgröße und der Nutzung ab“, sagt Martin Sambale vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu (eza). Je mehr Personen im Raum sind, desto öfter sollten die Fenster geöffnet werden. In Büroräumen etwa alle 60 Minuten, in Besprechungszimmern nach 20 Minuten. Orientieren kann man sich an der Luftfeuchtigkeit. Steigt sie auf mehr als 50 Prozent, sollte dringend gelüftet werden.

Was bringt mehr: Stoßlüften oder die Fenster dauerhaft kippen?

Am effektivsten ist Querlüften, also das Öffnen gegenüberliegender Fenster. Ist es nicht möglich, für Durchzug zu sorgen, sollte man zumindest Stoßlüften, also das Fenster mehrere Minuten ganz öffnen. Als „gänzlich ungeeignet“ bezeichnet Sambale dagegen das Kippen der Fenster. „Hier findet nur ein geringer Luftaustausch statt.“ Außerdem sei in Summe der Energieverlust durch das gekippte Fenster deutlich größer als beim wenige Minuten ganz geöffneten.

Durch dauerhaft gekippte Fenster kühle zudem das angrenzende Mauerwerk stark aus. An den kalten Flächen kondensiert die Feuchtigkeit schneller, die Wände werden feucht und es besteht die Gefahr, dass sich in den Fensterlaibungen Schimmel bildet. Bollert direkt unter dem gekippten Fenster auch noch ein Heizkörper, wird noch weniger Luft ausgetauscht, weil nur die warme, aufsteigende Heizungsluft nach draußen befördert und so direkt zum Fenster hinausgeheizt wird.

Sollte man auch beim Stoßlüften den Heizkörper ausschalten?

„Ja, das macht Sinn, weil die kalte Luft sonst dem Thermostatventil meldet, dass jetzt voll geheizt werden muss“, sagt der eza-Experte.

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