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Memmingen/Bad Wörishofen

15.07.2019

Totschlag in Bad Wörishofen: Gericht verschiebt Urteil

Seit Anfang Juni läuft in Memmingen der Prozess gegen drei Männer, die im September 2018 einen Bekannten zu Tode geprügelt haben sollen.
Bild: Max Kramer

Weil Gutachten fehlen, geht der Prozess um den Totschlag in Bad Wörishofen weiter. Wann die Entscheidung fällt – und wie DNA-Spuren zu den Angeklagten führten.

Noch bevor der sechste und eigentlich letzte Verhandlungstag überhaupt begonnen hatte, merkte man, dass die Aufarbeitung eines grausamen Verbrechens ihrem Ende entgegengeht. Deutlich mehr Zuschauer als zuvor fanden am Montag den Weg in den Sitzungssaal 132 des Landgerichts Memmingen – dort, wo seit Anfang Juni drei Männern der Prozess gemacht wird. Sie sollen im vergangenen Jahr einen Bekannten in Bad Wörishofen zu Tode geprügelt haben. Unter den vielen Beobachtern waren vor allem Angehörige und Bekannte des Toten. Kurz vor 17 Uhr verließen sie enttäuscht das Gericht. Das Urteil, das sie sich erhofft hatten, bleibt weiter aus und wird erst am 9. August fallen.

Der Grund für die Verzögerung: Wie Richter Christian Liebhart erklärte, müssten Blutspuren vom Tatort neu untersucht werden. Doch auch wenn dieser eine Mosaikstein noch fehlt, liegen jetzt die meisten Fakten auf dem Tisch. Eine Rechtsmedizinerin berichtete detailliert von Blut- und DNA-Spuren, die am Tatort, am Toten und an Gegenständen der Angeklagten gefunden worden waren.

Ermittler finden nach Totschlag DNA-Spuren der Angeklagten am Toten

Bei jedem der Tatverdächtigen fanden die Ermittler demnach Blutspuren, die vom Toten stammten: Der älteste Angeklagte, der unmittelbar nach der Tat festgenommen worden war, hatte mehrere Kleidungsstücke und ein Handtuch mit Blut des Toten. Auch an den Schuhen der beiden anderen Tatverdächtigen stellten Ermittler Blutspuren ihres mutmaßlichen Opfers fest. Die Angeklagten hinterließen der Darstellung zufolge zudem eindeutige DNA-Spuren am Toten und dessen Kleidung – der 33-jährige an drei Hemdknöpfen, der 37-jährige an der Hand, der 57-jährige auf einer Jeans. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Hose dem Opfer unmittelbar nach der Tat ausgezogen wurde.

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Auch im Flaschenhals einer Wodkaflasche, mit der das Todesopfer möglicherweise misshandelt wurde, war Blut. Von wem, blieb offen. Fest steht dagegen, dass der 37-jährige Angeklagte den Eimer in der Hand hielt, mit dem in der Tatnacht der Zimmerboden unter Wasser gesetzt wurde. Von wann die Spuren jeweils stammen, ist nach Angaben der Sachverständigen jedoch unklar.

Wie es in der Nacht vom 4. auf den 5. September 2018 genau zu dem tödlichen Streit kam, ist nach wie vor unklar. Die Anwälte der Tatverdächtigen kündigten an, dass ihre Mandanten auch weiterhin und damit bis zum Prozessende schweigen werden – anders, als sie es noch in ihren Vernehmungen nach der Tat getan hatten. Dabei widersprachen sie sich jedoch und wichen in ihren Darstellungen vom Tatabend voneinander ab. Damit konfrontiert, packte der 37-Jährige in seiner Vernehmung wie berichtet aus und beschuldigte der Darstellung vor Gericht zufolge seinen jüngeren Mitangeklagten, hauptverantwortlich für den Gewaltexzess zu sein. Dieser erklärte damals, das Todesopfer sei in der Tatnacht im Wohnheim von einer Treppe gefallen und deshalb womöglich so schwer verletzt worden. Diese Version konnte ein Gutachten zweifelsfrei widerlegen.

Angeklagte waren in der Tatnacht in Bad Wörishofen wohl schuldfähig

Der Tatverdächtige bestritt außerdem, den Bruder seiner Ex-Freundin verprügelt zu haben. Er ist deshalb zusätzlich wegen schwerer Körperverletzung angeklagt.

Dass nicht nur er, sondern auch der älteste Angeklagte bereits vor dem Totschlag Auseinandersetzungen mit dem Toten hatte, berichtete ein Polizeibeamter aus Bad Wörishofen. Demnach setzte das spätere Todesopfer 2016 einen Notruf ab. Der Mann erklärte dabei, er sei von seinem Bekannten gewürgt worden. Mehrere Zeugen hatten früher im Prozess gesagt, die beiden Männer seien „wie Brüder“ gewesen und hätten regelmäßig miteinander Alkohol getrunken.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Andreas Küthmann erklärte, die Angeklagten seien seit Längerem Alkoholiker. Zwar hätten sie auch in der Tatnacht viel Alkohol getrunken. Er gehe aber davon aus, dass alle drei zum Tatzeitpunkt schuldfähig gewesen seien.

Wie die vorherigen Verhandlungstage verliefen, erfahren Sie hier:

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