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Justiz

10.02.2015

Tragischer Unfall oder fahrlässige Tötung?

Klärung eines Todesfalls ist schwieriger als erwartet

Die Welt ist seit dem vergangenen Gründonnerstag in dem kleinen Vorort von Mindelheim nicht mehr heil. Beim Abbau von Schalungstafeln für ein Fahrsilo fielen mehrere Tafeln um und begruben einen 16-Jährigen unter sich. Der junge Mann, der auf der Baustelle seines Onkels half, erlitt so schwere Verletzungen, dass er wenig später starb. Vor dem Amtsgericht Memmingen wurde nun versucht, Unfallursache und -hergang zu klären. Der Prozess wurde vertagt, da das Gericht weitere Zeugen hören will, die nun vorgeladen werden.

Im Vorfeld hatten der Onkel und ein Vertreter einer Baufirma, die die Bautafeln lieferte, jeweils einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung erhalten. Beide legten dagegen Widerspruch ein.

Zum ersten Prozesstag hatte Richter Dieter Klotz auch zwei Sachverständige geladen. Die Staatsanwältin warf in der Anklageschrift den beiden Angeklagten vor, die Klammern an den Schaltafeln entfernt zu haben, bevor diese am Kranseil befestigt waren. Durch die Klammern hätte ein Umfallen der Tafeln verhindert werden können. Immerhin wiegen diese 2,4 auf 2,7 Meter großen Tafeln rund 300 Kilo. Eine davon fiel auf den 16-jährigen, der erheblich Kopf- und innere Verletzungen erlitt. Bauherr wie auch der Vertreter der Baufirma hätten nicht für die notwendige Sicherung der Tafeln gesorgt und sich somit der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, hieß es.

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Der Onkel sagte aus, dass man einen Tag vor dem Unfall die Schalungen für Wände eines Fahrsilos mit Beton verfüllt habe. Weil er verschiedene Termine hatte habe er die Baustelle vorzeitig verlassen. Da sei die Wand noch gesichert und es seien noch mehrere Personen auf der Baustelle gewesen.

Am anderen Morgen sei er zurück gekehrt und davon ausgegangen, dass sich am Zustand der Baustelle nichts geändert habe. Er meinte damit, dass die Schaltafeln mit Krallen und Spannstäben verschraubt waren. Er habe die Krallen entfernt, weil er glaubte, dass die Schaltafeln von den Spannstäben zusammengehalten werden. Nachdem er die Krallen entfernt hatte, fiel eine der Tafeln um und begrub den jungen Mann unter sich. Man merkte dem Angeklagten an, dass ihn das Ereignis schwer mitgenommen hat. Er musste mehrmals seine Aussage unterbrechen.

Der Rechtsanwalt des Bauherren forderte, dass alle auf der Baustelle Tätigen gehört werden, um herauszufinden, wer die Spannstäbe entfernt hat. Allerdings ließ Richter Klotz durchblicken, dass er diesem Sachverhalt keine allzu große Bedeutung zumesse. „Wenn Sie die Schaltafeln den Vorschriften entsprechend entfernt hätten, dann hätte nichts passieren können“, konstatierte er und regte auch an Gedanken, den Widerspruch zurückzunehmen. Die Sachverständigen schlugen vor, einen Fachmann einzuladen, der das Entfernen der Schalwände Schritt für Schritt erklären kann. Des Weiteren kam der Richter dem Wunsch der Verteidigung nach, alle auf der Baustelle Anwesenden vorzuladen, damit geklärt werden kann, wer die Spannstäbe entfernt hat.

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