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Mindelheim

08.07.2020

Trotz Wohnungsnot: Warum wird auf Lautenwirtswiese nicht gebaut?

Die Lautenwirtswiese als Baugebiet war einst sehr umstritten. Jetzt ist die Fläche seit mehreren Jahren erschlossen – und es tut sich nichts.
Bild: Johann Stoll

Plus Vor zweieinhalb Jahren entschieden die Mindelheimer, dass die Lautenwirtswiese bebaut werden darf. Bisher ist dort aber noch kein Haus entstanden.

Im August 2017 hatte sich erstmals Widerstand formiert. Auf der Lautenwirtswiese, die für eine Wohnbebauung, eine neue Kindertagesstätte und öffentliche Spielflächen bebaut werden sollte, fand ein fröhliches Happening statt. Familien mit kleinen Kindern waren aus der Umgebung mit Picknickdecken herbeigeströmt. Einige hatten Klappstühle und Sonnenschirme mitgebracht. Andere packten Spielsachen, Getränke und Brotzeit aus. Und ein paar Kinder musizierten mit Geige und Tasteninstrument. Es war der Beginn eines heißen Herbstes in Mindelheim, der mit einem Bürgerentscheid und einem Ratsbegehren endete.

Ratsbegehren für mehr Wohnungen in Mindelheim

63,91 Prozent der abgegebenen Stimmen entschieden sich im Dezember 2017 für die Bebauung. Zu groß schien die Wohnungsnot in Mindelheim. Bürgermeister Stephan Winter sagte damals unmittelbar nach der Entscheidung: „Das freut mich vor allem für diejenigen, die bezahlbaren Wohnraum suchen“.

Die Befürworter der Bebauung, vor allem aus den Reihen der CSU, der Freien Wähler, der SPD und der Grünen, hatten immer wieder auf den angespannten Wohnungsmarkt in der Stadt hingewiesen. Es müsse neuer Wohnraum geschaffen werden. Dafür biete sich die Baulücke in Nähe der Altstadt an. Die SPD legte obendrein wert darauf, dass ein Teil (zehn Prozent) sozialem Wohnungsbau vorbehalten sein soll, damit auch Geringverdiener sich eine Wohnung leisten können.

Eine Rolle hat auch gespielt, dass das Kloster mit der Vermarktung der Wiese Geld einnehmen wollte, um so die Altersversorgung von Klosterschwestern sicherzustellen.

Immer noch kein neuer Wohnungsbau in Mindelheim

Zweieinhalb Jahre später ist von neuem Wohnraum auf der Lautenwirtswiese noch immer nichts zu sehen. Sogar das viel später ins Laufen gebrachte neue Baugebiet im Norden der Stadt hat die Lautenwirtswiese längst überholt. Dort stehen Kräne. Häuser werden hochgezogen. Auf der Lautenwirtswiese rührt sich dagegen nichts.

Auf Anfrage erklärt Bürgermeister Winter heute zur Lage der Lautenwirtswiese: „Die Stadt hat alle Flächen, auf denen öffentliche Einrichtungen entstehen, erworben. Diese wurden bereits hergestellt.“ Dabei handele es sich um Verkehrsflächen (Erschließungsstraße, Fuß- und Radwege, Wasser- und Kanalleitungen, Bolzplatz). Ausnahme bildet lediglich der Spielplatz. Da die Fläche, auf der der Spielplatz entstehen soll, während der Erstellung der Mehrfamilienhäuser benötigt wird, werde dieser später errichtet.

Die Stadt habe sich im Rahmen des Aufstellungsverfahrens bemüht, den Bebauungsplan möglichst schnell zur Rechtskraft zu bringen. Das sei der Verwaltung im März 2018 nach dem Bürgerentscheid auch gelungen. Seit diesem Zeitpunkt besteht dort Baurecht. Zur Frage, wann dort gebaut werden kann, könne die Stadt keine Auskunft geben.

Angespannter Immobilienmarkt im Unterallgäu: Stadt Mindelheim plant seit längerer Zeit

Im Oktober 2019 war die Lautenwirtswiese Thema im Bauausschuss der Stadt. Die Wiese soll bekanntlich von drei Investoren bebaut werden: von der Stiftung zum Heiligen Kreuz, der Glass GmbH Bauunternehmung und der Wohnungsgenossenschaft Mindelheim eG. Bevor sie Bauanträge einreichen, hatten sie Fragen und Bitten an die Stadträte, etwa zur Überschreitung von Baugrenzen oder zu Parkmöglichkeiten für Bewohner und Besucher.

Geplant war ursprünglich eine große Tiefgarage für das gesamte Gebiet. Nun wollte jeder Investor für sein Klientel eine eigene Tiefgarage errichten. Dadurch könnten weniger Wohnungen entstehen. Drei oberirdische Stellplätze „wanderten“ dann in eine Tiefgarage, um so ein Gebäude zu retten. Dafür wäre kein Platz mehr gewesen, wenn diese Parkplätze oberirdisch geblieben wären. Der Bauausschuss kam den Investoren letztlich entgegen.

So viele Wohnungen sollten im neuen Baugebiet ursprünglich entstehen

Weitere Zeit ging ins Land, und die Lautenwirtswiese dämmerte weiter im Dornröschenschlaf. Auf Anfrage erklärten die drei Investoren in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung, eine umfangreiche Überplanung des Bauvorhabens sowie eine Abstimmung unter den Bauherren sei notwendig geworden.

Der Bauausschuss der Stadt Mindelheim hat diese Bauvoranfrage im Herbst 2019 befürwortet und das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Die Genehmigung der Bauvoranfrage durch das Landratsamt Unterallgäu ist Mitte Februar 2020 erteilt worden. Dann kam Corona. Eine Weiterführung der notwendigen Planungen und Vereinbarungen sei nur noch bedingt möglich gewesen. Basierend auf der Grundlage der genehmigten Bauvoranfrage könnten die ersten Baumaßnahmen im Jahre 2021 begonnen werden.

Die Anzahl der Wohnungen und die dafür notwendigen Pkw-Stellplätze würden über den rechtsgültigen Bebauungsplan definiert. Von insgesamt 120 Wohneinheiten ist die Rede.

Die drei Bauherren aus Mindelheim freuen sich laut Mitteilung auf die gemeinsame Entwicklung des Baugebietes. Mit der Umsetzung des Bauvorhabens soll das heimische Handwerk aus der Region unterstützt werden. Zudem werde neuer Wohnraum für breite Schichten der Bevölkerung geschaffen.

Lesen Sie zu diesem Thema unseren Kommentar: Keine große Wohnungsnot in Mindelheim?

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