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Ettringen

23.01.2021

UPM in Ettringen: Mit breiter Brust durch die Corona-Krise

Wolfgang Ohnesorg leitet das UPM-Werk in Ettringen seit 2016. Mit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist der Papierhersteller einer der größten Arbeitgeber im Unterallgäu.
Bild: UPM

Plus Wolfgang Ohnesorg reagierte unbekümmert, als er zum ersten Mal von Corona hörte. Doch dann stellte die Covid-19-Pandemie auch den UPM-Chef in Ettringen plötzlich vor ganz neue Herausforderungen, wie er im MZ-Interview verrät.

Papiermachen hat in Ettringen eine lange Tradition: Seit der Standortgründung 1897 prägen Tradition und Fortschritt den Firmenstandort Ettringen. Im Mittelpunkt: Die Papiermaschine 5 der Gebrüder Lang GmbH Papierfabrik in Ettringen , die Magazin- und Zeitungsdruckpapiere mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen produziert, feierte 2019 ihre 20-jährige Inbetriebnahme.

250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten bei UPM in Ettringen den Laden am laufen

250 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten im UPM-Werk in Ettringen und sorgen dafür, dass Rollendruckpapiere aus Ettringen in Zeitungsdruck- und Verlagshäuser auf der ganzen Welt geliefert werden. Auch die Mindelheimer Zeitung, eine Lokalausgabe der Augsburger Allgemeinen, wird auf Papier aus Ettringen gedruckt. Werkleiter Wolfgang Ohnesorg blickt auf ein turbulentes Jahr 2020 zurück. Im MZ-Exklusiv-Interview stellt er sich den Fragen.

Wie geht es Ihnen persönlich?

Ohnesorg: Persönlich geht es mir gut. Wobei das Jahr aufgrund der Pandemie und der entsprechenden Auswirkungen und notwendigen Maßnahmen in den Werken sehr anstrengend war. Ich konnte ein paar Tage Urlaub während den Feiertagen genießen und habe „regelkonform“ Weihnachten und Sylvester gefeiert: Buch lesen, die Natur genießen und meinem Hobby „Kochen“ nachkommen.

Sind Sie und Ihr persönliches Umfeld bislang direkt von Corona betroffen?

Ohnesorg: Weder ich noch mein persönliches Umfeld waren hinsichtlich „positiver Fälle“ von Corona betroffen. Kenne aber aktuell einige Personen, welche sehr hart getroffen worden sind und teilweise im Krankenhaus intensiv behandelt werden mußten. Dadurch wird das Thema Corona und die Auswirkungen natürlich noch präsenter.

Wann erfuhren Sie zum ersten Mal von Corona?

Ohnesorg: Wie wir alle, aus den Medien, Stichwort Wuhan (China). Das war so ungefähr zum Jahreswechsel.

Was war da Ihr erster Gedanke?

Ohnesorg: Eher unbekümmert. Zwar gab es ja schon 2003/2004 eine weltweite SARS-Pandemie – allerdings mit weniger dramatischen Auswirkungen. Zudem ja schon wieder lange her und teilweise in Vergessenheit geraten.

Wie haben Sie dann darauf reagiert?

Ohnesorg: Wir haben eigentlich erst reagiert, nachdem der erste Fall Ende Januar in Deutschland bei Webasto aufgetreten ist.

Mit der PM 5 produziert das UPM-Werk in Ettringen jährlich 295000 Tonnen Papier. Überwiegend werden vor Ort ungestrichene Magazinpapiere hergestellt und in die ganze Welt verschickt.

Welche Weichen mussten in Ihrem Unternehmen neu gestellt werden?

Ohnesorg: In China wurden schon im Januar massive Maßnahmen umgesetzt. Nachdem wir ein Werk in China haben (Changshu), haben wir unmittelbar deren Hygiene- und Maßnahmenpläne erhalten. Somit war es für uns relativ einfach, diese Maßnahmen zu kopieren und entsprechend in unseren Werken umzusetzen bzw. entsprechend unserem Bedarf und Bedürfnissen anzupassen.

Welche Maßnahmen wurden konkret ergriffen und wie haben sie sich ausgewirkt (bewährt?)?

Ohnesorg: Wir haben Mitarbeiter in Teams eingeteilt; Arbeitszeiten angepasst (um Begegnungen zu minimieren/vermeiden), Hygienekonzepte umgesetzt (Desinfektion, Reinigung, Abstand, Masken), Raumbelegungspläne erstellt, Fremdfirmenkonzepte entwickelt und Reisen eingestellt. Meetings finden komplett online statt, Homeoffice wurde eingeführt, ein Corona-Krisenteam implementiert mit teilweise täglichen Meetings und Fragen-Antwortenkataloge entwickelt, Verhaltensrichtlinien erstellt.

Desinfektionsmittel und Masken wurden bei UPM in Ettringen kurzerhand selbst hergestellt

Zudem gibt es jetzt kontinuierliche Kommunikation und Information in Richtung Mitarbeiter inklusive Videobotschaften. Weil es an Desinfektionsmittel fehlte, wurde das Mittel selbst hergestellt und verteilt. Und weil nicht genug Masken vorhanden waren, wurden auch Masken selbst hergestellt. Diese Stoffmasken wurden über die Osterfeiertage von Familienangehörigen unserer Mitarbeiter genäht. Das war ein super Engagement. Zudem wurden Kontakttagebücher eingeführt (Rückverfolgbarkeit bei positiven Fällen), ein kontinuierlicher Erfahrungsaustausch mit allen anderen Werken von UPM eingeführt und der Kantinenbetrieb komplett eingestellt.

Puuh, das klingt nach einer Menge Arbeit. Wurden auch Fehler gemacht?

Ohnesorg: Aus heutiger Sicht wurden keine grundsätzlichen Fehler gemacht. Die Summe aller Maßnahmen hat sicherlich dazu geführt, dass das Ansteckungsrisiko in den Werken minimiert wurde und zudem die Belegschaft mit all diesen Maßnahmen auch für ihr „privates“ Verhalten sensibilisiert werden konnte. Sicherlich wurden direkt mit dem ersten Lockdown aufgrund der Unwissenheit bzgl. Verhalten und Auswirkungen des Virus überstürzte Maßnahmen ergriffen, die jetzt aufgrund der Erfahrung bei der zweiten Welle im Herbst/Winter entsprechend korrigiert und angepasst werden konnten.

Gab/gibt es im Betrieb in Ettringen Kurzarbeit?

Ohnesorg: Im dritten Quartal mussten wir aufgrund des Nachfragerückgangs Kurzarbeit für das Werk anmelden. Im vierten Quartal hatten wir wieder eine zufriedenstellende Auftragslage ohne Kurzarbeit.

Wie ist Ihre Einschätzung: Wie wird sich die Wirtschaft allgemein und Ihr Unternehmen in den kommenden Monaten entwickeln?

Ohnesorg: Die Pandemie hat sowohl unser privates Leben und Verhalten verändert als auch das gesamte Wirtschaftsleben beeinträchtigt. In vielen Bereich ist die Entwicklung und die Nachfrage nach Produkten entsprechend beeinflusst worden. Die Wirtschaft wird sich die nächsten Jahre insgesamt zwar wieder erholen und auch weiterentwickeln, es werden aber in den verschiedensten Bereichen sichtbare Spuren zurückbleiben. Auch der grafische Sektor der Papierherstellung ist von den Auswirkungen betroffen. Trotz nachhaltigen Nachfragerückgängen ist der weltweite, insbesondere europäische Bedarf an grafischen Papieren jedoch weiterhin so groß, dass wir uns für die Zukunft keine Sorgen machen müssen.

Welche Schlüsse für die Zukunft haben Sie aus der Pandemie ziehen müssen?

Ohnesorg: Aufgrund der Globalisierung kann jederzeit wieder eine Pandemie auftreten. Mit den Erfahrungen aus diesem und dem vergangenen Jahr sind wir aber sicherlich besser gerüstet. Jede Krise bietet Chancen, die erkannt und nachhaltig umgesetzt werden müssen

Gab es positive Erkenntnisse?

Ohnesorg: Eine der positiven Erkenntnisse ist der Umgang mit digitalen Hilfsmitteln. In einem globalen Konzern gab es in der Vergangenheit natürlich auch eine entsprechende Reisetätigkeit. Die Pandemie hat uns gezeigt, dass sämtliche Besprechungen, Informationsflüsse, Vertragsverhandlungen etc. auch online abgewickelt werden können. Noch vor einem Jahr waren viele der Meinung, dass dies nicht möglich ist bzw. die Effizienz und die Ergebnisse mittels diesem Format leiden. Das Gegenteil haben wir erfahren. Eine weitere positive Erkenntnis: Wenn du ein gut funktionierendes Team um dich hast, kannst Du auch jede schwierige Krise meistern. Dieses Team und diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir.

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Wenn Sie „Ihr Jahr“ mit zwei drei Sätzen beschreiben müssten...

Ohnesorg: Ein einzigartiges Jahr in meiner beruflichen Laufbahn. Aber auch eine spannendes und für mich lehrreiches Jahr mit vielen Entscheidungen, welche ohne Erfahrungswerte umgesetzt werden mussten. Wir haben unsere Chancen erkannt und wollen diese auch in der Zukunft umsetzen.

Welche Erwartungen haben Sie persönlich und aus unternehmerischer Sicht für das neue Jahr?

Ohnesorg: Es wird weiterhin eine sehr schwierige Zeit bleiben und zumindest in der ersten Hälfte wird sich weiter alles um Corona drehen. Wir werden die nächsten Monate weiterhin mit Einschränkungen leben müssen. Wir werden aber gemeinsam gestärkt aus dieser Krise gehen. Unternehmerisch werden wir – wie schon erwähnt – unsere Chancen nutzen. Wir werden uns kontinuierlich in allen Bereichen unserer Werke weiterentwickeln. Wir als UPM bzw. als Communication Papers haben in der Vergangenheit unsere Hausaufgaben gemacht. Wir sind in allen unseren Werken wettbewerbsfähig und können uns somit auch mit breiter Brust dem Wettbewerb stellen.

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