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Mindelheim

30.05.2015

Üben mit den Lebensrettern

Jasmin Etzen (links) und Jessica Pfnür aus Memmingen versorgen beim Sanitätskurs im Mindelheimer Rotkreuz-Haus den Arm von Daniela Reißner.
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Jasmin Etzen (links) und Jessica Pfnür aus Memmingen versorgen beim Sanitätskurs im Mindelheimer Rotkreuz-Haus den Arm von Daniela Reißner.
Bild: Johann Stoll

Sanitäter opfern viel Zeit für andere. Damit sie im Ernstfall besonders gut helfen können, durchlaufen sie eine intensive Schulung, bei der auch Kunstblut fließt. Wir waren dabei

19 Teilnehmer haben sich an diesem Samstag im großen Saal des Rot-Kreuz-Hauses am Mühlweg eingefunden. Fast alle tragen ein weißes Rot-Kreuz-Hemd mit rotem Kreuz an der Brust. Alle machen einen gut gelaunten Eindruck, aber es liegt auch eine leichte Anspannung in der Luft. Heute haben alle noch einmal ausgiebig Gelegenheit zum praktischen Üben. Tags darauf am Sonntag stellen sie sich den Prüfern. Da muss jeder Handgriff sitzen wie später im Notfall auch.

Damit auch alles realistisch aussieht, haben sich Kinder und Jugendliche als „Opfer“ zur Verfügung gestellt. Die Stirn von Emelie Wolff zum Beispiel sieht seit ein paar Minuten zum Fürchten aus. Die Zwölfjährige kommt frisch aus der Maske. Ihre Geschichte: Sie ist vom Rad gestürzt und hat sich die Stirn schwer angeschlagen. Entsprechend haben Helfer sie in grellen Farben bemalt.

Daniela Reißner hat am Grill hantiert und sich Verbrennungen am Arm zugezogen hat. Auch sie spielt ihre Rolle glänzend. Lautstark klagt sie ihr Leid – auch damit müssen die künftigen Sanis klarkommen. Jasmin Etzen und Jessica Pfnür sind es heute, die sich übungshalber um das Mädchen kümmern. Die beiden Memmingerinnen sind nun schon das dritte Wochenende jeweils von Freitag bis Sonntag dabei, um den Lehrgang gut zu Ende zu bringen. Am Ende werden es fast 60 Stunden sein, die sie in Theorie und Praxis investiert haben.

Im Rettungskoffer finden sich sterile Wundauflagen, Blutdruckmess- und Sauerstoffgerät. Die beiden jungen Frauen überprüfen die Atmung und sorgen für eine stabile Seitenlage. Das geht ruck zuck. Der Leiter der Wache, Thomas Müller, lobt die beiden für ihren Einsatz. Nur eines hätten sie besser machen können, regt er an: den Notarzt lautstark rufen. Etzen nickt und sagt, sie sei ein bisschen nervös vor der Prüfung. Am Sonntag wird ihnen das nicht mehr passieren.

16 Jahre alt sind die Jüngsten, die sich diesmal zum Sani ausbilden lassen. Der Älteste ist 50. Sie sind bei der Hundestaffel, der Wasserwacht oder kommen aus einer der Bereitschaften Memmingen, Mindelheim, Ottobeuren oder Babenhausen. Die Kosten trägt üblicherweise das Rote Kreuz. Ein Teilnehmer zahlt aber aus eigener Tasche. Er arbeitet bei einer Mindelheimer Firma und will sich einfach nur fortbilden. Betreut werden sie von den Lehrrettungsassistenten Andreas Osterrieder und Christian Heuss.

Wer erfolgreich die Prüfung meistert, darf als dritter Helfer im Rettungswagen mitfahren oder einen Krankentransport begleiten, sagt Osterrieder. Der 31-Jährige würde sich freuen, wenn bei den heimischen Feuerwehren wie im Ostallgäu der eine oder andere diesen Lehrgang durchlaufen könnte. Oft sind es die Floriansjünger, die zuerst an einem Einsatzort sind und Erste Hilfe leisten müssen. Der nächste Kurs ist für Herbst geplant.

Jasmin Etzen war viele Jahre beim Jugendrotkreuz in Memmingen dabei. Später hat sie dann den Kontakt etwas verloren. Jetzt hat ein Freund sie wieder motiviert, beim Roten Kreuz mitzumachen. Jasmin ist gelernte Köchin und will den Sanitätsdienst nebenher in ihrer Freizeit stemmen.

Ihre Kollegin Jessica Pfnür ist auf dem Weg, geprüfte Rettungshundeführerin zu werden. Da gehört die Ausbildung zur Sanitäterin dazu. Deswegen ist sie heute hier in Mindelheim. Jenny Muckenschnabel aus Dirlewang übt derweil in einem Nebenraum mit Matthias Baur aus Amberg alle Handgriffe zur Reanimation.

Die Schülerin und der Auszubildende der Firma Grob legen professionell den Defibrillator an und setzen an der Puppe zur Herz-Druck-Masssage an. Lehrgangsleiter Christian Heuss hat sie genau beobachtet und lobt sie sehr für ihr konsequentes Vorgehen.

Die beiden haben eine ganz einfache Begründung, warum sie hier mitmachen: Weil es Spaß macht.

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