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Mindelheim

21.08.2015

Übers Kicken rasch Fuß fassen

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Austoben beim freundschaftlichen Kick: Jeden Montagabend haben Asylbewerber aus Mindelheim die Gelegenheit zum gemeinsamen Fußballspiel auf dem Sportgelände des Maristenkollegs. Möglich macht das eine Gruppe von TSV-Mitgliedern, die mit den „Mindelkickern“ eine eigene Abteilung gegründet haben.
Bild: Johann Stoll

Flüchtlinge können jeden Montag Fußball spielen und so ihre Sorgen vergessen. Der TSV Mindelheim macht’s möglich. Auch andere helfen mit.

Keiner kommt zu spät. Alle sind pünktlich auf die Minute. Seit dem Frühjahr geht das nun schon so, ohne Pause. Wenn Training angesetzt ist, sind bis zu 30 Leute da. Und Training ist jeden Montag von 19 Uhr an auf einem der Sportplätze des Maristenkollegs oder in der kalten Jahreszeit in der nahen Turnhalle. Es ist ein ganz besonderes Projekt für Flüchtlinge, das der TSV Mindelheim zusammen mit dem Helferkreis für Asylbewerber hier aufgelegt hat.

Wer in einem Flüchtlingsheim wie an der Allgäuer Straße oder in Jägersruh untergebracht ist, ist froh um jede Abwechslung. Die meisten sind Syrer und Afghanen. Auch ein paar Kosovoalbaner und Afrikaner sind dabei. Sie alle sind einfach nur heilfroh, sich bewegen zu können und mal für zwei Stunden ihre Sorgen los zu sein. Die „Mindelkicker“, eine eigens für die Flüchtlinge gegründete neue Abteilung des TSV Mindelheim, kümmern sich um die Asylbewerber.

An diesem Montag sind das Tarik Yurtseven als Trainer und der frühere TSV-Spieler Christian Klotzsch gekommen. Fußball, sagt Klotzsch, hat jeder schon mal gespielt. Und deshalb funktioniert das Miteinander gleich von Beginn an so gut. Auch wenn die Verständigung meist noch auf Englisch oder mit Händen und Füßen erfolgen muss, weil nur wenige ausreichend gut Deutsch verstehen, stört das niemanden.

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Trikots und T-Shirts sind gespendet worden. Rote Hemden spielen gegen Gelbhemden. Es geht engagiert zur Sache, aber gröbere Fouls sieht man selten.

Gespendet wurden auch die Fußballschuhe, aber nur zum Teil. Hier sind gezielt auch die Flüchtlinge gefordert. Jeder zahlt 15 Euro Eigenbeitrag. Die Idee dahinter: Nur was auch etwas kostet, hat einen Wert und wird pfleglich behandelt. Mit 15 Euro lassen sich natürlich keine Fußballstiefel von Adidas oder Puma kaufen. Rund 60 Euro sind notwendig. Die Mindelkicker spenden ebenfalls 15 Euro je Paar sowie die Bürgerstiftung „Mindelheim hilft sich selbst“, die denselben Betrag je Paar Fußballschuhe beisteuert. Der Vorsitzende Alfred Brugger ist begeistert von der Idee, dass sich eine Gruppe junger Leute um Felix Jäckle so um die Flüchtlinge kümmert. Es sei gut, wenn die Asylbewerber gemeinsam etwas machen und sich auch einmal körperlich austoben können.

In ähnlicher Größenordnung ist auch Wolfgang Nertinger vom gleichnamigen Mindelheimer Schuhhaus mit von der Partie. Auch er ist sehr begeistert von der Initiative für die Flüchtlinge und macht gerne mit. Schon an vier Abenden hat er mit Tochter Felicitas Kartonweise Fußballstiefel vorbeigebracht, damit die Flüchtlinge auch die passenden Paar Schuhe aussuchen können. Insgesamt 24 Paar sind bisher ausgegeben worden. Christian Klotzsch hat selbst früher beim TSV Mindelheim Fußball gespielt. Er findet, den Flüchtlingen werde es oft nicht leicht gemacht, hier zurechtzukommen. Die Mindelkicker wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Asylbewerber rasch Fuß fassen. Gemeinsamer Sport ist so eine Idee, die funktioniert, ist Klotzsch überzeugt.

Im Juni wurde die Initiative sogar durch den Deutschen Fußballbund DFB geadelt. Mit einem Video hatten sich die Mindelkicker um den WM-Pokal bemüht, der dann auch tatsächlich für einen Tag in Mindelheim Station machte. Damals gab es auch ein Integrationsturnier mit Teams aus der ganzen Region. Die Mannschaften hatten sich gemischt zusammengesetzt. In jeder Elf spielten auch Flüchtlinge mit. Gegenseitiges Vertrauen war entstanden.

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