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Allgäu

25.01.2021

Umfrage: Wie digital sind junge Menschen im Allgäu?

Wie digital sind die Allgäuer? Das wollten wir von jungen Menschen wissen.
Foto: Lino Mirgeler/dpa

Plus Innovativ oder abgehängt – wo steht die Region in Sachen Digitalisierung? Das wollten wir von jungen Menschen wissen - und das sind ihre Antworten.

Das Allgäu – eine moderne Region oder in Sachen Digitalisierung abgehängt? Während böse Zungen die Region als Landstrich abstempeln, in der es mehr Kühe als Handyempfang gibt, versuchen etwa Vertreter der Wirtschaft, die Digitalisierung voranzutreiben. Doch wie sehen das die „Digital Natives“ – also jene, die spätestens ab der Teenager-Zeit mit Computern und Handys vertraut waren? Mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer hat unsere Redaktion eine Studie durchgeführt, um herauszufinden, wie junge Allgäuerinnen und Allgäuer ticken.

Teilnehmen konnten Menschen zwischen 14 und 39 Jahren – und die waren sich oft einig: Die Digitalisierung hat sie geprägt.„Wir haben die Entwicklung von Smartphones bewusst mitgemacht“, schreibt einer. Doch es ist offensichtlich, dass es auch unterschiedliche Meinungen gibt: „Unsere Altersgruppe hat früher noch gemeinsam etwas unternommen und nicht nur digital gelebt“, fasst es ein Teilnehmer zusammen.

Es gibt geteilte Meinungen über das Digitale im Allgäu

Sind junge Menschen im Allgäu gar nicht so digital-affin? Die Studie zeigt: Die Meinungen sind geteilt. Einigen kann es nicht schnell genug gehen, sie wünschen sich, „dass die Digitalisierung schneller und effektiver voranschreitet“. Andere wollen, „dass sie nicht überhand nimmt“. Ist das Allgäu „abgehängter“ als andere Gegenden? Das könne man nicht pauschal beantworten, sagt Antonia Widmer, Leiterin von Allgäu Digital, dem Netzwerk für digitale Transformation und Gründung im Allgäu. „Es hängt eher von der Firma ab. Je größer sie ist, desto digitaler. In kleineren und mittelständischen Unternehmen gibt es Nachholbedarf.“ Widmer schildert, dass dort die Hemmschwelle gegenüber der Digitalisierung noch höher sei. Es gehe ja vor allem um die Vernetzung zwischen Firmen, Kunden und zukünftigen Mitarbeitern. Dies falle jungen Leuten leichter.

Kommen die digital geprägten Menschen auch zum Arbeiten hierher? Da fällt das Allgäu im Vergleich zu anderen Regionen ein wenig ab, findet Widmer: „In München springt einem die Digitalisierung entgegen. Im Allgäu tut sie das nicht – aber sie ist da.“ Einige Teilnehmerinnen wünschen sich eine „schnellere, ausgereiftere Digitalisierung der Schulen“. Ein anderer findet: „Internetausbau und Digitalisierung wurden in Deutschland total verschlafen.“

In Noah Peters Schule wird seit der fünften Klasse ein Konferenz-Tool genutzt

Das kann Noah Peters nicht bestätigen. Der 14-Jährige geht in Immenstadt zur Schule und ist stellvertretender Bezirksschülersprecher der Realschulen in Schwaben. Tafeln? „Die benutzt eigentlich niemand mehr, wir machen alles digital auf Projektionsboards.“ Die Lehrer können mit einem Tablet die Informationen an die Wand werfen und auf den Boards Notizen machen. Peters erzählt, dass an seiner Schule seit der 5. Klasse mit der Anwendung „Teams“ gearbeitet wird: „Wir bekommen dort Aufgaben gestellt, die machen wir und laden ein Foto hoch. Der Lehrer sieht, ob alle abgegeben haben, und kann die Aufgaben korrigieren.“

Der 14-Jährige sagt, dass das Thema Digitalisierung sie an der Schule beschäftigt – obwohl es gut funktioniere. Auch während der Corona-Krise sei „Teams“ ein guter Weg, mit den Lehrern zu kommunizieren. In der Pandemie fällt dem Schüler auf, wie wichtig es ihm ist, Kontakte über das Handy zu halten. Könnte man sich wieder im realen Leben treffen, wäre es aber sicher nicht so, dass alle ständig am Handy sitzen, glaubt Peters: „Man kann sich schon noch unterhalten.“

Denn gewisse menschliche Bedürfnisse könne die Digitalisierung nicht befriedigen: „Nur das Visuelle ersetzt eben nicht, wie es ist, eine Person im echten Leben zu treffen.“

So urteilen junge Allgäuer über die Digitalisierung

Auch eine Teilnehmerin der Studie bemerkt: „Durch die Digitalisierung wird alles anonymer.“ Ein anderer schreibt: „Es ist gut so, wie es ist.“ Das sieht Noah Peters ähnlich: „Man kann heute schon so viel digital machen und das, was noch nicht da ist, kommt zu seiner Zeit.“ Antonia Widmer erzählt, dass viele der jungen Gründer hier aufwuchsen, dann zum Studium weggezogen sind und mit Ende 20 wieder in der Region sesshaft werden. „Denn bei aller Digitalisierung bietet das Allgäu mit seiner Natur die Möglichkeit, sehr analog zu sein – und so hat man eine gute Balance“, findet Widmer.

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