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Mindelheim

28.08.2019

Umfrage im Freibad: Über Tattoos und ihre Bedeutung

Die Schwestern Betül und Habibe Demir verbindet viel – und seit Kurzem auch ein gemeinsames „Sisters“-Tattoo.

Plus Im Sommer sind im Mindelheimer Freibad zahlreiche Tattoos auf der nackten Haus zu sehen. Doch was bedeutet die Körperkunst ihren Trägern?

Hinter uns liegen viele heiße Tage, in denen es die Menschen aus der Region an die Seen und in die Freibäder zog: Da sind naturgemäß viel nackte Haut und damit auch viele Tattoos zu bewundern. Doch was bedeuten die Körperkunstwerke auf der Haut? Wir haben tätowierte Freibadgäste in Mindelheim befragt – und unterschiedliche Antworten bekommen. Denn hinter jedem Tattoo steckt eine spannende Geschichte. Wir stellen Sie vor.

Ramona Patist und ihr Mann tragen den Fingerabdruck des jeweils anderen als Tattoo

„Das hier ist besonders wichtig für mich“, sagt Ramona Patist und zeigt auf ihren Unterarm. Dort ist der Fingerabdruck ihres Mannes zu sehen. „Ich hab seinen, er hat meinen“, erklärt sie. „Haben wir uns vor drei Jahren stechen lassen.“ Ihr Mann Martin Patist, der neben ihr sitzt, lächelt: „Das bedeutet mir auch sehr viel.“ Sein erstes Tattoo, chinesische Schriftzeichen, hat ihm ein Freund gestochen. „Da war ich so 16, 17.“ Was die Schriftzeichen bedeuten? „Das weiß niemand so genau. So große Gedanken hab ich mir damals nicht gemacht. Wenn mich jemand fragt, erfinde ich meistens was“, sagt er und lacht.

Ihr eigener Fingerabdruck ist auf dem Arm ihres Mannes verewigt.
Den Fingerabdruck ihres Mannes trägt Ramona Patist auf ihrem Arm.

Irmi Kunze hat sich ihre Tattoos gut überlegt

Ganz anders Irmi Kunze, der ihr erstes Tattoo mit 30 gestochen wurde: Sie hatte, wie sie sagt, vorher lang überlegt: „Diese Schriftzeichen im Nacken bedeuten Familie, Glück und Liebe. Für mich das Wichtigste.“ Ihren Oberarm ziert ein tränendes Gesicht, das hinter einer Maske zum Vorschein kommt. Das Tattoo soll zum Ausdruck bringen, dass „viele eine Maske tragen, unter der es oft anders aussieht. Sie zeigen nach außen Stärke, obwohl es im Inneren viele Schwierigkeiten gibt.“

Umfrage im Freibad: Über Tattoos und ihre Bedeutung
Hinter einer Maske sieht es oft ganz anders aus, das zeigt das Tattoo ...
... von Irmi Kunze. Sie trägt im Nacken Zeichen für Familie, Glück und Liebe.

Sabrina Reif trägt ein großflächiges Tattoo

Sabrina Reifs Lieblingstattoo verläuft vom Rücken über die Schulter bis in den Kopf/-Brustbereich und enthält unter anderem mehrere Namen. „Dieses Tattoo ist eine Verbindung zu meinen Kindern.“ Obwohl das Tattoo sehr großflächig ist, seien die Schmerzen „durchaus aushaltbar“ gewesen, erinnert sich die Mindelheimerin. „An der Schulter zum Beispiel geht es schmerztechnisch echt.“

Sabrina Reifs Tattoo ist großflächig und verbindet sie mit ihren Kindern.
Reifs Rücken zieren die Namen ihrer Kinder und ein Skorpion.

Betül und Habibe Demir tragen ein Schwestern-Tattoo

Ein Symbol für bestimmte Familienmitglieder haben fast alle der tätowierten Freibadgäste verewigt – so auch Betül Demir. „Man hört oft von Eltern, die ihre Kinder einengen, sie in bestimmte Rollen drängen. Das war bei uns auf keinen Fall so. Wir waren frei von den Eltern aus. Das war unser Glück. Dafür bin ich sehr dankbar.“ Für diese Freiheit stehen die Rosen und Vögel, die den Arm der 26-Jährigen zieren. Außerdem ist da noch eine Uhr. „Eine Erinnerung daran, dass die Zeit vergeht und genutzt werden muss.“ Ihre Schwester Habibe hat sich ebenfalls Vögel auf dem Arm tätowieren lassen. „Für Freiheit. Und für den Frieden.“ Auch auf ihrem Arm ist eine Uhr zu sehen, mit der Uhrzeit der Geburt ihrer Tochter. Über ihrer Brust ist sogar deren Originalfußabdruck zu sehen. Die beiden Schwestern Betül und Habibe verbindet viel, weswegen sie sich vor kurzer Zeit sogar für ein gemeinsames Tattoo entschieden haben. Ein Herz umrahmt den Schriftzug „Sisters“, der bei Habibe nun im Nacken, bei Betül auf dem Handgelenk zu finden ist. Beide tragen auch den Namen einer Musikgruppe auf dem Handgelenk. „Ich hätte gerne noch mehr. Ich wollte auch schon immer Tattoos“, sagt Habibe.

Die Schwestern Betül und Habibe Demir verbindet viel – und seit Kurzem auch ein gemeinsames „Sisters“-Tattoo.
Den Namen ihrer Lieblings-Hip-Hop-Gruppe haben sich die beiden Schwestern aufs Handgelenk tätowieren lassen.
Betül Demir trägt mehrere Tattoos, darunter Rosen und Vögel.

Manuel Wiedemanns Tattoo entstand eher spontan

Nur ein Tattoo trägt hingegen Manuel Wiedemann – und das entstand „eher so spontan, könnte man sagen“. Die Katze am Oberschenkel hat ihm ein langjähriger Kumpel im Keller gestochen. „Dazu steh ich. Ob ich’s bereu? Keine Ahnung“, meint Manuel Wiedemann grinsend. Seine Freunde um ihn herum brechen ebenfalls in Gelächter aus. Mehr Tattoos will Manuel nicht. „Ich wüsste nicht, was ich mir noch stechen lassen würde.“ Wegen des Tattoos blöd angesprochen, wurde er bisher noch nie. „Das kann aber auch daran liegen, dass es nicht so gut sichtbar ist.“

Manuel Wiedemanns Tattoo entstand spontan im Keller eines Kumpels.
Der junge Mann trägt eine Katze auf dem Oberschenkel.

Gibt es Vorurteile über tätowierte Menschen?

Betül Demir hingegen hat nicht immer gute Erfahrungen gemacht. Sie denkt, dass durchaus viele Vorurteile gegenüber Tätowierten bestehen. „Vor allem viele Jugendliche denken mittlerweile, Tattoos seien asozial. Dabei hat das mit Asozialität überhaupt nichts zu tun.“ Habibe Demir bestätigt diesen Eindruck und fügt hinzu: „Alle Tätowierten, die ich kenne, arbeiten hart und sorgen gut um ihre Familien. Viele arbeiten auch in der Pflege, wie wir beiden.“ Betül nickt: „Ich würde mir mehr Toleranz für Tattoos wünschen. Generell wäre es schön, wenn die Leute anderen offener begegnen würden – egal wie sie aussehen.“

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