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Pfaffenhausen

30.01.2020

Unterallgäuer Ehepaar über den Alpen abgestürzt: Pilot verurteilt

Ein gerahmtes Sterbebild erinnert im Schuh- und Modegeschäft Weißenhorn in Pfaffenhausen an das Ehepaar Jakob.

Plus Vor einem Jahr starb das Pfaffenhausener Unternehmer-Ehepaar Jakob bei einem Flugunglück über den italienischen Alpen. Nun gab es ein Urteil.

Nur wenige Tage nach dem Jahrestag des Hubschrauberunglücks über den italienischen Alpen, bei dem das Pfaffenhausener Unternehmerehepaar Jakob ums Leben gekommen war, ist jetzt der Pilot des Flugzeugs verurteilt worden, das mit dem Hubschrauber zusammengestoßen war.

Der 65 Jahre alte Franzose wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten verurteilt. Das italienische Gericht sah es als erwiesen an, dass der Pilot und Fluglehrer für den Zusammenstoß seines französischen Leichtflugzeugs mit dem italienischen Hubschrauber verantwortlich ist – und damit für den Tod von sieben Menschen, darunter Christoph und Ingrid Jakob.

Das Pfaffenhausener Ehepaar liebte das Skifahren

Die Pfaffenhausener Unternehmer waren vom italienischen Courmayeur im Aostatal aus mit dem Hubschrauber zum Heli-Skiing aufgebrochen. Schon seit Wochen hatten sich die beiden Wintersportbegeisterten auf die Abfahrt in der tief verschneiten Natur gefreut. In der Regel hatten die beiden darauf geachtet, getrennt zu fliegen. Doch dieses Mal war die Gruppe der Skifahrer zu klein für zwei Hubschrauber – und so saßen an Christoph Jakobs 53. Geburtstag beide Ehepartner im selben Helikopter.

Unterallgäuer Ehepaar über den Alpen abgestürzt: Pilot verurteilt

Der Pilot des französischen Leichtflugzeugs war derweil zusammen mit zwei Flugschülern von Frankreich aus gestartet. Italienischen Medienberichten zufolge soll er fahrlässig und unüberlegt gehandelt haben, da er in den italienischen Luftraum eingedrungen war, ohne darauf zu achten, ob dort auch andere Flugzeuge unterwegs waren. Zudem, so der Vorwurf, habe das französische Flugzeug keine Signale ausgesandt, um andere auf seine Anwesenheit hinzuweisen.

Die Aufnahmen von zwei Actionkameras belasteten den Piloten des Flugzeugs

Weil die Wrackteile nach dem Zusammenstoß offenbar nur über 400 Quadratmeter verteilt waren, haben die Ermittler daraus geschlossen, dass sich die Kollision in relativ geringer Höhe ereignet haben muss. Sechs Monate später fanden sie italienischen Medienberichten zufolge zwei Actionkameras im Schnee, die Skifahrer häufig am Helm befestigen. Diese halfen, den Vorfall aufzuklären: Die Analyse der Film-Aufzeichnungen ergab, dass das Flugzeug mit dem Hubschrauber an einem Punkt kollidiert war, an dem es sich nicht hätte befinden dürfen. Es war offenbar gerade dabei, zu landen, während der Helikopter auf dem Weg nach oben war.

Der heute 65 Jahre alte Pilot des Flugzeugs hatte den Absturz überlebt, ebenso ein Passagier des Hubschraubers. Ums Leben gekommen waren der italienische Pilot des Helikopters, ein Bergführer und die weiteren drei Insassen – darunter das Ehepaar Jakob – sowie die beiden Flugschüler, ein Belgier und ein Franzose, die mit dem späteren Angeklagten im Flugzeug saßen.

Der Pilot muss ins Gefängnis und darf fünf Jahre kein Flugzeug mehr steuern

Der Staatsanwalt hatte für den 65-jährigen Piloten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten beantragt. In dem Schnellverfahren vor Gericht wurde der Mann zu sechs Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Zudem ordnete der Richter an, dass der Angeklagte, der Flugkapitän für eine französische Fluggesellschaft ist, fünf Jahre lang kein Flugzeug mehr steuern darf. Den Angehörigen wurden Entschädigungen von insgesamt mehr als fünf Millionen Euro zugesprochen, heißt es in den italienischen Medien.

Inwieweit der Präsident der französischen Aeroclubs, von dem aus das Flugzeug gestartet war, ebenfalls mitverantwortlich ist, weil das beteiligte Leichtflugzeug als Schulflugzeug verwendet wurde, steht noch nicht fest. Dies soll nach dem Willen des italienischen Richters nun die Staatsanwaltschaft ermitteln.

Chiara Jakob und ihr Freund Fabian Achatz, 22 und 23 Jahre alt, führen nun das Mode- und Schuhgeschäft in Pfaffenhausen.
Bild: Ulrich Wagner


Chiara Jakob führt seit dem Flugunglück die Geschäfte in Pfaffenhausen weiter

Seit dem Tod ihrer Eltern führt Chiara Jakob die Geschäfte in Pfaffenhausen weiter. Für die junge Frau und gelernte Textilbetriebswirtin stand sofort fest, dass sie das Erbe ihrer Eltern weiterführen will: eine Oldtimer-Garage, einen Schreibwarenhandel, ein Schuhgeschäft für die ganze Familie und einen Laden für Damenmode, die über die Region hinaus bekannt sind. Sie sagt zum Urteilsspruch des italienischen Gerichts: „Unsere Familie hat den Prozess verfolgt und ist froh, dass die damit verbunden Belastungen nun vorüber sind.“

Ein Porträt über die junge Unternehmerin Chiara Jakob finden Sie hier: Eltern starben bei Absturz: Chiara Jakob ist mit 22 plötzlich Unternehmerin

Hier geht es zur Berichterstattung über den Flugunfall:

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