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Bad Wörishofen

11.08.2019

Unterallgäuer Firma Tricor an Asiaten verkauft: Der Chef nennt die Gründe

Tricor-Vorstandsvorsitzender Martin Müller (Mitte) mit den Vorständen Klaus Wiblishauser (links) und Robert Wiblishauser im Unternehmenssitz der Tricor AG in Bad Wörishofen.
Bild: Markus Heinrich

Plus Der Unterallgäuer Konzern mit 900 Beschäftigten gehört bald Japanern. Martin Müller betont die Chancen. Was sich in Bad Wörishofen ändert.

Eine der größten Unternehmensübernahmen der Landkreis-Geschichte geht in diesen Tagen in Bad Wörishofen über die Bühne. Der japanische Konzern Rengo kauft über seine Tochterfirma Tri-Wall 100 Prozent der Aktien an der Tricor Packaging & Logistics AG. Bis zum Monatsende soll das Geschäft vollzogen sein, sagte der Vorstandsvorsitzende und bisherige Hauptaktionär Martin Müller am Freitag gegenüber unserer Redaktion. Müller betont, es sei ein Verkauf aus einer Position größter Stärke heraus.

Tricor sei seit Juli erstmals in der Firmengeschichte schuldenfrei, das Unternehmen werde heuer voraussichtlich ein Rekordergebnis einfahren. „Man muss das als Nachfolgelösung sehen“, erklärt Müller. „Wir haben gesehen, dass dies nun der richtige Moment ist.“ Er werde nun 58 Jahre alt, seine Kinder könnten den Konzern in absehbarer Zeit noch nicht übernehmen. Deshalb habe man nach einem Partner gesucht.

Müller zufolge gab es Anfragen aus allen Teilen der Welt: „Man hat uns überall bescheinigt, dass wir technologisch einen Vorsprung von 10 bis 15 Jahren in der Branche haben.“ Übrig blieben drei Interessenten, mit denen unterschriftsreife Verträge ausgehandelt waren, zwei deutsche Unternehmen und Rengo. „Wir haben uns für die Japaner entschieden, weil wir mit Rengo die besten Chancen für die Zukunft sehen“, erklärt Müller. Und da hat der umtriebige Unternehmenslenker und Sportwagenfan noch viel vor. Ans Aufhören denke er längst nicht, machte Müller am Freitag klar. „Wir wollen Tricor jetzt zur Weltmarke ausbauen“, gibt er die Richtung vor.

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Neue Tricor-Eigner müssen das Vertrauen rechtfertigen

Er bleibt als Chef an Bord, ebenso der gesamte Tricor-Vorstand. „Für die Beschäftigten und den Standort Bad Wörishofen ändert sich nichts“, betont Finanzvorstand Robert Wiblishauser. „Keiner hat die Absicht, zu zentralisieren, alle Stellen bleiben, wir suchen weiterhin Personal“, macht er deutlich. Müller betont: „Die Arbeitsverträge bleiben unangetastet“. Auch an den Standorten Eppishausen und in Aletshausen ändere sich nichts.

Es gibt eine gewichtige Änderung in Bad Wörishofen

Eine gewichtige Änderung gibt es aber schon, allerdings zum Vorteil des Standortes Bad Wörishofen: Die Europazentrale der Tri-Wall wird nach Bad Wörishofen an den Tricor-Sitz verlegt. Dazu kämen drei bis vier Personen zur Belegschaft hinzu. „Allerdings auch etwa 100 Millionen Euro Umsatz“, macht Technikvorstand Klaus Wiblishauser klar. Auch für diesen Umsatz, also das gesamte Europageschäft der Tri-Wall, sind künftig die Tricor-Vorstände verantwortlich.

Mit dem Tri-Wall-Chef Yuji Suzuki ist Müller seit langer Zeit bekannt. Suzuki habe sein Unternehmen einst ebenfalls an Rengo verkauft, leite es heute noch und sei „mit der Entscheidung bis heute glücklich“, berichtet Müller. In drei Versammlungen habt der Tricor-Vorstand am Freitag die Belegschaft über den Verkauf informiert. Er habe Verständnis gespürt, berichtet Müller. „Die Mannschaft steht geschlossen hinter uns“, sagt Klaus Wiblishauser. Müller wirbt für das Zukunftskonzept der Tricor AG. Es sei wichtig, dort zu sein, wo „unsere Kunden sind“, sagt er. „Das Wichtigste ist, dass wir zufriedene Kunden haben“, betont er. Davon hänge am Ende auch das Wohl der Mitarbeiter ab.

Die Tricor Packaging & Logistics AG sitzt in Bad Wörishofen direkt an der Autobahn A 96.
Bild: Markus Heinrich

Mit Rengo habe man nun auf einen Schlag Zugang zu einem globalen Markt. „Wir wollen die Marke jetzt in den USA etablieren“, kündigt Müller an. Im Umkehrschluss erhalte Rengo Zugang zum europäischen Geschäft, wo Tricor bislang der Platzhirsch war. „Wenn unser Konzept erfolgreich ist, profitiert davon auch Bad Wörishofen“, sagt Müller. Eine Erweiterung des Unternehmenssitzes sei zwar nicht geplant. Doch es geht um die Steuereinnahmen. Auch nach dem Verkauf werde die Tricor AG in Bad Wörishofen Gewerbesteuer zahlen, hier ändere sich nichts. Das anstehende Rekordergebnis werde für „das größte Gewerbesteueraufkommen“ des Unternehmens bisher sorgen.

So wird Bad Wörishofen laut Müller vom Verkauf profitieren

Dazu komme, so Müller, dass Bad Wörishofen auch vom Verkauf des Unternehmens profitiere, den seine eigene Vermögensgesellschaft habe ihren Sitz in Bad Wörishofen, wegen des vergleichsweise günstigen Gewerbesteuerhebesatzes, wie Müller betont. Welchen Preis die Japaner für die Tricor AG bezahlt haben, behält Müller für sich. Man habe Verschwiegenheit vereinbart.

Tricor soll auch weiter wachsen. „Ein weiterer Standort in Deutschland ist im Fokus“, sagt Müller.

Mit Rengo und Tri-Wall ist Müller sehr zufrieden. Bei einem viertägigen Besuch in Japan in der vergangenen Woche habe man den Eindruck eines sehr seriösen Partners gewonnen. Das werde sich auch in der Besetzung der Aufsichtsräte spiegeln. Drei Vertreter von Tri- Wall werden in den Tricor-Aufsichtsrat einrücken. Für Tricor werden Robert Wiblishauser und Co Kroon in den Tri-Wall-Aufsichtsrat in Hong Kong gehen. Wichtig ist Müller auch, dass Tri-Wall „zu 100 Prozent aus Japan geführt wird“. Beide Marken würden bei dem Zusammenschluss ihre Eigenständigkeit bewahren.

Tricor stellt Verpackungen aus Schwerwellpappe her

Die Tricor AG betreibt derzeit fünf Produktionsstandorte, eine Logistikplattform und vier Servicecenter in Deutschland, Tschechien und Slowenien. Tricor konzentriert sich nach eigenen Angaben auf die Entwicklung und Produktion von industriellen Verpackungslösungen aus Schwerwellpappe. Über die Tochtergesellschaft Transcor Logistics GmbH & Co. KG bietet Tricor zudem Lager- und Logistiklösungen an. Transcor betreibt unter anderem eine eigene Lkw-Flotte mit etwa 170 Fahrzeugen.

Tricor beliefert nach Unternehmensangaben größtenteils Industriekunden aus der Automobilbranche, dem Maschinenbau, der Elektronik und Chemie.

Die Tricor AG hat im Geschäftsjahr 2018/19 eine konsolidierte Gesamtleistung von rund 187 Millionen Euro in der Gruppe erreicht und beschäftigt derzeit rund 900 Mitarbeiter.

Rengo und und Tri-Wall erzielten nach eigenen Angaben zusammen im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von umgerechnet etwa 5,5 Milliarden Euro und beschäftigen weltweit etwa 17.000 Mitarbeiter.

Lesen Sie dazu auch: Asiaten kaufen Unterallgäuer Konzern mit 900 Arbeitsplätzen

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