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Kirchheim

18.03.2021

Veränderungen und Stellenabbau bei Wanzl in Kirchheim

Im Wanzl-Werk 4 in Leipheim wird es künftig keine Fertigung mehr geben, diese wandert nach Kirchheim (Bild) ab. Hier sollen künftig alle grundlegenden Vorarbeiten gemacht werden. Die Oberflächenbehandlung – von der Pulverbeschichtung über die Galvanik bis hin zum Tauchlack – bleibt im Unterallgäu erhalten.

Plus Während Leipheim zum Montage- und Logistikstandort für die Unternehmensgruppe wird, verlagert sich die Fertigung ins Unterallgäu. Auch Stellen sollen reduziert werden.

Als „weltgrößter Einkaufswagenhersteller“ ist die Firma Wanzl mit Sitz in Kirchheim und Leipheim bekannt. Doch gerade mal noch ein gutes Drittel seines Umsatzes generiert Wanzl heute aus der Produktion dieser rollenden Kunststoff- und Metalltransporter. Die Digitalisierung hat die Branche längst ergriffen: Kunden kaufen immer häufiger online ein, stationäre „Einkaufswelten“ müssen begeistern; gleichzeitig investiert der Handel nicht mehr so stark in Standardprodukte wie Verkaufstische und Einkaufswagen. Auf diesen tief greifenden Wandel reagiert Wanzl nun mit einem Transformationsprozess – dem Masterplan „Wanzl 2025“.

„Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen und verbessern“, sagt Markus Bergmann, Geschäftsführer für die Bereiche Finanzen, IT und Personal. Aus der 1947 gegründeten Werkstätte für Waagenbau ist ein international agierender Konzern geworden, dessen Größe nicht immer von Vorteil sein muss. So kommt es ab und an vor, dass Mitbewerber Aufträge von bis dahin treuen Wanzl-Kunden wegschnappen. Das ist für das Management ärgerlich genug. Alarmierend wird es, wenn die fixe Konkurrenz der etablierten Firma völlig unbekannt ist.

Was hinter der "Vorwärtsstrategie" der Firma Wanzl steckt

„Man darf sich nicht darauf ausruhen, Marktführer bei Einkaufswagen zu sein“, sagt Harald Dörenbach. Er verantwortet seit acht Jahren die Felder Produktion, Entwicklung und Qualitätsmanagement bei Wanzl. „Beratung für die Bedürfnisse unserer Kunden, individuelle Produktinnovationen, Gesamtlösungen aus einer Hand, Installation vor Ort und Service in der Nachbetreuung – das ist unsere Zukunft.“ Der „neue Wanzl“ soll mithilfe einer, wie es im Management genannt wird, „Vorwärtsstrategie“ entstehen. Personal soll international gewonnen werden, es soll mehr Schulungen geben und neue Ausbildungsrichtungen, um zukunftsorientierte Berufe zu entwickeln.

Neu aufstellen müssen sich auch die Wanzl-Werke 3 in Kirchheim und 4 in Leipheim. „Es sollen nicht mehr alle alles machen“, sagt Bergmann. Die komplette Fertigung beider Werke wird nach Kirchheim verlagert, dafür wird die Produktionsstätte in Leipheim zum Montage- und Logistikstandort ausgebaut.

Markus Bergmann

Was bedeutet das für den Standort Kirchheim, an dem aktuell rund 650 Mitarbeiter inklusive Leiharbeiter beschäftigt sind? 471 Festangestellte und eine unterschiedlich hohe Zahl an Leiharbeitern fertigen, montieren und versenden hier Backmöbel für den Handel, Produkte für Hotels, wie Zimmermädchenwagen, Gepäckwagen für Flughäfen, Transportwagen für Baumärkte oder Möbelhäuser, Kommissionierwagen und Rollcontainer. Zudem werden in Kirchheim die Untergestelle für Einkaufswagen hergestellt.

Zukünftig, so Bergmann und Dörenbach, übernimmt Kirchheim sämtliche Fertigungsarbeiten für alle Produkte – außer der Produktgruppe Einkaufswagen, die im Leipheimer Werk 2 produziert werden. In Kirchheim sollen also künftig verschiedene Produktionstechniken wie Stanzen, Drehen, Fräsen, Schweißen sowie Fertigungsschritte wie die Rohr- und Blech-Bearbeitung und Draht-Fertigung angesiedelt sein. Die Oberflächenbehandlung – von der Pulverbeschichtung über die Galvanik bis hin zum Tauchlack – bleibe bestehen. Die bereits bestehende Galvanik und Pulverbeschichtung in Leipheim bleibt ebenfalls erhalten.

Das ändert sich im Wanzl-Werk in Kirchheim

Geplant ist, dass in Kirchheim künftig alle grundlegenden Vorarbeiten gemacht werden. Anschließend werden die Produkte in Leipheim montiert und versendet. „Hinsichtlich der Tätigkeiten ändert sich für die meisten Angestellten an sich nichts“, erklären Bergmann und Dörenbach auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung. „Lediglich der Arbeitsstandort kann sich für manche Mitarbeiter von Kirchheim nach Leipheim und umgekehrt verlagern.“ Teils werde es auch möglich sein, am jeweiligen Standort eine andere Aufgabe zu übernehmen, so das Management.

Wie viele Mitarbeiter tatsächlich eine neue Aufgabe übernehmen oder umziehen sollen, stehe noch nicht fest. „Wir suchen mit dem Betriebsrat gemeinsam einen Weg, um einen Interessenausgleich zu finden und den ,Mehraufwand’ abzufedern, wenn zum Beispiel längere Anfahrtswege entstehen sollten“, heißt es von Seiten des Managements. Mehr als 40 Kilometer liegen zwischen beiden Standorten.

Harald Dörenbach


„Momentan sind wir in der Informationsphase. In konkrete Verhandlungen werden wir noch eintreten“, sagt Geschäftsführer Bergmann, der weiß, dass alte Gewohnheiten aufgebrochen werden. „Wir sind heute ein erfolgreiches Unternehmen und können die Veränderungen selbst gestalten.“ Ansonsten, so seine Einschätzung, würde Wanzl „vom Markt her verändert werden“.

In drei Mitarbeiterinformationen wurde die Belegschaft auf den aktuellen Stand gebracht. Die Geschäftsführer betonen ihr Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Gleichwohl wird die Anzahl der Arbeitsplätze durch „natürliche Fluktuation“ reduziert: Frei gewordene Stellen, etwa von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, werden nicht wiederbesetzt. Die Tarifpartner seien in diesen Prozess einbezogen, es würden verschiedene Möglichkeiten, beispielsweise Altersteilzeitmodelle, diskutiert. „Wir investieren in unsere Mitarbeiter, werden aber Stellen nicht nachbesetzen, wo heute Mitarbeiter an zwei Standorten und den gleichen Maschinen das Gleiche tun“, so Bergmann und Dörenbach in ihrer Stellungnahme. Wo es möglich und notwendig sei, würden neue Stellen für die Mitarbeiter mit neuen Tätigkeiten geschaffen. Außerdem soll der Leiharbeiteranteil, der nach Angaben der Geschäftsleitung zwischen zehn und 15 Prozent liegt, vermindert werden.

Wie viele Stellen Wanzl abbauen wird, bleibt unklar

Über den Umfang des Stellenabbaus macht das Wanzl-Management keine Angaben – und eine Jobgarantie gibt es nicht. Je nach Auftragslage sind in Kirchheim zwischen 50 und 150 Leiharbeiter beschäftigt – auch über deren Stellen sei noch nicht entschieden, „da wir uns in der Planungsphase befinden“, heißt es. Und weiter: „In der heutigen Zeit bestehen immer Unsicherheiten, so wie zum Beispiel Corona das Einkaufsverhalten beeinflusst.“

Klaus Meier-Kortwig, der Vorsitzende der Geschäftsführung, ist überzeugt von diesem Weg: 2015 seien mit dem Masterplan „Wanzl 2020“ die Weichen für eine positive Zukunft gestellt worden. Als einer der ganz wenigen in der Branche erziele Wanzl organisches Wachstum – und die gesamte Organisation sei deutlich zukunftsfähiger aufgestellt. Der neue Plan „Wanzl 2025“ baue nun darauf auf und „ist die logische Fortführung“.

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