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Türkheim

18.06.2019

Verkommt der Schlosspark zur „rechtsfreien Zone“?

So idyllisch wie am Dienstagmorgen ging es in der Nacht zuvor im Türkheimer Schlosspark offenbar nicht zu: Anlieger beschwerten sich (wieder einmal) über feiernde Jugendliche, die Polizei musste mit fünf Streifenbesatzungen für Ruhe sorgen.
Bild: alf

Plus In der Nacht zum Dienstag mussten fünf Polizeistreifen für Ordnung sorgen, weil sich eine ganze Clique massiv gegen eine Polizeikontrolle wehrte.

Es ist wieder Sommer – und im Türkheimer Schlosspark geht der Ärger wieder los: In der Nacht zum Dienstag mussten gleich fünf Polizeistreifen ausrücken und für Ruhe sorgen. Laut Polizeichef Thomas Maier wurden zwei Personen vorläufig festgenommen. Laut Polizeireport wurde am späten Montagabend wurde von einer Polizeistreife eine Personenkontrolle im Schlosspark in Türkheim durchgeführt. Nachdem ein 28-Jähriger zunächst zu Fuß geflüchtet war und von den Beamten eingeholt werden konnte, solidarisierten sich mehrere Personen mit dem Mann und wirkten aggressiv auf die Polizeibeamten ein, sodass mehrere Unterstützungsstreifen angefordert wurden, so die Polizei.

28-jähriger Türkheimer widersetzte sich der Festnahme im Schlosspark massiv

Der Mann versuchte abzuhauen und sich sich der Festnahme zu entziehen. Er leistete massiven Widerstand gegen die Beamten. Bei der anschließenden Personendurchsuchung brachte bei dem Mann einen Verstoß nach dem Waffengesetz zu Tage. Zudem war der alkoholisierte Mann zuvor mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, was ebenfalls eine Anzeige zur Folge haben wird.

Die 22-jährige Freundin des Mannes verhielt sich den Polizeibeamten gegenüber auch sehr aggressiv, weshalb sie in Gewahrsam genommen wurde. Auf dem Weg in die Haftzelle trat diese schließlich mit dem Fuß nach dem Knie eines Beamten, wobei dieser nicht verletzt wurde. Da sie sich in der Zelle anschließend in einem psychischen Ausnahmezustand befand, wurde die alkoholisierte Frau in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert

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Das Problem mit Ruhestörungen und Kriminalität im Türkheimer Schlosspark ist nicht neu und eskaliert meist in den Sommermonaten, wenn die Nächte lau sind und die offenbar meist jugendlichen Unruhestifter Ferien haben.


Schon mehrfach war das auch Thema im Gemeinderat, doch die vorgeschlagenen Maßnahmen – eine ständige Beleuchtung bei Nacht und die Einführung einer Sicherheitswacht – wurden von der Ratsmehrheit abgelehnt, zuletzt im November 2017. Im Sommer 2016 hatten mehrere Vorfälle, darunter Schlägereien, Ruhestörungen und einige Fälle von Kleinkriminalität wie Drogenhandel – für Aufsehen gesorgt.

Ruhestörungen, Vandalismus, Müllberge: Anlieger des Türkheimer Schlossparks haben die Nase voll

Polizeichef Maier war dann im Gemeinderat schon zum zweiten Mal mit der Idee abgeblitzt, auch in Türkheim eine Sicherheitswacht aus Freiwilligen einzuführen. „Türkheim hat kein Sicherheitsproblem“, hieß es damals zur Begründung für die Entscheidung, die nach einem 10:10-Abstimmunspatt zustande kam. Man solle nicht „mit Kanonen auf Spatzen schießen“, fasste Grünen-Gemeinderätin Gudrun Kissinger-Schneider (Grüne) die Stimmung zusammen. Auch einem von der Verwaltung ausgearbeiteten Beleuchtungskonzept knipste der Gemeinderat damals das Licht aus, weil man das stimmungsvolle Ambiente im Schlosspark nicht zunichte machen wollte.

Lesen Sie dazu auch: „Türkheim hat kein Sicherheitsproblem“

Von diesem „stimmungsvollen Ambiente“ können Anlieger ein Lied singen – immer wieder komme es zu Ruhestörungen, Laute Musik, Geschrei, Lagerfeuer, im Park umherfahrende Autos, Müllberge, grölende Betrunkene, Vandalismus – in den sozialen Medien machte sich eine Anliegerin jetzt ihrem Ärger Luft. „.Ist das die Bronx von Türkheim?“, schreibt die besorgte Frau.

Hoffnung auf Abhilfe durch die Gemeinde oder die Polizei? Die hat die Anliegerin längst aufgegeben: „Nein, wir rufen keine Polizei, denn einmal sagte man uns, wenn sie nach Türkheim fahren müssen, dann wär keiner im Präsidium um wirkliche Notfälle abzuarbeiten“. Das decke sich mit seinen Erfahrungen, kommentierte ein Türkheimer: „Rasche Hilfe der Polizei erwarte ich in Türkheim persönlich nur im äußersten Notfall“.

Inzwischen haben manche Türkheimer sogar Angst: „Unsere Mädels trauen sich tags nicht ohne einen von uns durch den Schlossgarten“, schreibt eine Mutter. Ein unmöglicher Zustand, kommentiert ein anderer: „Das kann doch nicht wahr sein, dass wir eine ,No-Go-Area’ in Türkheim haben“.

Es gibt aber auch Stimmen, die Verständnis für die Jugendlichen fordern: „Problem ist sicher auch, dass die Jugendlichen keine Möglichkeiten mehr haben, sich irgendwo zu treffen“, schreibt eine Türkheimerin. „Warum wird so ein Mist verfasst?“, will ein anderer wissen: „Die Bronx von Türkheim? Macht euch doch nicht lächerlich“, so sein Kommentar.

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar von Alf Geiger:

Das Schlosspark-Problem löst sich nicht von selbst

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