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Streit wegen Umbau des Bahnhofsareals

03.07.2016

Verpulvert Stetten sein Geld?

Streitpunkt Fußgängerrampe am Bahnhof Stetten (lila eingefärbt). Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen diese Lösung, weil sie zu teuer sei.
Bild: Infografik AZ

Die Gemeinde bei Mindelheim will einen behindertengerechten Rad- und Gehweg mit Bahnunterführung bauen. Zu teuer, heißt es von einer Bürgerinitiative, die selbst aber keine Zahlen vorlegt

Es sind schwere Pfunde, mit denen Stetten wuchern kann: Die Gemeinde besitzt eine Auffahrt zur A96 und hat einen Bahnhof. Die Verkehrsanbindung ist also vergleichsweise glänzend. Zwar will die Bahn im Zuge der Elektrifizierung der Bahnstrecke München - Lindau das Bahnhofsgebäude verkaufen. Ein Bahnhalt bleibt und macht Stetten für Pendler auch in Zukunft zu einer begehrten Adresse.

Bürgermeister Richard Linzing ist heilfroh, dass seine Gemeinde auch in Zukunft einen eigenen Bahnhalt bieten kann. Aber er weiß auch, dass im Umfeld des Bahnhofs einiges geschehen muss. So muss das über 100 Jahre alte Viadukt im Norden Stettens neu gebaut werden. Das soll von Februar bis September 2018 geschehen.

Schon 2010 vom Gemeinderat beschlossen

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Vorverlegt in Richtung Osten wird der Bahnhof. Dabei sollen auch die beiden Bahnsteige neu gebaut werden. Diese Arbeiten sind für 2017 und 2018 geplant. Eine Konsequenz davon ist: Die Bahngleise können dann nicht mehr überquert werden. Dem will die Gemeinde mit dem Bau einer Unterführung für Radfahrer und Fußgänger abhelfen. Diese soll behindertengerecht gebaut werden. Schon 2010 hatte der Gemeinderat Stetten beschlossen, das Gewerbegebiet im Norden mit einer Bahnunterführung für Radfahrer und Fußgänger an den Ort anzuschließen.

Um den Höhenunterschied auszugleichen, sind Rampen vorgesehen, deren Steigung sechs Prozent nicht überschreiten darf. Um diesen Weg freilich gibt es seit Monaten Streit. Im Februar 2015 hatte sich eine Bürgerinitiative mit dem Kürzel „FBBS“ gegründet, das so viel wie „freie Bürgerbeteiligung ABS 48 für eine optimale und zukunftsfähige Lösung“ bedeutet. Werner Groitl und Renate Ludwig sind die Sprecher dieser Gruppe.

Die FBBS findet, der Geh- und Radweg müsse nicht barrierefrei gebaut werden. Das sei Geldverschwendung. Begründung: Wenn nicht mehr als 1000 Reisende am Tag einen Bahnhof nutzen, sei eine solche Lösung nicht erforderlich. Menschen mit Behinderung könnten den barrierefreien Bahnhof im nahen Mindelheim nutzen. Eine eigene Kostenrechnung legen Grotil und Ludwig aber nicht vor.

Bürgermeister: Wir müssen barrierefrei bauen

Bürgermeister Linzing widerspricht. „Wir sind als Gemeinde verpflichtet, barrierefrei zu bauen“. Andernfalls würde Stetten auf Zuschüsse verzichten müssen. Die Gesamtkosten für die Zuwegung Nord und Süd und die Bahn-Bauten liegen bei 807 000 Euro. Davon muss die Gemeinde 269 000 Euro übernehmen. Das ist ein Drittel.

Geplant ist nördlich der Gleise auch ein P+R-Parkplatz für 30 Autos. Der koste 93 500 Euro, sagt Linzing. Weil auch dieser Stellplatz förderfähig ist, bleiben letztlich als Gesamtkosten für alle Umbauten im Umfeld der Gleisanlagen bei der Gemeinde Stetten 315 800 Euro.

Die Bürgerinitiative wiederum meint, der P+R-Parkplatz sollte südlich der Gleise geschaffen werden. Das wäre für die Stettener leichter zu erreichen. Der Bürgermeister dagegen sagt, der Parkplatz werde auch von Autofahrern aus umliegenden Orten wie Stetten angesteuert. Diese Autolenker müssten dann durch das ganze Dorf fahren, der Verkehr wäre im Ort. Das will der Gemeinderat vermeiden. Linzing sagt aber auch, dass dank der Anregungen von Groitl und Ludwig ein paar Punkte verbessert werden konnten. So wurde die Einfahrt zum Parkplatz nach Norden verlegt und aus einer Kurve genommen. An der Hochstraße wird ein Kurzstellplatz geschaffen, ebenso kommen Radständer. An der grundsätzlichen Planung will der Gemeinderat aber festhalten, betont Linzing. Sechs Mal seien die Planungen öffentlich im Gemeinderat behandelt worden, sagt der Bürgermeister. Dennoch monierten Groitl und Ludwig fehlende Transparenz. Und sie haben Unterschriften gesammelt, um eine außerordentliche Bürgerversammlung durchzusetzen. Die fand dieser Tage mit rund 40 Teilnehmern statt. Ergebnis: Planer, Gemeinde, Bürgerinitiative und Vertreter der Bahn werden sich noch einmal zusammensetzen. Die Gemeinde ist zur Zeit dabei, einen Termin zu finden. Das Gespräch ist noch vor der Sommerpause geplant.

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