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09.11.2009

"Verstecktes Talent" geehrt

Schlingen "Hallo, schön dass du da bist", sangen die Kleinen im Kindergarten und gratulierten damit einer außergewöhnlichen Frau, der Mathematikerin Professor Dr. Gudrun Kalmbach zur Verleihung der Albert-Schweitzer-Medaille in Gold. Für die hohe Auszeichnung wählt die nach dem Urwalddoktor benannte "International Foundation" jährlich unter 300 Nominierungen weltweit nur zwei bis drei Personen aus.

Professor Kalmbach hatte sich als Ort und Kulisse für die ihr von der Stadt zugedachten Feierstunde nicht die "gute Stube" des Rathauses, sondern den Kindergarten in Schlingen gewünscht. "Ich lebe gerne in der Zukunft und die beginnt, wie auch die Bildung des Menschen nun einmal im Kindergarten", begründete die Wissenschaftlerin ihr Ansinnen.

Sie hat stets hochbegabte Kinder gefördert

Mit dem Einmaleins, dem Bruchrechnen oder "einfacher" Geometrie gaben sich die Schüler und Studenten der Wissenschaftlerin nie zufrieden. Die vielfach dekorierte und seit 2002 in Bad Wörishofen lebende Professorin suchte stets den Kontakt zu hochbegabten Kindern und Jugendlichen und half ihnen fördernd auf die Sprünge. Sie hat zahlreiche wissenschaftliche Publikationen veröffentlicht, zahlreiche Forschungsmodelle vorgestellt, ihre Ideen bei 150 Vorträgen und Veranstaltungen bundesweit "verkauft" und sich dazu immer Eltern und Erzieher mit ins Boot geholt. Die heute 72-jährige Mathematikerin sorgte nicht zuletzt mit der Entwicklung eines neuen physikalischen Weltbildes für Furore, sondern prägte auch den Begriff "MINT", der für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik sowie die Etablierung des gleichnamigen Fördervereins für hochbegabte Jugendliche steht.

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Bei all ihren Aktivitäten kann man gar nicht glauben, dass die Professorin, die 27 Jahre an der Uni Ulm ehrenamtlich Vorlesungen hielt und acht Jahre an Hochschulen der USA lehrte, eigentlich Ruheständlerin ist.

Die Forschung hat die "Granddame" nie losgelassen. Nach Bad Wörishofen kam sie im Oktober 2002 eher zufällig, nachdem sie ihre Zimmer in der Uni räumen musste und mit ihren nahezu 2000 Bänden und Büchern nicht wusste, wohin. Auf der Suche nach einem geeigneten Büro erinnerte sich Kalmbach an die Kneippstadt, wo sie am Jaudesring schnell fündig wurde.

Frank Allies, Großkanzler des Deutschen Ritterordens St. Georg, würdigte die Professorin in seiner Laudatio als den "weiblichen Einstein". Wie der "gute Wohnungsnachbar" skizzierte auch Bürgermeister Klaus Holetschek Lebensweg und Werdegang von "ihrer Exzellenz". Der Rathauschef beglückwünschte ein "verstecktes Talent in unserer Stadt".

Die Professorin spendierte dem Nachwuchs ein Glockenspiel

Kalmbach war zu den Kleinen im Kindergarten nicht mit leeren Händen gekommen, sie spendierte ein Glockenspiel. Monsignore Otto Baumgärtner segnete das kleine Geläut aus Blumentöpfen und machte deutlich: Wie jede Glocke sei auch jedes Kind anders. Nur in einem gut klingenden Zusammenspiel gelinge im Kindergarten wie im Leben ein Miteinander. Dass man die Sprache der Musik auf der ganzen Welt versteht, brachten die Kinder mit fröhlichen Liedern zum Ausdruck.

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