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Erkheim

21.08.2015

„Verwesungsgeruch wie bei toten Tieren“

Seit 17 Jahren werden kommunale Bioabfälle, Speisereste und Abfälle der Lebensmittelindustrie in der Vergärungsanage der BIO-Energie Schwaben im Südwesten Erkheims entsorgt.
Bild: Kustermann

Die Gemeinde Erkheim will, dass die Firma Bio-Energie vom Landratsamt überprüft wird. Rathauschef: "Das Maß ist jetzt voll"

Von Franz Kustermann

Seit Jahren stinkt’s den Erkheimer Bürgern gewaltig. Nun macht auch die Gemeinde Druck: Sie hat beim Landratsamt eine Überprüfung der Firma Bio-Energie Schwaben beantragt, weil sie die massive Geruchsbelästigung durch die Vergärung von Bioabfällen nicht mehr hinnehmen will. Die Gemeinde verlangt unter anderem, dass die Behörde die Einhaltung der Vorschriften zur Luftreinhaltung und sämtliche Betriebsabläufe anhand des Betriebstagebuchs der Firma kontrolliert.

„So kann es nicht weitergehen – das Maß ist jetzt voll“, sagt Bürgermeister Christian Seeberger. Die Gemeinderäte nehmen an, dass die Firma zuviel Abfall entgegennimmt und es deshalb zu einer verkürzten Vergärungszeit und einer mangelhaften Bakterientätigkeit kommt. Das Ratsgremium vermutet weiter, dass durch den Eintrag „nicht geeigneter Stoffe“ die Abbau-Organismen keine optimalen Bedingungen vorfinden. Weitere Ursachen für die „ekelerregenden Geruchsbelästigung“ sehen die Markträte darin, dass Behälter und Rohrleitungen womöglich undicht sind.

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Der Markt Erkheim wirft dem Landratsamt vor, dass die Behörde mit „einem Entsorgungs-Fachbetrieb zusammenarbeitet, der die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches überschreitet“. Der Marktrat will nun konkret wissen, wie lange die Entsorgungsverträge mit der Bio-Energie Schwaben noch laufen und ob es diesbezüglich ein Sonderkündigungsrecht gibt.

Der Vorsitzende des seit 15 Jahren bestehenden Vereins „Saubere Luft“, Toni Kössler, erklärt auf Anfrage, dass man ein Erfassungssystem eingeführt habe, bei dem Bürger jederzeit an Landratsamt, Verein, Gemeinde und an den Betreiber eine Mitteilung verschicken können, wenn Geruchsprobleme auftreten. Allein im Juli gingen in 15 Tagen insgesamt 55 solcher Meldungen ein. Je nachdem, wohin der Wind den Geruch bläst, seien die Bürger entsprechend betroffen.

Laut Kössler hängt die Geruchsemission nicht von der Anlieferung der Bioabfälle ab: Denn auch an Feiertagen und zu jeder Tages- und Nachtzeit könne es zu diesem „Verwesungsgeruch wie bei toten Tieren“ kommen. Messungen der Abluft am Ende des Biofilters hätten am 27. Mai ergeben, dass die erlaubte Konzentration von 500 Geruchseinheiten je Kubikmeter um das 60-fache überschritten worden sei. Joachim Stiba vom Bund Naturschutz nimmt an, dass es noch andere Quellen für die Geruchsbelästigung gibt, selbst in Daxberg komme noch „eindeutiger Verwesungsgeruch“ an.

Die Firma arbeitet intensiv an dem Problem

Werner Knittel, Geschäftsführer der Firma Bio-Energie Schwaben, bestätigt in einem zweiseitigen Schreiben an die Bürger, „dass die Geruchsbeschwerden in den letzten Monaten begründet sind“. Obwohl die Firma seit dem vergangenen Jahr mit erheblichen Investitionen „intensiv an einer Optimierung arbeitet“, habe sich die Situation bedauerlicherweise bislang nicht in der erhofften Form verbessert. Zusätzliche Abgasreinigungsanlagen und Änderungen an der Anlagenkonfiguration hätten den versprochenen Erfolg nicht erbracht.

Mit Professor Dr. Franjo Sabo von der Hochschule Rhein/Main hat der Entsorger nun einen Spezialisten beauftragt, „der ein wirksames Konzept zur nachhaltigen Optimierung der Abgasreinigungstechnik erarbeiten soll“.

Laut Christian Baumann vom Landratsamt hat die Behörde mehrere Anordnungen erlassen – und zwar jeweils mit einer Zwangsgeld-Androhung von bis zu 15000 Euro, falls die Missstände bei der Firma bis zum 29. April 2016 nicht beseitigt sind. Der Jurist hofft jedoch, dass das Problem erheblich früher gelöst ist.

Termin: Am Mittwoch, 30. September, findet um 18 Uhr auf dem Betriebsgelände der Bio-Energie eine Informationsveranstaltung statt. Dabei wird Professor Sabo erste Ergebnisse seiner Arbeit vorstellen und Fragen der Bürger beantworten. Anmeldung per E-Mail an info@bio-energie-schwaben.de

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