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Unterallgäu

10.12.2018

Viele Jobs, wenige Bewerber

Insbesondere im Handwerk fehlt es an Bewerbern. Dabei ist die Ausbildung laut Alfred Falger, Geschäftsführer des Jobcenters im Unterallgäu anspruchsvoll und der Verdienst oft sehr gut.

Im Unterallgäu mangelt es an Fachkräften. Woran das liegt, erklären Vertreter der Arbeitsagentur und des Jobcenters.

Gut für die Arbeitnehmer, schlecht für die Arbeitgeber: Im November 2018 lag die Arbeitslosenquote im Raum Mindelheim bei 1,8 Prozent. (Mehr zur Arbeitslosenquote im November lesen Sie hier: Arbeitsmarkt: Das Unterallgäu ist auf Platz 5 ) Jeder, der arbeiten will, findet hier also einen Job. Was für die eine Seite – die Arbeitnehmer – sehr schön ist, wirkt sich auf der anderen Seite negativ aus: Die Unternehmen suchen verzweifelt nach Fachkräften.

Wie es zu dieser Situation gekommen ist, dazu haben Verantwortliche in der Agentur für Arbeit verschiedene Erklärungen: Einerseits sei da natürlich der demografische Wandel, erklärt Maria Amtmann. Wo weniger Kinder geboren werden, können weniger eine Ausbildung anfangen. Die Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen betont aber auch, dass das Image des Handwerks – wo der Nachwuchs besonders fehlt – sich in den vergangenen Jahren verschlechtert hat: „Unter jungen Menschen wird momentan immer ein höherer Schulabschluss angestrebt.“ Meist gehe dies jedoch mehr von den Eltern als von dem Jugendlichen selbst aus: „Eltern denken oft: ,Mein Kind soll es besser haben als ich.’“ Alfred Falger, Geschäftsführer des Jobcenters Unterallgäu, stimmt ihr zu: „Viele sehen gar nicht, wie anspruchsvoll eine Ausbildung im Handwerk ist – und dass man da sehr gut verdient.“ (Mehr zum Thema Ausbildung lesen Sie hier: 800 Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt )

Die Unterallgäuer Unternehmen bieten teils sogar Betriebs-Kindergärten

Die Unternehmen in der Region bieten aber mehr als gute Bezahlung: „Es gibt ja mittlerweile sogar Betriebs-Kindergärten“, sagt Falger. So etwas könnten viele Handwerksbetriebe aber schon aufgrund der Größe nicht bieten, betont Maria Amtmann. Betriebs-Kindergärten seien auch eine Folge der guten wirtschaftlichen Entwicklung in der Region – die aber indirekt auch eine negative Folge hat: „Es werden mehr Erzieher gebraucht“, erklärt die Leiterin der Arbeitsagentur. Erziehung und Pflege sind Bereiche, in denen der Fachkräftemangel sehr hoch ist.

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Mittlerweile versuche man auch verstärkt, bereits ausgelernte Arbeiter umzuschulen. „Das Ziel ist, alle Potenziale auszuschöpfen und die Arbeitnehmer in bedarfstragende Betriebe reinzubringen“, erklärt die Leiterin der Agentur für Arbeit. Klar sei dabei aber auch, dass man keine Extreme bewältigen könne – ein Metallarbeiter lässt sich nicht einfach zum Erzieher umschulen. „Die Umschulungen kosten zwar entsprechend Geld – aber die Leute werden uns danach aus den Händen gerissen.“ Daher fördert die Arbeitsagentur weitere Qualifizierungen: „Die bisher Beschäftigten sollen sich nach oben qualifizieren, dass man dann Arbeitslose von unten ,nachschieben’ kann“, erläutert Maria Amtmann das Prinzip.

Die Unternehmer im Unterallgäu legen Wert auf Pünktlichkeit und Disziplin

Grundsätzlich sind Arbeitgeber heutzutage zunächst eher an sogenannten Soft Skills interessiert als an fachlichen Kenntnissen, betont Maria Amtmann: „Sie legen Wert auf Grundtugenden wie Pünktlichkeit und Disziplin, das Fachliche kann man sich dann immer noch aneignen.“ Auch Teamfähigkeit sei heutzutage sehr wichtig: „Es gibt immer weniger Einzelkämpfer.“

Wenn es aber nun in der Region laut Franz Zwingmann, Leiter der Agentur für Arbeit in Mindelheim, eine „Traumarbeitslosenquote“ gibt – was macht die Arbeitsagentur dann überhaupt? „Früher waren wir eher Vermittler“, erklärt Maria Amtmann und Franz Zwingmann ergänzt: „Heute sind wir eher im beratenden Bereich tätig.“ Beispielsweise beim Thema Mobilität: „Wir helfen zum Beispiel jemandem, der den Führerschein abgeben musste, dabei, zur Arbeit zu kommen“, sagt Amtmann.

Die Menschen, die Arbeit suchen, fit für den „Arbeitsmarkt 4.0“ zu machen, ist eines der Ziele der Arbeitsagentur und des Jobcenters. Es gehe vor allem darum, ältere Menschen mit bestimmten Aspekten der Technik vertraut zu machen, erklärt Maria Amtmann: „Aber sie auch generell wieder an den Arbeitsmarkt heranzuführen.“ Gerade Menschen, die jahrelang im selben Betrieb gearbeitet haben, bräuchten Hilfe bei Bewerbungen.

Mütter kehren auch im Unterallägu meist schnell wieder in den Beruf zurück

Aber auch Alleinerziehenden steht die Agentur beratend zur Seite: „Man steigt eben tiefer ins Persönliche ein“, erklärt Amtmann. Gerade bei alleinerziehenden Frauen und Frauen im Allgemeinen sind flexible Arbeitszeiten ein wichtiger Punkt: „Man will den Frauen das einerseits ermöglichen, muss es aber in Firmen mit dem Publikumsverkehr in Einklang bringen.“ Maria Amtmann betont, dass die Digitalisierung eine große Erleichterung ist, besonders durch das sogenannte Home Office. Mittlerweile hätten Firmen gesteigertes Interesse daran, Frauen als Arbeitskräfte zu halten: „Weil sie heute besser ausgebildet sind als früher.“ Die Leiterin der Agentur für Arbeit sagt auch, dass es mittlerweile üblich ist, dass Arbeitnehmerinnen nach der Erziehungszeit viel schneller in den Beruf zurückkehren: „Es gibt wenige Frauen, die erst nach zehn, fünfzehn Jahren wieder arbeiten“, ergänzt Alfred Falger einen weiteren Grund für die niedrige Arbeitslosenquote in Mindelheim und Umgebung.

Eine Quote, die – wie Maria Amtmann betont – dynamisch ist. Von Januar bis November 2018 haben laut der Agentur für Arbeit 3250 Menschen bei den Vermittlern vorgesprochen – ebenso viele Menschen meldeten sich aber auch wieder ab.

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