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Ottobeuren

12.08.2020

Volkssternwarte Allgäu: Die Perseiden-Sternschnuppen vor der Linse

Harald Steinmüller ist Vorsitzender der Volkssternwarte in Ottobeuren. Nachts blickt er gerne in den Himmel – auch mit dem Hightech-Teleskop.
Bild: Oliver Wolff

Plus Derzeit können die Perseiden beobachtet werden. Ein Unterallgäuer Hobbyastronom gibt Tipps zum Sternschnuppen-Schauen. Der Betrieb der Volkssternwarte Allgäu ist wegen Corona eingeschränkt.

Harald Steinmüller kennt viele der großen Akteure, aber auch die kleinen Sternchen des Kosmos. Mithilfe der Spezialteleskope der Volkssternwarte Allgäu am Rande von Ottobeuren kann der Hobbyastronom und Vereinsvorsitzende fremde Welten erblicken. In diesen Nächten steht aber etwas Anders auf dem Programm: der Perseidenschauer.

Abnehmender Mond: Perseiden heuer besonders hell

Eigentlich gebe es heuer die besten Voraussetzungen, um die Perseiden zu beobachten, sagt Steinmüller. „Wir haben einen abnehmenden Mond, der erst spät aufgeht.“ Jetzt müsse nur noch das Wetter mitspielen. Teils bewölkt, Gewitterschauer möglich – so lauteten zuletzt die Vorhersagen für die kommenden Nächte.

Ab etwa 21.30 Uhr sind bei guter Sicht die ersten Sternschnuppen mit bloßem Auge zu sehen. „Den Höhepunkt gibt es erst nach Mitternacht.“ Bis zu 150 Meteore können dann pro Stunde gezählt werden. Wobei Meteor ein etwas angsteinflößender Begriff ist. Es handle sich eigentlich nur um staubkorngroße Gesteine, erklärt der Hobbyastronom. Sie sind der Abrieb des Kometen Swift-Tuttle. Er gehört zu den kurzperiodischen Kometen und hat eine Umlaufzeit von etwa 133 Jahren. Der Komet Neowise, der zuletzt mit seinem markanten Schweif am Unterallgäuer Nachthimmel zu sehen war, zieht ungefähr nur alle 7000 Jahre an der Erde vorbei.

Erde rast mit etwa 87-facher Schallgeschwindigkeit durch Staubwolke

Der blaue Planet rast mit knapp 30 Kilometern pro Sekunde auf seiner Umlaufbahn um die Sonne – und durch die Perseiden-Staubwolke. „Man muss sich das vorstellen wie ein Auto, das durch ein Schneegestöber fährt.“ Große Flocken bleiben länger auf der Scheibe liegen, kleinere schmelzen eher. „Je nachdem wie groß das Staubkörnchen ist, können wir es kürzer oder länger sehen.“ Durch die Reibung der Erdatmosphäre verglühen die kleinen Meteore komplett und leuchten hell auf.

Wobei „hell“ in diesem Fall relativ ist. Um die Sternschnuppen am besten zu beobachten, sollte man sich ein dunkles Plätzchen suchen, erklärt Steinmüller weiter. „In der Stadt gibt es oft eine Lichtverschmutzung.“

Tipps fürs Fotografieren: Gegen Mitternacht klart der Himmel auf

Für Hobbyfotografen hat er auch noch einen Tipp: Gegen Mitternacht hat man – vorausgesetzt es gibt keine Wolkendecke – die klarste Sicht. „Dann ist der abendliche Dunst weg.“ Warme, feuchte Luft steigt nach Sonnenuntergang auf, es gibt eine Unruhe in den Luftschichten. Mit längeren Belichtungszeiten bei einer kleinen Blende – und mit einem Stativ – kann man die ein oder andere Leuchtkugel abknipsen. „Man braucht ein bisschen Glück.“

Die Profis unter den Hobbyisten installieren ihre Kameras an motorisierte Stative beziehungsweise Teleskope. Zwei solcher Systeme hat die Volkssternwarte in Ottobeuren. Allerdings im Großformat und alles andere als handelsüblich. Mehrere hunderttausend Euro ist die Technik wert. Das größte Teleskop hat eine Brennweite von 7200 Millimetern. Drei Spiegel sind verbaut, wobei der Hauptspiegel einen Durchmesser von 60 Zentimetern misst.

Volkssternwarte Allgäu: Teleskope sind motorisiert und computergesteuert

Das Besondere an diesem Teleskop: Es kann von einem Computer angesteuert werden. Es kann Sterne suchen und diese entgegen der Erdrotation verfolgen – und sogar als Foto aufnehmen. Für die Beobachtung von Sternschnuppen ist es aber nicht geeignet. „Grundsätzlich können wir mit dem Teleskop unbegrenzt weit ins All schauen, die Objekte müssen nur hell genug sein.“

Das weitest entlegene Objekt, das Steinmüller mit dem Spezial-Fernrohr gesehen hat, war ein Quasar. Als Quasar wird der aktive Kern einer Galaxie bezeichnet. „Der war ungefähr eine Milliarde Lichtjahre von uns entfernt.“ Zum Vergleich: Die Milchstraße hat einen Durchmesser von ungefähr 100.000 Lichtjahren.

Sonnenbeobachtung in Ottobeuren

An der Volkssternwarte kann man aber nicht nur weit entlegene Sterne betrachten. Für den uns Menschen am nächsten gelegenen Stern, die Sonne, nutzt Steinmüller ein Teleskop mit einer Spezialvorrichtung. Es filtert alle Spektrallinien aus dem grellen Licht – bis auf die des Wasserstoffs.

Im Okular sieht man die Sonne als purpurroten Kreis. Kleine dunkle Verfärbungen zeigen Sonnenflecken, die derzeit jedoch auf der erdzugewandten Seite nicht häufig auftreten. Sonneneruptionen, also bogenförmige Plasma-Auswürfe könnte man sogar auch mit diesem Teleskop beobachten.

Führungen sind wegen Corona schnell ausgebucht

Wegen Corona ist die Volkssternwarte Allgäu für Besucher nur eingeschränkt geöffnet. „Normalerweise haben wir bis zu 4000 Besucher pro Jahr. Wir machen jetzt jeden Freitagabend eine Führung mit maximal 30 Gästen.“ Die Führung findet nicht in geschlossenen Räumen statt, die Gäste werden einzeln auf die Aussichtsplattform mit dem Teleskop geführt. Wer Interesse habe, solle sich rechtzeitig anmelden, sagt Steinmüller. „Wir sind oft ausgebucht und können die Führungen nur bei gutem Wetter machen.“

Apropos Interesse: Nahezu jedes Kind träumt von einer Weltallreise als Astronaut. Der Verein der Volkssternwarte findet jedoch kaum Nachwuchs. Woran das liegt? Steinmüller kann es sich nicht erklären. „Wir sind halt kein Fußballverein.“

Eine der größten Sternwarten in Süddeutschland

Zur Astronomie ist der 53-Jährige über die Ottobeurer Sternbeobachtungsstation gekommen. „Damals hatten wir noch eine Jugendgruppe.“ Der Bau der Sternwarte geht bis ins Jahr 1966 zurück. Sie wurde von ihren Mitgliedern immer wieder modernisiert und erweitert. Heute zählt sie zu den größten vereinsbetriebenen Astro-Institutionen in Süddeutschland.

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