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Amberg

24.02.2020

Vollgas beim Flexibus, Vorsicht beim Funkmast

Ambergs Bürgermeister Peter Kneipp zeigt das Grundstück, auf dem ein Gutachter den Bau eines Funkmastes vorschlägt. Die ehemalige Wasserentnahmestelle im Wasserschutzgebiet ist etwa 400 Meter östlich der Wohnbebauung.
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Ambergs Bürgermeister Peter Kneipp zeigt das Grundstück, auf dem ein Gutachter den Bau eines Funkmastes vorschlägt. Die ehemalige Wasserentnahmestelle im Wasserschutzgebiet ist etwa 400 Meter östlich der Wohnbebauung.

Plus Der Funkmast-Standort östlich von Amberg im Wasserschutzgebiet gefällt Gemeinderäten und Bürgern. Gefällt er auch der Telekom?

An der ungewöhnlich großen Zuhörerzahl bei der jüngsten Amberger Gemeinderatssitzung ließ sich bereits die Bedeutung der Tagesordnungspunkte in der Öffentlichkeit ablesen. Dabei rangierte das Thema Flexibus nicht nur in der Reihenfolge der Tagesordnung auf dem zweiten Platz.

Zu Stellungnahmen aufgefordert fühlten sich einige Gemeinderäte durch den zwischenzeitlich bei der Gemeinde eingegangenen Brief des Landrates, in dem dieser nach der Absage Rammingens und dem zögerlichen Verhalten Wiedergeltingens noch einmal für das Vorhaben warb.

Die meisten sprachen sich in Amberg für den Flexibus aus

Der allgemeine Tenor der Wortmeldungen war eindeutig pro Flexibus, auch wenn die Annahme des Angebots bei den Menschen, die auf den ÖPNV angewiesen seien und der Erfolg nicht vorausgesehen werden könnten. Der Beschluss für eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde fiel entsprechend einstimmig.

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Um das Projekt, dem der Kreistag auch bereits zugestimmt hat, formell nicht zu gefährden, wurde die Anbindung nach Buchloe lediglich als Wunsch, nicht als Bedingung in die Beschlussfassung aufgenommen.

Ungleich spannender erschien den Zuhörern offenkundig die Präsentation des Gutachtens zum Funktmaststandort, mit dem die Gemeinde Hans Ulrich als Sachverständigen beauftragt hatte. Zur Erinnerung: vor knapp einem Jahr hatte Telekombeauftragter Frank-Peter Käßler an gleicher Stelle die Planung zur Errichtung eines Mobilfunkmastes für die erhöhten künftigen Anforderungen an die drahtlose Kommunikation im Ort vorgestellt.

Nach dessen Ausführungen ist eine Aufstellung des Sendemastes mitten im Ort eine geradezu unabdingbare Voraussetzung für eine flächendeckend, technisch gleichwertige Versorgung Ambergs mit Handyfrequenzen.

Einen Funkmast am Rathaus wollte der Amberger Rat nicht haben

Mit einem Funkmast im Bereich des Rathauses oder des gerade im Bau befindlichen Dorfgemeinschaftshauses mochte sich allerdings der Gemeinderat von Anfang an nicht abfinden oder gar anfreunden. Die gemeindlichen Gegenvorschläge für einen alternativen Standort etwa auf dem westlich gelegenen Höhenzug zwischen Amberg und Wiedergeltingen lehnte die Telekom jedoch kategorisch ab.

Um der Vollendung von Tatsachen vorzubeugen, sah sich die Gemeinde gezwungen, einen unabhängigen Sachverständigen mit der Suche eines Standorts zu beauftragen, der auch den technischen Anforderungen der Mobilfunknetzbetreiber gerecht wird.

Diesen konnte nun der auf das Sachgebiet spezialisierte Ingenieur Hans Ulrich nach Untersuchung der örtlichen Gegebenheiten vor Gemeinderat und interessiertem Publikum präsentieren. Der vorgeschlagene Standort befindet sich auf dem mit Bäumen bestandenen Grundstück in Gemeindebesitz, der ehemaligen Wasserentnahmestelle im Wasserschutzgebiet, das etwa 400 Meter östlich vom Ortsrand liegt.

Erleichterung bei den Zuhörern in Amberg

Das Ergebnis sorgte gleichermaßen bei den Zuhörern sichtlich für Erleichterung wie beim Gemeinderat für eine gewisse Überraschung; denn der Standort ist dem Gemeinderat nicht neu, befindet sich auf Gemeindegrund und wurde bereits vor der fachmännischen Prüfung als Alternative in Erwägung gezogen. Interessant war für die Amberger nicht zuletzt, was Hans Ulrich, dessen Gutachten unter anderem auch Grundlage für Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts in Mobilfunkfragen waren, gewissermaßen im Anhang als Information zum Thema lieferte.

So werden im Rahmen des bereits 2002 zwischen dem Freistaat und den Netzbetreibern geschlossenen „Mobilfunk-Pakt“ zwar „FEE-geförderte-Gutachten“ angeboten, diese dienen in der Regel allerdings lediglich der Bescheinigung der Unbedenklichkeit wegen nicht überschrittener Grenzwerte durch die Netzbetreiber.

Dass mit teils nur geringfügiger Abweichung vom Normstandort eine erheblich geringere Strahlenbelastung erreicht werden könnte, bleibt bei dieser Praxis außen vor. Unabhängige Gutachter wie Hans Ulrich müssen die Kommunen aus eigener Tasche zahlen, gewinnen damit allerdings auch eigenen Handlungsspielraum. In Amberg soll nun das weitere Vorgehen in interner Runde am Faschingsdienstag verhandelt werden.

Die Beteiligten sind neben Bürgermeister Peter Kneipp Hans Ulrich und Telekombeauftragter Frank-Peter Käßler. Ob er dem von Gutachter Hans Ulrich ausgemachten Standort zustimmen wird oder ob es zu einer Kompromisslösung kommen wird, bleibt bis dahin die spannende Frage.

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