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Pfaffenhausen

24.01.2021

Vom Sanierungsfall zum Schmuckstück: Wie sich ein Haus verändert hat

So sah das Haus aus, als Johannes Weber es 2014 gekauft hat. In den vorangegangenen Jahrzehnten war es vielfältig genutzt worden und stand teils auch leer.

Plus Johannes Weber hat sich getraut und ein jahrhundertealtes Haus in Pfaffenhausen gekauft. Mit der Sanierung hat er es all seinen Kritikern gezeigt.

Es gibt viele Menschen, die alte Häuser mögen. Doch nur wenige haben den Mut, sie auch zu kaufen. Johannes Weber gehört zu dieser erlesenen Gruppe: Er hat mit Anfang 30 ein mehrere hundert Jahre altes Haus in Pfaffenhausen gekauft, es entrümpelt und von Grund auf saniert – und mit seiner darin neu geschaffenen, modernen Zahnarztpraxis seine Kritiker überzeugt. „Jeder hat gesagt: Das kannst du nicht herrichten, das musst du wegreißen“, erinnert sich der 38-Jährige. „Und jetzt sagt jeder, dass es schön geworden ist.“

Das Haus von Johannes Weber ist jetzt ein Vorzeigeprojekt

So schön, dass das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben das Gebäude gleich als „Vorzeigeprojekt“ für die Dorferneuerung bezeichnet. Das Haus an der Nordseite der Hauptstraße ist Bestandteil der historischen Marktstraße Pfaffenhausens, die im 13. und 14. Jahrhundert entstanden ist – und die heute unter Ensembleschutz steht. Einst lag es gegenüber dem hochstiftischen Pflegamtsgebäude und war ursprünglich wohl eine Gaststätte mit Braustatt.

Die Nutzung veränderte sich aber im Laufe der Zeit: Mal beherbergte das Gebäude eine Schusterei mit Schuhladen, mal ein Fotogeschäft, mal einen Milch- und Käsladen und mal einen Kebab-Imbiss; einige Zeit stand es teils leer. Auch Namen hatte das Haus über die Jahre und Jahrhunderte gleich mehrere: Überliefert sind der „Rösslewirt“, „Oberer Hops“ und nach dem letzten Eigentümer bis zuletzt „Staudabaur“.

Dr. Johannes Weber nutzt das sanierte Haus als Zahnarztpraxis.

Als Johannes Weber erfuhr, dass das Haus womöglich zum Verkauf steht, wandte er sich an den Besitzer. Zu dieser Zeit betrieb Dr. Weber bereits seine Zahnarztpraxis in Pfaffenhausen, wollte aber in etwas Eigenes „umziehen“. 2014 war es dann so weit: Der Kammlacher kaufte das Gebäude – und damit auch eine Mammutaufgabe, die vor ihm lag. „Nochmal würde ich es vermutlich nicht mehr machen“, sagt der Mediziner und lacht. „Viel einfacher wäre ein Neubau gewesen.“ Doch andererseits haben solch alte Gebäude auch ein ganz besonderes Flair. Der volle Dachboden etwa habe ihn nicht abgeschreckt – im Gegenteil. „Wie eine Schatztruhe“ sei das Haus gewesen, sagt Johannes Weber. Ein gutes Jahr lang haben er und seine Familie das Gebäude entrümpelt, Stallgebäude und Güllegruben abgerissen.

Dann erst konnte mit den „richtigen“ Bauarbeiten begonnen werden. Das Gebäude erhielt wieder eine stimmige, in das Ensemble passende Gestalt. Dass die gut erhaltene Bausubstanz bleiben durfte und das Haus energetisch saniert wurde, ist auch gut fürs Klima. Das gesamte Gebäude, unter anderem das historische Traufgesims und Mauerwerk, wurde vom alten Putz und Asbestresten gereinigt und entsprechend der historischen Form restauriert. Im Vordergrund standen die Barrierefreiheit, eine energetische Sanierung und die Anwendung traditioneller Handwerkstechniken.

Das Haus in Pfaffenhausen hatte unterschiedliche Bodenniveaus

Innerhalb des Hauses waren vor allem die verschiedenen Bodenniveaus eine Herausforderung. Heute erkennt man den Übergang vom Neubau zum Altbau nur noch an einer verhältnismäßig dicken Innenwand zwischen dem Gebäudeteil mit den Behandlungsräumen und dem Teil, in dem sich der Empfang, das Wartezimmer, das Labor und die Sozialräume befinden. Vier Jahre nach dem Kauf war die neue Zahnarztpraxis bezugsfertig – und Johannes Weber glücklich: „Aus einem alten Gemäuer wurde etwas Schönes geschaffen: eine hochmoderne Praxis, die sich sehen lassen kann“, sagt er. Der Zahnarzt hat viel in Eigenregie, zusammen mit einem Praxisplaner, organisiert; sagt aber, dass es auch Unterstützung von der Dorferneuerung und dem Amt für Ländliche Entwicklung gegeben hätte, das derzeit rund 160 Dorferneuerungsprojekte in Schwaben betreut.

Im Unterallgäu ist das Amt für Ländliche Entwicklung Schwaben aktuell in 25 Dorferneuerungen aktiv. Gefördert werden neben öffentlichen Maßnahmen auch private Investitionen an Gebäuden, Hofräumen und Vorgärten. In den vergangenen fünf Jahren haben im Unterallgäu etwa 70 Antragsteller eine Summe von rund 1,1 Millionen Euro erhalten. Sie investierten dabei insgesamt 9,5 Millionen Euro.

Heute erstrahlt das Gebäude in neuem Glanz: Vier Jahre Arbeit haben Johannes Weber und seine Familie investiert.

In Pfaffenhausen wurde die Dorferneuerung im Jahr 2006 eingeleitet. Ein Hauptprojekt ist die Neugestaltung der zentralen Straßen- und Platzbereiche, unter anderem im Bereich Kirchplatz, Schmiedstraße, Markgrafstraße und Mühlstraße. Der Umbau soll in den kommenden Jahren in mehreren Bauabschnitten erfolgen, begleitend zu erforderlichen Arbeiten am gemeindlichen Kanalnetz.

Diese Projekte wurden in Pfaffenhausen bereits von der Dorferneuerung gefördert

Bisher wurden hier mit Mitteln der Dorferneuerung beim Seniorenheim ein Kneipptretbecken und im Dachgeschoss Räumlichkeiten für die Dorfgemeinschaft eingerichtet. Die Gestaltung des Vorbereichs bei der Kindertagesstätte in der Burgstraße wurde ebenfalls unterstützt. Mittel aus der Dorferneuerung ermöglichten den Neubau des Pfarr- und Begegnungszentrums. Die Teilnehmergemeinschaft legte dort die Außenanlagen an. Dieses Projekt mit vielfältigen Nutzungen durch Vereine, Pfarrei und Gemeinde erhielt im Jahr 2015 sogar den Staatspreis „Dorferneuerung und Baukultur“ (wir berichteten hier: Staatspreis geht nach Pfaffenhausen). Die Entwicklung der „Grünen Mitte“ mit einer Vielzahl neuer Wohnungen wurde auf Grundlage eines Innenentwicklungskonzepts durch die örtliche Raiffeisenbank angegangen und inzwischen fertiggestellt. Und auch Johannes Webers Bauprojekt gehört nun auf diese Liste. (mit hlz)

Lesen Sie hier mehr über die Dorferneuerung in Pfaffenhausen:

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