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Architekturserie

19.08.2014

Vom Schandfleck zum Schmuckstück

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4 Bilder
Blaskapelle (links Vorsitzender Andreas Stammel) und Liederkranz (Schriftführer Hartmuth Schmidt) langten kräftig hin, um das Mesnerhaus in Ettringen auferstehen zu lassen und haben nun Proberäume, die mit Liebe zum Detail gestaltet wurden.

Aus einer unansehnlichen Ruine wurde in Ettringen das „klingende Mesnerhaus“

Wie ein Schandfleck zum Schmuckstück werden kann, dafür ist das Mesnerhaus in Ettringen bestes Beispiel. Mit viel Eigeninitiative renoviert, wertet es nun das Ortsbild auf. Und gibt Blaskapelle und Liederkranz Heimat. Es gab Bestrebungen, den Einfirsthof von 1792 abzureißen und einen Parkplatz für Kirchenbesucher hinzustellen. Damit hätte auf der Zufahrts-Achse, auf der man von Süden in den Ort kommt, an zentraler Stelle ein Loch geklafft und den Blick freigegeben auf den Hinterhof eines landwirtschaftlichen Anwesens. 2003 erwarb die Gemeinde das Mesnerhaus sicherheitshalber von der Kirchenstiftung. Als dann Blaskapelle und Liederkranz neue Räume benötigten, reifte die Idee, ein „Klingendes Mesnerhaus“ zu gestalten.

Doch zunächst galt es, die Fraktion der Abreißer zu überzeugen, die sich keine Nutzung dieses „alten Glumps“ mehr vorstellen konnten. „Schiabt´s weg“ habe man oft gehört, berichtet Bürgermeister Robert Sturm. Ein wichtiger Tag war die Bürgerversammlung 2007, an der der Gemeinderat, vom Bürgermeister auf der Gitarre begleitet, das „Lied vom Mesnerhaus“ anstimmte – auf die Melodie von „Das alte Haus von Rocky Docky“. „Das Mesnerhaus ist alt und hässlich, dieses Haus ist kahl und leer, denn seit mehr als 60 Jahren, da bewohnt es keiner mehr. Dieses Haus ist halb zerfallen, und es knarrt und stöhnt und weint, dieses Haus ist nicht so schlimm als wie es scheint“, beginnt das Lied, das die Fronten lockerte.

Und so ging´s los, angeführt von Gemeinderat Markus Maier, einem Maurer-Polier. Die originalen alten Fenster und Türen wurden aufgemöbelt inklusive alter, handgeschmiedeter Beschläge, herrlich geschwungen. Auch Böden und Türstöcke kamen dran, ein alter, stilechter Kachelofen wurde eingebaut. Auf der Außenfassade kam „relativ seltene spätbarocke Architekturmalerei“ zum Vorschein, die liebevoll wiederhergestellt wurde. Der „vornehm graue Ton“ der Farbe wurde wie damals mit Holzasche erzielt. So erhielt das Mesnerhaus von 2011 bis 2013 wieder ein strahlendes Gesicht.

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Ein positives Zeichen an prominenter Stelle

Der Dorfschullehrer (der auch die Orgel in der Kirche spielte) genoss offenbar früher kein hohes Ansehen. Er war im Mesnerhaus in einer kleinen Nebenkammer untergebracht. Vom Wert der Renovierung musste auch noch der Bund der Steuerzahler überzeugt werden, der zunächst verschwendete Gelder witterte, sich dann aber vom Gegenteil überzeugen ließ. Architekt Martin Hofmann hatte für die Gemeinde bereits die Ortsdurchfahrt geplant. Ihm war es ein Anliegen, an dieser prominenten Stelle im Ort ein positives Zeichen zu setzen. „Neben dem Erhalt eines baulich wichtigen Zeugnisses der Ortsgeschichte und der funktionalen Aufwertung der Ortsmitte durch kulturelle Nutzungen verdient aber insbesondere das bürgerschaftliche Engagement, das sich auch in umfangreicher Selbsthilfe im Rahmen der Baumaßnahmen zeigte, eine besondere Würdigung und Anerkennung“, heißt es im Urteil der Jury.

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