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Amberg/Berlin

23.08.2018

Von Amberg nach Berlin: Wie ein echter Politiker

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Jakob Kindlmann aus Amberg hat beim Planspiel „Jugend und Parlament“ mitgemacht. Für vier Tage konnte er sich die Arbeit eines Bundestagsabgeordneten genauer anschauen und sich mit anderen teilnehmenden Jugendlichen austauschen. Hier steht er auf dem Dach des Paul-Löwe-Hauses. Im Hintergrund ist die Kuppel des Reichstagsgebäudes zu sehen.
Bild: Kindlmann

Jakob Kindlmann aus Amberg hat am Planspiel „Jugend und Parlament“ teilgenommen. Was er im Bundestag erlebt hat.

Jakob Kindlmann ist ein Fachoberschüler aus Amberg. In Berlin wechselte er aber für vier Tage die Identität und wurde zum ehemaligen Oberbürgermeister Oliver Märing. Der 19-Jährige hat einen von 333 Plätzen beim Planspiel „Jugend und Parlament“ ergattert: Für vier Tage schlüpfen Jugendliche zwischen 17 und 20 Jahren in die Rollen fiktiver Bundestagsabgeordneter und lernen so die Arbeit im Bundestag kennen.

Ein Leitgedanke des Planspiels ist, „die eigene politische Meinung für vier Tage zu vergessen“. Die Jugendlichen sollen die Themen mit den Augen eines anderen Charakters betrachten und lernen, andere Ansichten besser nachzuvollziehen.

Bewerben müssen sich die Teilnehmer direkt bei einem Bundestagsabgeordneten ihres Wahlkreises. Bei einigen kommen viele Anfragen, bei anderen gar keine. Der 19-Jährige aus Amberg hat sein Glück bei Bundestagsmitglied Stephan Stracke versucht: „Ich habe einfach im Büro in Berlin angerufen und nachgefragt. Dann hieß es, dass sie mich nehmen würden.“ Sein Tipp zur Bewerbung lautet: „Man muss es einfach probieren.“

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Nach der Ankunft im Bundestag wurden die Teilnehmer durch Losentscheid einer der drei fiktiven Parteien zugeordnet: der Bürgerlichen Bewahrungspartei, der Partei für Gerechtigkeit und Solidarität oder der Partei für Engagement und Verantwortung. Jakob durfte sich in der Bürgerlichen Bewahrungspartei einbringen.

Der Amberger ist selbst Mitglied einer Partei

Die erfundenen Parteien sind an tatsächliche Parteien und deren Programm angelehnt. Für Jakob ein glücklicher Zufall, dass die Bewahrungspartei in etwa der CDU/CSU entspricht. Er ist Mitglied der Jungen Union und konnte sich daher gut mit den Ansichten identifizieren. Andere Teilnehmer hatten es da etwas schwerer: Jakob erzählt von einem Parteikollegen im Planspiel, der den jungen Linken angehört und ebenfalls in der Bewahrungspartei gelandet ist.

Einige andere Jugendliche hatten ebenfalls Schwierigkeiten, sich in ihre Rollen einzufinden: Zwei Mitglieder der Bewahrungspartei stimmten mehrmals gegen vorher abgesprochene Beschlüsse der eigenen Partei. Sie konnten einfach nicht aus ihrer Haut raus.

Die Jugendlichen wurden nicht nur in Parteien, sondern auch in Landesgruppen eingeteilt, um zu lernen, wie es realen Abgeordneten geht. Jakob hat sich hier in Nordrhein-Westfalen wiedergefunden. Das erste Kennenlernen erfolgte dann innerhalb der Landesgruppen. Hier wurde Jakob zum Vorsitzenden gewählt.

Beim Planspiel musste Jakob aus Amberg viele Entscheidungen treffen

Wie die Abgeordneten haben sich die Teilnehmer in Ausschüssen und Arbeitsgruppen zusammengefunden und gemeinsam verschiedene Themen bearbeitet. Vor seiner Ankunft musste sich Jakob bereits entscheiden, in welchem Ausschuss er arbeiten möchte. Letztendlich hat er sich für den Verteidigungsausschuss entschieden. „Mein Bruder ist bei der Bundeswehr und ich fand das Thema sehr gut“, erklärt der 19-Jährige.

In den verschiedenen Ausschüssen wurde darüber beraten, ob es zu einem Bundeswehreinsatz im erfundenen Staat Sahelien kommen sollte oder nicht. „Wir waren uns eigentlich von vorneherein alle einig, dass es zum Einsatz kommen muss. Allerdings wollten wir noch ein paar Formulierungen in den Gesetzestexten anpassen und dadurch die Sicherheit der Soldaten erhöhen“, sagt Jakob.

Ein Teil des Planspiels war, eine Rede vor allen Teilnehmern zu halten. In kleinen Gruppen hatten sich die Redner gegenseitig angehört und verbessert. Die Nacht vor seiner Rede hatte Jakob bis halb drei in der Früh an seinem Text gefeilt. Am nächsten Tag durfte der 19-Jährige dann am Rednerpult im Bundestag sprechen. Man fühle sich schon wie ein richtiger Politiker, schwärmt Jakob.

Besonders gut hat ihm außerdem gefallen, sich mit interessierten Gleichgesinnten auszutauschen: „Wir haben über wirklich spannende politische Themen diskutiert.“ Auch seine Freunde zu Hause fanden es toll, dass Jakob die Möglichkeit hatte, beim Planspiel mitzumachen.

Der Fachoberschüler empfiehlt dieses Angebot jedem, der gerne „mehr wissen möchte“. Man muss auch nicht zwingend einer Partei angehören, um sich zu bewerben. Deshalb sollten sich politisch interessierte Jugendliche diese Möglichkeit auf keinen Fall entgehen lassen. Jakob beschreibt seine Zeit im Bundestag in Berlin als „beeindruckend und nicht in Worte zu fassen“.

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