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07.09.2017

Von Stetten aus in die ganze Welt

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4 Bilder
Betriebsleiter Christian Selig (Mitte) im Gespräch mit Metallverarbeiter Jochen Zugmaier (links) und Schweißer Manfred Moser (rechts).

Bei der Hans Sauter GmbH gehen schwere Metallverarbeitung und Feinmechanik Hand in Hand. Warum das Familienunternehmen lieber auf Beständigkeit als auf Wachstum setzt

Ein Ballett vollautomatischer High-Tech-Maschinen: In jeder Ecke der Werkshallen werden schwere Stahlteile ausgeschnitten, gebohrt und abgekantet. Zwischen den Geräten laufen Arbeiter mit blauen Latzhosen und Sicherheitsschuhen umher. Manche von ihnen tragen Werkzeuge und Schutzbrillen, andere schieben große Kisten mit Metallspänen, wieder andere sind auf dem Weg in die Mittagspause. Keine Pause gibt es für die drei Schweißroboter, die in einer Ecke der Halle hinter einem Schutzvorhang zu Gange sind. An der gläsernen Rückwand sieht man vereinzelte Funken aufspringen. Längs der Verkehrswege reihen sich palettenweise Metallbauteile verschiedener Größen und Formen, die auf ihre Weiterverarbeitung warten. Roboterarme haben sie millimetergenau aufeinandergestapelt. Nur wenige Meter weiter werden die Stücke später zu einer Konstruktion von mehreren hundert Kilogramm Gewicht zusammengebaut, für die sich Landwirte aus der ganzen Welt interessieren. Die Firma Sauter stellt Montagevorrichtungen für Traktorenzubehör her.

Inmitten des Treibens steht Christian Selig im kurzärmligen Hemd. In der geräumigen Werkshalle herrscht der typisch metallische Geruch einer warmgelaufenen Bohrmaschine. Jeder Arbeitsschritt ist Selig ebenso wohl bekannt wie die 97 Mitarbeiter, die als Mechaniker, Schweißer, Metallverarbeiter oder Pulverbeschichter angestellt sind. Seit sieben Jahren ist Selig Betriebsleiter bei der Hans Sauter GmbH in Stetten und damit unter anderem für die Produktion verantwortlich, die fast ausschließlich auf sogenannten Frontkrafthebern basiert – das sind Adapter für Traktoren, an denen Frontgeräte wie Mähwerke und Schneepflüge befestigt werden können. „Weltweit sind wir der zweitgrößte Hersteller für diese Produkte“, sagt Selig. Jährlich liefert Sauter rund 10000 Exemplare in insgesamt 35 Länder weltweit.

Die Kraftheber sind zudem mit einer Zapfwelle gekoppelt, über die die Frontgeräte angetrieben und gesteuert werden können. Auch ein Getriebe ist darin verbaut, das die Energie des fahrenden Traktors in verschiedenen Übersetzungsverhältnissen auf die Gerätschaften überträgt. Dieses Bauteil stellt die Firma ebenfalls in ihren Hallen her.

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Die Herausforderung liegt laut Selig in den verschiedenen Traktorentypen. In Sachen Höhe, Größe und Länge gibt es teils große Unterschiede, weswegen die solide Stahlkonstruktion nicht universell an die Vorderseite eines jeden Schleppers montiert werden kann. Für die populärsten Marken und Modelle bietet Sauter das rund 5000 Euro teure Zubehörteil bereits an. „Sobald ein neuer Traktor auf den Markt kommt, wird er von uns vermessen und eine Lösung für den Frontkraftheber erarbeitet“, erklärt Selig. Dafür beschäftigt die Firma sechs Konstrukteure. Nach zwei Wochen sei ein Prototyp fertig, ausliefern könne man nach sechs Wochen. „Das ist in der Regel schneller als bei vielen Konkurrenten“, sagt Selig.

Die Stärke der Firma Sauter liege, wie der Betriebsleiter betont, in der überschaubaren Größe des Unternehmens. Kurze Wege ermöglichten schnelle Entscheidungen. Durch den großen Lagerbestand sind auch die nötigen Einzelteile stets vorrätig. Große Traktorenhersteller wie Fendt liefern ihre Fahrzeuge ab Werk bereits mit eigenen Krafthebern aus.

Wie viele andere Landmaschinenhersteller geht auch Firma Sauter auf eine Dorfschmiede zurück. Seit 1967 befindet sich das Unternehmen an seinem jetzigen Standort am Stettener Ortsrand. Wegen der schwierigen Konkurrenzsituation habe man den Landmaschinenhandel im Jahr 2001 aufgegeben, wie Brigitte Sauter erzählt. Ihr Mann, mit dem sie das Unternehmen seit 1976 führt, habe noch das Hufschmiedehandwerk gelernt. „In den 1980er Jahren waren wir ständig mit dem Traktor unterwegs und haben unser Produkt vermarktet“, sagt Sauter. Damals wie heute bestehe der Kundenkreis noch immer überwiegend aus Händlern, nicht aus Landwirten. Neue Kunden findet das Unternehmen auch heute noch auf Landwirtschaftsmessen wie der Agritechnica in Hannover und zahlreichen weiteren Großveranstaltungen in ganz Europa. „Die Zahl der Landwirte halbiert sich etwa alle zehn Jahre“, sagt Sauter. Auch Traktoren gebe es deutlich weniger, dafür jedoch größere. Ein fester Kundenkreis bedeute aus Unternehmenssicht Stabilität und Beständigkeit.

Die geschäftigste Zeit des Jahres ist bei der Hans Sauter GmbH vorerst vorbei. Die Hauptsaison endet im Juli, bis dahin werden die meisten Neutraktoren verkauft. Das ist auch bei den Zubehörherstellern bemerkbar. Insgesamt blickt das Unternehmen laut Betriebsleiter Christian Selig zuversichtlich in die Zukunft. Der Umsatz habe sich in den vergangenen Jahren stabilisiert und hinsichtlich des Maschinenbestands könne das Familienunternehmen modernste Standards vorweisen. Einzig der Fachkräftemangel sei ein Grund zur Sorge. Auch das Interesse an den Ausbildungsplätzen sei gering, obwohl ein Lehrling der Firma im vergangenen Jahr erster Bundessieger beim Leistungswettbewerb der Handwerkskammer geworden ist. Viele geeignete Kandidaten zieht es zu größeren Unternehmen im Landkreis, doch Teile der Produktion auszulagern, ist laut Selig aktuell kein Thema: „Uns ist es wichtig, dass unsere Wertschöpfungskette hier in Stetten bleibt, am Heimatort der Firma.“

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