Newsticker

Mit Ausnahme der Kanaren: Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Spanien
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Vor 75 Jahren stürzte bei Mindelheim ein Jagdbomber ab

Geschichte

28.02.2020

Vor 75 Jahren stürzte bei Mindelheim ein Jagdbomber ab

Ein Jagdbomber vom Typ Lockheed P-38 (hier ein Archivfoto aus dem Jahr 1943) stürzte im Februar 1945 bei Mindelheim ab – vermutlich beim Versuch, einen Zug anzugreifen.
3 Bilder
Ein Jagdbomber vom Typ Lockheed P-38 (hier ein Archivfoto aus dem Jahr 1943) stürzte im Februar 1945 bei Mindelheim ab – vermutlich beim Versuch, einen Zug anzugreifen.
Bild: picture-alliance/dpa

Plus Den Angriff auf einen Zug bei den Mindelheimer Drei Bögen hat ein amerikanischer Pilot nicht überlebt. Ein inneres Gefühl rettete einem Waldarbeiter das Leben.

Es war im Frühjahr 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs und damit vor genau 75 Jahren, als die Front von allen Seiten näher rückte. Täglich waren amerikanische und englische Flugzeuge auch über dem beschaulichen Allgäu unterwegs und verunsicherten die Bevölkerung. Am 27. Februar stürzte eines dieser Flugzeuge nahe Mindelheim ab. Es handelte sich bei um eine amerikanische Lockheed Lightning, einen Jagdbomber, der gerade östlich der Stadt am Waldgebiet der Drei Bögen eine Lokomotive angreifen wollte. Der aus Kalifornien stammende Pilot kam dabei ums Leben. Die Geschehnisse von damals hat Horst Gröschl nun mit einigen Zeitzeugen dokumentiert.

Eigentlich gab es ja rund um Mindelheim keine harten Kriegsziele. Gefährlich wurde es nur, wenn Maschinen ihre Bombenlast zum Beispiel witterungsbedingt nicht über den Metropolen abwerfen konnten und sich Ausweichziele suchten.

Die Flugzeuge starteten am Vormittag in Italien und kamen auf ihrem Rückweg an Mindelheim vorbei

Horst Gröschl sammelte die Berichte der Zeitzeugen sowie der amerikanischen Luftwaffe und wertete sie aus. Demnach muss sich am 27. Februar 1945 Folgendes zugetragen haben: Die amerikanischen Flieger brachen gegen 9.40 Uhr von Italien auf. Wie aus Dokumenten der amerikanischen Armee hervorgeht, war die Rotte im venezianischen Vicenza stationiert. Heute ist Vicenza Nato-Flugplatz.

Vor 75 Jahren stürzte bei Mindelheim ein Jagdbomber ab

Die Truppe sollte an diesem Februartag wohl Augsburg und Leipheim bombardieren und befand sich gegen Mittag schon wieder auf dem Rückflug nach Italien. Im Bahnhof Mindelheim stand derweil ein Militärzug, der nach einem Tieffliegeralarm in Richtung Rammingen fuhr, um in einer Schneise im Wald Schutz zu suchen. Dort blieb er vermutlich stehen. Diesen Zug griff eines der Flugzeuge im Tiefflug an.

Um 13.40 Uhr raste der Jagdbomber in den Wald

Es war 13.40 Uhr, als das Flugzeug rund 200 Meter südlich der Eisenbahnlinie in den Wald raste. Eventuell war die Maschine zu tief geflogen und der Pilot konnte den Bomber nicht mehr hochziehen. Eine andere Version über den Grund des Flugzeugabsturzes stammt von einem Bauern aus Nassenbeuren , der zu diesem Zeitpunkt gerade auf einem Feld gearbeitet hat. Er nennt eine durchaus plausible Absturzursache: Die Dampflokomotive, die sich versteckt hatte, war offensichtlich der Grund für den Angriff der Lightning. Die Lok wurde getroffen, doch der aufsteigende Dampf nahm dem zweiten Piloten der Rotte die Sicht, sodass sein Flugzeug im Wald abstürzte und explodierte.

Als einer der Ersten war der spätere Mindelheimer Stadtrat Helmut Lutzenberger , damals selbst noch ein Schüler, am Unfallort. Er wohnte unmittelbarer Nähe und bekam rasch davon Wind, dass es im Klosterwald brannte. Lutzenberger schnappte sich sein Fahrrad und radelte in Richtung der drei „Drei Bögen“ zum brennenden Wald.

Für ihn wurde dieses Erlebnis zu einem Albtraum. „Lange Zeit hatte ich noch das brennende Flugzeug im Holz vor Augen, mit dem verkohlten Körper des Piloten“, sagte er. „In einer Fichte hing der Stiefel des Piloten mit einem abgerissenen Bein.“

Ein Waldarbeiter hatte ein Gefühl, das ihm das Leben rettete

Glück im Unglück hatten Mitarbeiter des Klosters. Nach der Aussage Lutzenbergers arbeitete der Baumeister des Josefstiftes, Ulrich Wilhelm , gerade mit einem Knecht und Josef Stockklauser im Klosterholz ganz in der Nähe der späteren Absturzstelle. Ein inneres Gefühl habe Stockklauser veranlasst, seinen Standort zu verlassen und in ein nahes Jungholz zu gehen. In dieser Minute stürzte der Flieger ab – an die Stelle, wo er selbst kurz zuvor noch gearbeitet hatte.

Der damalige Stadtpolizist Kapfelsberger musste nach Aussage von Zeitzeugen die Absturzstelle bewachen. Der Leichnam des Piloten wurde nach Aussage eines Zeitzeugens von einem Bauern abtransportiert, in Mindelheim bestattet und später exhumiert.

An der Stelle des Absturzes wurde ein Erinnerungskreuz errichtet, das später erneuert und versetzt wurde. Es befindet sich heute noch in dem Waldstück und erinnert an das schreckliche Geschen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren