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02.06.2009

Vorfahrt für Fußgänger

Türkheim "Wie kann es sein, dass in Türkheim einige wenige überbreite Traktoren und landwirtschaftliche Fahrzeuge ganz offensichtlich eine größere Lobby besitzen als Kinder." So empört sich Julia Brey, Anliegerin der Grabenstraße und Mutter. Hintergrund: Die Grabenstraße soll demnächst auch im zweiten Bauabschnitt bis zur Jakob-Sigle-Straße erneuert werden und da war es Maßgabe der Marktgemeinderäte, dass die Gehwege 1,80 Meter breit sein sollen. Der Planer hatte nur 1,50 Meter für nötig erachtet, wie im ersten Bauabschnitt (wir berichteten).

Julia Brey: "Und das nur, weil ein paar Bauern die viel zu enge Grabenstraße immer als Abkürzung benutzen, nur weil sie ganz offensichtlich zu bequem sind, die nur wenige hundert Meter weiter entfernt verlaufende Jakob-Sigle-Straße zu befahren, die breit genug wäre, um auch im Begegnungsverkehr ungehindert fahren zu können." Für die Grabenstraße könne das jedenfalls nicht oberste Priorität sein, denn hier verlaufe einer der Hauptschulwege für alle drei Türkheimer Schulen.

43 Anlieger protestieren mit

Dass nicht nur sie alleine so denkt, beweist eine Unterschriftenliste: 43 "Grabensträßler" haben sich dort eingetragen. Ein gleichlautender Brief ging kürzlich an Bürgermeister Silverius Bihler und die Marktgemeinderäte. Sie werden sich damit in ihrer öffentlichen Beratung am morgigen Donnerstag um 19.30 Uhr befassen.

Vorfahrt für Fußgänger

Die Erfahrungen von Julia Brey kann auch Elke Weber unterstreichen. Sie wohnt direkt an der Einmündung der Jakob-Sigle-Straße in die Grabenstraße und erlebt täglich, mit welchem "Schwung" Autofahrer und Lkw-Lenker ihre Fahrzeuge in die Grabenstraße einlenken. Da wurde auch schon mal eine Mülltonne am Straßenrand "Opfer" der ungebremsten Einfahrt. Und sogar ein Kind wurde bereits angefahren und verletzt.

Eigentlich, so hatte es Bürgermeister Bihler verkündet, sollten die Webers einen Teil ihres Gartens an die Gemeinde verkaufen, damit die Einmündung erweitert werden kann. Doch wenn dies dazu führt, dass Autos noch schneller in die Grabenstraße abbiegen, will Elke Weber "keinen Quadratmeter abgeben".

Enttäuscht sind die Anwohner auch über Marktbaumeister Robert Joder. Der hatte in der Marktratssitzung Ende April gesagt: "Entlang der Grabenstraße wird es ein Parkverbot geben müssen, sonst kann man mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen gar nicht mehr ausweichen." Brey: "Als wir ihn fragten, was man denn in der Grabenstraße tun kann, um den Verkehr am Rasen zu hindern, hat er selbst uns dazu geraten, auf der Straße zu parken. Jetzt setzt er sich dagegen für ein Parkverbot ein. Was sollen wir davon halten? Wurden wir bewusst getäuscht und irregeführt?"

Brey appelliert deshalb an alle Türkheimer Eltern, die ihre Kinder über die Grabenstraße zur Schule schicken müssen, sich ebenfalls für eine Verkehrsberuhigung einzusetzen: "Tempo 30, kein Park- oder Halteverbot, Durchfahrtverbot für den Schwerverkehr, stellenweise Fahrbahnverengung durch Ausbuchtungen, Entschärfung der Kreuzungen Grabenstraße/Jakob-Sigle-Straße und Grabenstraße/Keltereistraße sowie Sicherung des äußerst schlecht einsehbaren Überganges Jakob-Sigle-Straße/Krautgartenstraße, da hier der Kindergartenweg verläuft."

Brey an alle Eltern: " Sollte sich nichts ändern - gehen Sie für Ihre Kinder auf die Barrikaden! Lassen Sie nicht zu, dass rücksichtslose Autofahrer, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Schwerlaster einen höheren Stellenwert besitzen, als die Sicherheit Ihrer Kinder und dass der Schulweg für alle schwächeren Verkehrsteilnehmer zu einer Gefahr wird."

Marktgemeinderat und vierfacher Vater Thomas Ackermann (Grabenstraße 34) hätte sich teilweise auch eine bessere Straßenführung gewünscht, vor allem, was den Gehweg anbelangt: "Man sollte den Gehweg nicht stur 1,80 Meter breit machen, sondern ihn so gestalten, wie es die Straße hergibt. Lieber sollte man an Grünflächen sparen, als am Fußweg, denn Grünflächen gibt es bereits genügend vor und bei den Häusern".

Ackermann, der gleichzeitig Referent für Straßenbau im Marktrat ist, hat den Protest-Brief an den Gemeinderat ebenfalls unterschrieben, wenngleich er in Sachen Traktorverkehr anderer Meinung ist: "Die Landwirte können keinen anderen Weg nehmen, wollen sie nicht einen großen Umweg machen. Schließlich ist die Grabenstraße die fünftwichtigste Straße im Markt."

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