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Türkheim

29.01.2021

Vorsichtiger Optimismus nach Corona-Ausbruch im Türkheimer Seniorenheim

Nach wie vor gilt das Betretungsverbot im Türkheimer Seniorenheim St. Martin wegen des Corona-Ausbruchs.
Foto: Sabine Schaa-Schilbach

Plus Was das Gesundheitsamt zur aktuellen Situation im Türkheimer Seniorenheim sagt. Die Behörde nimmt auch zu Gerüchten Stellung.

Das Landratsamt nahm auf MZ-Anfrage jetzt Stellung zu der Frage, ob das Seniorenheim St. Martin Türkheim vor Ausbruch der Covid-19-Infektion ausreichend geschützt wurde: „Pflegeeinrichtungen müssen sich demnach an die Bayerische Verordnung über Infektionsschutzmaßnahmen anlässlich der Corona-Pandemie halten,“ betont Eva Büchele, Pressesprecherin des Landratsamtes. Hierin stehe zum Beispiel, dass sich Pflegekräfte zwei Mal pro Woche auf SARS-Cov2 testen lassen müssen. „Grundsätzlich haben Pflegeeinrichtungen Hygiene- und Pandemiepläne, die der aktuellen Corona-Lage angepasst werden mussten“, so Büchele.

Warum das Gesundheitsamt von einer Entspannung der Situation im Türkheimer Seniorenheim spricht

Mit vorsichtigem Optimismus blickt Abteilungsleiterin Dr. Maria Bachmaier vom Gesundheitsamt auf den Corona-Ausbruch im Kreis-Seniorenheim St. Martin in Türkheim: „Derzeit sieht es zum Glück so aus, als würde sich die Lage hier wieder entspannen“, so Dr. Maria Bachmaier auf Anfrage der unserer Zeitung.

Aktuell seien noch sieben Bewohner positiv und acht Mitarbeiter in Quarantäne. Zwei Personen sind derzeit im Krankenhaus. Laut Gesundheitsamt sind inzwischen mit oder an Corona acht Bewohner verstorben. Unabhängig davon sei es im Januar zu weiteren Todesfällen im Heim gekommen.

Bei der jüngsten Reihentestung seien keine Neuinfektionen festgestellt worden. Bei der vorausgegangenen Reihenuntersuchung wurden bei 250 durchgeführten Corona-Tests insgesamt 48 Bewohner und 18 Mitarbeiter positiv getestet.

Nach Angaben der Heimleitung sind inzwischen 70 Prozent der Pflegekräfte und 90 Prozent der Bewohner geimpft. Die zweite Impfung wurde vergangene Woche vorgenommen.

Nach Bekanntwerden des Ausbruchs habe das Gesundheitsamt am Landratsamt Unterallgäu ein Besuchsverbot angeordnet, zudem eine funktionelle Trennung der Wohneinheiten. Positiv getestete Bewohner seien isoliert worden. Die engen Kontaktpersonen habe das Gesundheitsamt ebenfalls ermittelt und in Quarantäne gesetzt.

Weiter werden Zu- oder Abverlegungen von Bewohnern nur unter Kontrolle und in Zustimmung des Gesundheitsamtes vorgenommen. Zudem wurden und werden Reihentestungen vorgenommen und die Einrichtung wird intensiv beraten. „Dazu zählt auch der Hinweis auf strikte Hygienemaßnahmen und das konsequente Tragen der FFP2-Masken,“ erklärt Gesundheitsamtsleiter Dr. Ludwig Walters.

Wie die Corona-Viren dennoch in das so geschützte Seniorenheim kommen konnten, kann demnach nicht herausgefunden werden.

Laut Erfahrungen des Gesundheitsamts seien „oft unerkannte Einträge aus dem privaten Umfeld von Mitarbeitern, Bewohnern oder Besuchern die Ursache“.

Um dies herauszufinden, ermittle das Gesundheitsamt grundsätzlich in zwei Richtungen: Zu wem hatten positiv getestete Personen vorher Kontakt – also wo könnte das Virus herkommen – und zum wem hatten sie nach ihrer Ansteckung Kontakt – also an wen könnte das Virus weitergegeben worden sein?

Lesen Sie dazu auch: Drei Corona-Tote im Türkheimer Kreis-Seniorenheim St. Martin

„Wenn keine Gründe – bekannte Kontakte mit Positiven oder Symptomatischen – ermittelt werden können, was oft der Fall ist, bleibt die Ursache unentdeckt“, heißt es vonseiten des Gesundheitsamts.

Als die ersten Infektionen festgestellt worden waren, seien die Bewohner laut Heimleitung durch die Mitarbeiter der Einrichtung in persönlichen Gesprächen informiert worden.

Dabei gab es aus Sicht des Gesundheitsamtes keine Probleme: „Das Gesundheitsamt steht in engem Kontakt mit der Heimleitung.

Dass es in Türkheim Gerüchte gebe, Bewohner des Seniorenheims hätten sich auch nach dem Ausbruch der Coronainfektionen frei im Ortskern bewegt, seien dort spazieren oder einkaufen gegangen, ist der Behörde nicht bekannt: „Dem Gesundheitsamt sind keine solchen Informationen zugetragen worden.“

Das Gesundheitsamt nimmt auch zu Gerüchten über das Türkheimer Seniorenheim Stellung

Auch wurde in Türkheim gemutmaßt, dass der Ausbruch auf Personen zurückzuführen sei, die nicht im Heim wohnen, dort aber regelmäßig zum Essen ein- und ausgehen würden. „Personen, die normalerweise in die Einrichtung zum Essen kommen, bekommen ihr Essen derzeit nur zum Mitnehmen.

Heimleiter Stefan Drexel

Die Übergabe erfolgt unter besonderen Hygienemaßnahmen“, so das Gesundheitsamt. Heimleiter Stefan Drexel wurde vor kurzem zum Pflegebeauftragten der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises ernannt. Inwieweit er durch diese zusätzliche Aufgabe zeitlich eingeschränkt sei, könne vonseiten des Gesundheitsamts nicht beantwortet werden. Abteilungsleiterin Dr. Maria Bachmaier sagt dazu: „Herr Drexel hat am 21. Dezember 2020 die Aufgabe des Pflegebeauftragten übernommen. Diese Position konnte er mit einigen Überstunden gut ausfüllen. Herrn Drexel steht im Kreis-Seniorenwohnheim ein starkes Mitarbeiter-Team zur Seite.“

Der Leiter des Seniorenheims in Türkheim stellt sich vor sein Team

Schon nach Bekanntwerden der ersten Todesfälle hatte Heimleiter Stefan Drexel sein Team in Schutz genommen: „Die Situation ist für alle Mitarbeiter sehr belastend und anstrengend. Es müssen Personalausfälle auf den Wohnbereichen kompensiert werden. Dass andere Mitarbeiter in verschiedenen Wohnbereichen einspringen – wie bei normalen Krankheitsausfällen – ist aufgrund der geschaffenen Pandemiezonen nicht möglich und erlaubt“, so Drexel.

Durch das Tragen von Schutzkleidung und FFP2-Masken mit Schutzvisieren sei die Arbeit körperlich „noch mal schwerer und anstrengender“. Die Isolation der Bewohner zum Schutz vor Neuinfektionen in den Zimmern sei „natürlich für viele auch sehr belastend und die Bewohner freuen sich schon darauf, wenn sie sich wieder frei auf den Wohnbereichen bewegen können und auch wieder soziale Kontakte untereinander haben können“, blickt Drexel optimistisch in die Zukunft.

Das sofort nach dem ersten Auftreten der Covid-19-Fälle für die gesamte Einrichtung verhängte Betretungsverbot werde akzeptiert: „Ein Besuchsverbot hatten wir ja bereits schon im März und April und es ist deshalb nicht ganz neu für die Angehörigen. Natürlich möchten die Besucher wieder ihre Angehörigen in der Einrichtung besuchen, haben aber Verständnis, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich ist“, so Drexel.

Aus Sicht des Landratsamtes werde man an der bisherigen Linie festhalten und offensiv über die Situation im Türkheimer Kreis-Seniorenheim informieren, betonte Pressesprecherin Eva Büchele. Für die Mitarbeiter vor Ort sei es dennoch manchmal schwer zu ertragen, wenn öffentliche Kritik aufkomme. Viele wundern sich, dass das Türkheimer Seniorenheim so im Fokus stehe, wo doch insgesamt sieben Seniorenheime im gesamten Landkreis Unterallgäu Covid-19 Fälle haben. Im Verbreitungsgebiet der Mindel-heimer Zeitung ist es neben dem Seniorenheim in Türkheim noch ein weiteres, so Büchele.

Um welche Einrichtungen es sich dabei handle, wollte sie aber nicht sagen.

Heimleiter Stefan Drexel steht hinter den getroffenen Entscheidungen und der Arbeit seiner Mitarbeiter: „Wir sind eine offene Einrichtung! Wenn sich Bewohner außerhalb der Einrichtung bewegen, müssen wir uns auf deren Verantwortungsbewusstsein und das Verantwortungsbewusstsein der Angehörigen verlassen“, sagte Drexel schon nach dem Bekanntwerden der ersten Todesfälle.

Lesen Sie dazu auch: Warum viele Pfleger im Unterallgäu noch nicht geimpft werden wollen

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