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Bad Wörishofen

30.06.2019

Wahl: SPD setzt auf auf Teamarbeit

Regine Glöckner mit dem SPD-Ortsvorsitzenden Reinhard Dörner am Sonntag im Gasthof Hartenthal.
Bild: Markus Heinrich

Plus Partnersuche nach Wahlergebnissen in Bund und Land. Regine Glöckner sagt, was sie als Bürgermeisterin besser machen würde.

Der Wahlkampf ist in Bad Wörishofen zwar längst im Gange, doch seit gestern ist er auch „offiziell“ eröffnet. Die SPD stellte in Hartenthal ihre Bürgermeister-Kandidatin Regine Glöckner vor – und eine neue Partnerschaft als Reaktion auf die Wahlergebnisse in Bund und Land. Der Ort war nicht zufällig gewählt. Wer Weitblick mag, radelt nach Hartenthal. Und „Weitblick“ (Glöckner) will auch die Kandidatin bieten. Zudem wurde einst Pfarrer Kneipp in höchster Not nach Hartenthal gerufen, als „die medizinische Kunst versagte“, wie Glöckner erinnerte. „Sie sehen also – jede Menge Symbolik“, stellte die 62-Jährige fest. Wie sie Bad Wörishofen helfen will, sagte Glöckner in einer halbstündigen Rede.

„Uns ist klar, dass wir bei dieser Großwetterlage als SPD nicht die besten Aussichten auf ein gutes Ergebnis haben“, sagte der SPD-Ortsvorsitzende Reinhard Dörner zu Beginn mit Blick auf die Kommunalwahl im März 2020.

Die SPD habe sich deshalb nach einem passenden Partner umgesehen und wurde beim Team Kneippstadt von Regine Glöckner fündig. Das Projekt stand ganz am Anfang, die Weichen wurden dann zügig neu gestellt. Unter „Team-Kneippstadt-SPD“ firmiert man nun gemeinsam, auch im Internet. „Wir wollten jemanden, der unbelastet von sechs Jahren Stadtratsarbeit ist“, sagte Dörner. „Es muss gelten: versöhnen statt spalten“, zitierte er den ehemaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Die Liste, die nun in den nächsten Wochen aufgestellt wird, soll gleichberechtigt mit Vertretern von SPD und Team Kneippstadt und gleichberechtigt mit Männern und Frauen gefüllt werden. „Wir bieten eine Frau, die Verantwortung trug und tragen kann, eine zupackende Frau, die die Sorgen der Menschen kennt – eine Frau, wie sie Bad Wörishofen braucht“, sagte Dörner mit Blick auf Glöckners Lebenslauf.

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Erinnerung an ein 35-Millionen-Euro-Projekt

Die selbstständige Kreativ- und Kulturunternehmerin betonte in einer flammenden Rede ihre Kompetenz in Leitungsfunktionen, Menschenführung und bei der erfolgreichen Abwicklung von Großprojekten. Eine Regensburger Zeitung habe einst getitelt: „Glöckner – die begehrte Sanierungskünstlerin“, sagte die gebürtige Heidelbergerin über sich. Damals ging es um eine 35 Millionen Euro teure Sanierung samt Neubau im Projekt Musikakademie Schloss Alteglofsheim. Glöckner war von 1998 bis 2002 Direktorin und Geschäftsleiterin des zuständigen Zweckverbandes. Heraus kam ein Schloss mit Übernachtungsbetrieb und mehr als 100 Betten samt Vollgastronomie und jährlich 20000 Übernachtungen. Erfahrung im Bürgermeister-Wahlkampf bringt Glöckner ebenfalls mit. 2009 kandidierte sie in Ottobeuren für die Freien Wähler als Bürgermeisterkandidatin und erreichte ein Ergebnis von rund 43 Prozent gegen den siegreichen Amtsinhaber.

Mit der Politik von Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka (FW), der 2020 erneut antritt, ging Glöckner hart ins Gericht – ohne Gruschka dabei beim Namen zu nennen. Dafür sagte sie Sätze wie diesen: Bad Wörishofen, sei „vermutlich die einzige Stadt in Deutschland, die zwei Klima-Probleme hat.“ Das Klima im Rathaus werde „zunehmend und bewusst durch Hauruck-und Überrumpelungs-Aktionen radikal aufgeheizt, während man das Klima der politischen Willensbildung durch Intransparenz gezielt auf Eis legen möchte“, so Glöckner. Sie kündigte dagegen entschiedenen Widerstand an und dankte dem „Bemühen des Stadtrates um Transparenz“.

Bad Wörishofen soll auf „internationalem Parkett mitspielen“

Sie wolle sich „unserer ambitionierten Unternehmerschaft gegenüber wohlgesonnen“ verhalten, offen kommunizieren und die städtische Interessen vertreten, kündigte Glöckner an. Bad Wörishofen müsse zudem „auf internationalem Parkett mitspielen“, dafür wolle sie sorgen. Glöckner präsentierte sich als Netzwerkerin, die Bad Wörishofen neu aufstellen will, damit sich „Kongresse, Tagungen und die Forschung nur so um uns reißen.“ Sie brachte ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt für Bad Wörishofen ins Gespräch und kündigte an die „erste Servicekraft“ Bad Wörishofens sein zu wollen.

Konsens finden, war ein großes Thema ihrer Rede, mit den Bürgern, den Unternehmern, den Stadtratsmitgliedern. Sie wolle die drängenden Probleme lösen. „Ich wäre schon längst als Bürgermeisterin mit einer Kampagne für mehr Rücksichtnahme auf der Kurpromenade unterwegs“, sagte sie zu einem derzeit viel diskutierten Thema. Einen „Schatz“ wie das Kloster Bad Wörishofen müsse man zudem „auf Händen tragen“, sagte Glöckner zur Debatte um die Nachnutzung – und ergänzte: „Erst recht, wenn man schon einen möglichen Einfluss auf das Kneippianum vermasselt hat“. Sie selbst habe als Verantwortliche „nie tatenlos zugesehen, wenn Institutionen dicht gemacht werden sollten: ich habe Fusionen eingefädelt.“ Glöckner forderte mehr Respekt vor dem „Geist des Ortes“ in der Kloster-Debatte. „Ich trete an für eine neue politische Kultur“, sagte Glöckner. „Ich setze auf Konsens, Vertrauen und Integrität, ich bin verbindlich und verlässlich.“

Auch die Jüngeren sollen sich einbringen, auch in die Stadtentwicklung. Hier müsse Bad Wörishofen als größte Stadt des Landkreises endlich auch „urbanes Selbstbewusstsein“ zeigen, kreativ und innovativ sein.

Reinhard Dörner kündigte an, dass bis zum Ende des Jahres klar sein soll, wer auf der Gemeinschaftsliste Team-Kneippstadt-SPD kandidiert. Einen Termin für die Nominierungsversammlung gibt es noch nicht.

Das ist Regine Glöckner:

  • Heidelberg als Geburtsort, konfessionslos, unverheiratet, 62 Jahre alt, zwei Brüder, seit 1997 in Bad Wörishofen; Abitur in Heidelberg, Diplom-Musikpädagogin, später noch Studium der Musik-, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften.
  • 1998 bis 2002 Direktorin und Geschäftsleiterin der Bayerischen Musikakademie Regensburg.
  • 1994 bis 1997 Intendantin der Münchner Symphoniker, zuvor unter anderem Geschäftsführerin der Elblandphilharmonie Sachsen.
  • 2002 bis 2009 war Glöckner freiberufliche Kulturmanagerin.
  • 2009 kandidierte sie in Ottobeuren für die Freien Wähler als Bürgermeisterkandidatin
  • Anfang der 1990er Jahre Mitarbeit für den Mannheimer Morgen, 2005/2006 und 2016/2017 freie Mitarbeiterin Mindelheimer Zeitung.
  • Zuletzt hatte sie mehrere Jahre ihre Mutter bis zu deren Tod gepflegt.
  • Seit 2017 ist Glöckner wieder als selbstständige Unternehmerin tätig.
  • Glöckner mag Tiere, Architektur und Sport und heimwerken. Glöckner ist die Mitbegründerin der Bürgerinitiative Kneippjubiläum 2021. (m.he)
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