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Bad Wörishofen

03.12.2019

Wahl: Team-Kneippstadt-SPD nominiert Glöckner

Regine Glöckner wurde mit großer Mehrheit zur Bürgermeisterkandidatin der Liste Team-Kneippstadt-SPD gewählt. Zu den ersten Gratulanten gehörten (von links): SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Ibel, Bad Wörishofens SPD-Ortsvorsitzender Reinhard Dörner und SPD-Landratskandidat und Fraktionsvorsitzender im Kreistag, Michael Helfert.
Bild: Wilhelm Unfried

Die Bürgermeisterkandidatin will auf die Stärken Bad Wörishofens setzen. Regine Glöckner spart nicht mit Kritik und präsentiert eigene Ideen.

Zwei Schwerpunkte setzte Regine Glöckner in ihrer Bewerbungsrede als Kandidatin zur Bürgermeisterwahl 2020: Anstatt zu reagieren müsse die Stadt agieren. Derzeit würden, weil aus dem Rathaus nichts komme, die Investoren den Takt angeben. Und weiter müsse sich Bad Wörishofen wieder auf den Ursprung, also Pfarrer Kneipp, besinnen. Statt „betreutem Wohnen“ brauche die Kneippstadt neue Ideen, schließlich sei Wörishofen einzigartig.

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Sie forderte ein Engagement für zukunftsweisende Einrichtungen in der Gesundheitsvorsorge, wie die Prähabilitation, also die Vorbereitung von Patienten auf anstehende Operationen. Mit ihrer Rede überzeugte Regine Glöckner anscheinend die Versammlung im Hotel Tanneck und so wurde sie mit 35 von 43 Stimmen als Bürgermeisterkandidatin für die überparteiliche Liste Team-Kneippstadt-SPD gewählt.

Mit Spitzen gegen das Rathaus und den amtierenden Bürgermeister Paul Gruschka (FW) begann Glöckner ihre Bewerbungsrede. Bad Wörishofen stehe bei der Wahl im März 2020 vor der Frage, ob sich die Stadt nochmals sechs Jahre von „Selbstgefälligkeit und juristischer Kleinkrämerei vorführen lasse, oder sich von einer überparteilichen Bürgermeisterin führen lassen wolle“, die die Menschen ernst nehme und die Probleme mit Courage anpacke.

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Der Name Kneipp zieht sich wie ein roter Faden durch die Rede

Der Name Kneipp zog sich dann wie ein roter Faden durch die Rede von Regine Glöckner. Sie bezeichnete sich selbst als Kneippverfechterin, als Impulsgeberin und Macherin für identitätsstiftende Projekte in der Stadt. Bei der Wahl gehe es um mehr als um Daseinsvorsorge, es gehe um die Attraktivität der Wirkungsstätte Kneipps. „Es geht um die Einzigartigkeit Bad Wörishofens“, sagte Glöckner, „denn alles andere haben andere auch.“ Deshalb seien im vergangenen Jahr die Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Schließung des Kneippianums zu protestieren. Die Menschen hätten erkannt, dass man dem Verlust der Einzigartigkeit nicht tatenlos zu sehen dürfe. Man müsse den mutigen Frauen Respekt aussprechen.

Und das Thema Kneippianum sei nach wie vor aktuell. Man müsse gegen die Vereinnahmung der Kneipp‘schen Idee im Namen von betreuten Wohnen stemmen, forderte Glöckner. Sie wünsche sich stattdessen eine Akademie für Gesundheits- und Pflegeberufe, ein „Digital Health Institut“, etwa auch im Bereich der Prähabilitation, also moderne Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge, und dies im Sinne Kneipps. Sie werde unmittelbar nach der Wahl einen Kneipp-Förder- und Beteiligungsfond ins Leben rufen, der Engagement und Geld bündele, so wie zu den Anfangszeiten, als die Bürger und Kurgäste die Kneipp’schen Vorhaben unterstützten.

Wichtig sei es, alle ins Boot zu holen, das Know-how der städtischen Mitarbeiter zu schätzen, den persönlichen Kontakt mit den Einzelhändlern zu pflegen, Freiräume für Existenzgründer zu schaffen, um den Stadtkern von Bad Wörishofen wieder zu beleben.

Kritik an der Informationspolitik zur Bürgerbeteiligung in Bad Wörishofen

Dazu gehöre auch eine entsprechende Informationspolitik aus dem Rathaus, um engagierte Bürger bei den Problemlösungen mit einzubinden. Das Gegenteil sei aber derzeit der Fall, findet Glöckner. „Warum gibt es immer noch keine Informationen von Seiten der Stadt zu den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung beim Stadtentwicklungsprozess? Wo ist die angekündigte Online-Befragung der Jugend geblieben?“, fragte Glöckner. Zunächst fordere man die Bürger zur Ideenfindung auf, dann halte man die Ergebnisse unter Verschluss.

Klar positionierte sich Glöckner auch in Sachen Kloster. Dies müsse ein spiritueller Ort und die Keimzelle eines zukünftigen Kneipp-Campus werden.

Abschließend wandte sie sich dem Projekt Löwenbräu-Arkaden zu. Das Engagement des Investors Dieter Glass verdiene Respekt. Dies könne aber nicht bedeuten, dass alle kritischen Fragen vom Rathaus ignoriert würden. Gutachter würden vorgeschickt, deren vermeintliche Expertisen müssten dann teils wegen Untauglichkeit von der Tagesordnung gestrichen werden, kritisierte Glöckner. Sie stellte klar, dass harte Standortfaktoren alleine die Kneippstadt im touristischen Wettbewerb nicht retten könnten. Es gehe auch um weiche Standortfaktoren, wie das Image und die Kooperationsbereitschaft im Heilbad. Es gehe um Ruhelandschaften und entspannte Innenstädte. Dabei sei das Gespräch sehr wichtig. Sie frage sich, ob die Stadt jemals mit dem Investor darüber gesprochen habe, dass man neben einer Erlebnisbrauerei wieder ein Kneipp-Erlebniszentrum brauche. Und auch Räume für die menschliche Begegnung, wie es früher einmal die Löwengrube gewesen sei.

Sie trete als parteilose Politikerin an, die von demokratisch eingestellten Menschen und bewährten SPD-Kommunalpolitikern unterstützt werde. Sie stehe für offene Kommunikation und vorausschauendes Handeln. Dazu gehöre eine aktive Grundstückspolitik und sozialer Wohnungsbau mittels einer Grunderwerbsgesellschaft, Hinwendung zu den Themen Kaufkraft, Kultur und Community. Und ganz besonders würden ihr Beteiligungsforen für Jugend und Familie oder eines Bürgerrates am Herzen liegen.

Das ist Regine Glöckner:

  • Regine Glöckner wurde am 30. November 1956 geboren.
  • Studium für Musikwissenschaften an der Uni Heidelberg mit Staatsexamen, weiteres Studium mit Abschluss Diplom-Musik-Pädagogin und weiteres Studium für Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft.
  • In ihrem beruflichen Werdegang sammelte sie nach eigenen Angaben in verschiedenen Verwaltungsgemeinschaften und Organisationen als Führungskraft mit Budgets in Millionenhöhe Erfahrung, etwa als Geschäftsführerin der Elbland-Philharmonie oder Intendanz der Münchner Symphoniker.
  • Bad Wörishofen lernte Glöckner schon früh durch Kuren ihres kriegsverwundeten Vaters kennen. Seit 1997 lebt sie in der Kneippstadt. Seit 2002 ist sie selbstständige Kulturmanagerin.
  • An der Kneippstadt schätzt sie die kurzen Wege, die Erholungsqualität, den attraktiven Wirtschaftsstandort und das aktive Vereisleben.
  • Sie hat sich in den vergangenen Jahren im Verschönerungsverein, Kunst- und Katzenschutzverein engagiert.
  • Eines der Hobbys sind Sport und Bewegung. (un)

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