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Türkheim

16.11.2019

Warum Madleine (9) aus Türkheim ihre Haare spendet

Die bezaubernde Viertklässlerin Madleine Erhardt hat schnell gemerkt, dass kürzere Haare durchaus auch Vorteile haben können.
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Die bezaubernde Viertklässlerin Madleine Erhardt hat schnell gemerkt, dass kürzere Haare durchaus auch Vorteile haben können.
Foto: Alf Geiger

Plus Die neunjährige Madleine Erhardt aus Türkheim hat ihre wunderschönen, rückenlangen Haare abgeschnitten. Sie hat damit Gutes getan - und bereut nichts.

„Ich will kranken Kindern helfen“, sagt Madleine mit ernster Stimme. Dass sie erst neun Jahre alt ist, kann ihrer Ernsthaftigkeit nichts anhaben. Eine Freundin hatte ihr davon erzählt, dass kranke Kinder oft keine eigenen Haare mehr haben, weil sie an Krebs erkrankt sind und durch die Medikamente und Bestrahlungen die Haare ausfallen. „Dann müssen diese kranken Kinder eine Perücke aufsetzen“, weiß Madleine Erhardt.

Der Erlös aus dem Verkauf der Haare wird an die Kinderkrebshilfe gespendet

Da wollte sie helfen – und auch wenn ihre Eltern erst die Hände über den Köpfen zusammenschlugen – ließ sie sich ihre langen Haare kurzerhand abschneiden und spendete den fast 30 Zentimeter langen Haarschopf an eine gemeinnützige Organisation. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Haare kommt dann direkt der Kinderkrebshilfe zugute.

Wie kommt denn eine Neunjährige auf so eine Idee? Madleines Mutter, Myriam Erhard, fand es (nach dem ersten Schock) ganz toll, dass sich ihre Tochter so für andere Kinder einsetzt und sogar bereit ist, einen – buchstäblichen – Einschnitt dafür in Kauf zu nehmen.

Inzwischen ist es schon ein paar Tage her, seit Madleine mit einer pfiffigen Kurzhaarfrisur unterwegs ist, die ihr bestimmt mindestens genauso gut steht wie ihre langen Haare, die sie zuvor noch nie hatte schneiden lassen. Ihre Schulfreunde finden es auch ganz toll, dass sie dies für kranke Kinder gemacht hat, erzählt die bezaubernde Viertklässlerin. Und sie selbst hat gemerkt, dass so ein Kurzhaarschnitt durchaus seine Vorteile hat: „Jetzt ziept es gar nicht mehr beim Kämmen ...“

Möglichkeiten für Haarspenden gibt es viele: Seit drei Jahren ist Sara Eisenbarth aus Langerringen Initiatorin von „Echt-Haarig“ und vermittelt Haarspenden an Organisationen, die diese zu Echthaarperücken verarbeiten. Sie erklärt, was vor einer Spende zu beachten ist. „Grundsätzlich kann jeder spenden. Die Haare müssen nur mindestens 25 Zentimeter lang sein.“ Nur ab dieser Länge könnten die Haare zu einer Perücke verknüpft werden. Spendern rät sie, sich im Vorfeld im Internet zu informieren. Auch Eisenbarth hat sich umgehört und in einem Hamburger Verein einen Ansprechpartner gefunden. Darüber hinaus gibt es noch weitere Anlaufstellen, wie beispielsweise „Die Haarspender“ oder „haare-spenden.de“.

Die Haare von Madleine Erhardt aus Türkheim werden gespendet

„Besonders beliebt sind graue und strohblonde Haare“, sagt Eisenbarth. Blondes Kinderhaar eigne sich sehr gut, da es noch nicht nachgedunkelt sei. Aber auch lockige und rote Mähnen seien sehr gefragt – wie auch Männerhaar. „Allerdings werden diese vermutlich eher zu Frauenperücken verarbeitet“, sagt Eisenbarth.

Männer würden nach dem Haarausfall eher Glatze tragen. Besonders für Betroffene, die dauerhaft Perücken benötigen, seien Haarspenden wichtig, da sie alle zwei Jahre eine neue Perücke brauchen. Manchmal muss die künstliche Haarpracht auch mitaltern. „Deswegen sind graue Haare so beliebt.“ Das Alter der Haare spiele aber keine Rolle, meint Eisenbarth. „Sie sind sozusagen unkaputtbar“, auch sehr alte Haare könnten noch genutzt werden. „Ich habe mal einen 60 Jahre alten Zopf erhalten“, erinnert sich Eisenbarth.

Wichtig sei, dass die Haarbündel geordnet sind. In fingerdicken Zöpfen sollte man sie abschneiden. Sobald die Haare verwuschelt sind, könnte man sie nicht mehr nutzen. „Man muss wissen, wo oben und unten ist“, sagt Eisenbarth. Andernfalls würde die Perücke verfilzen.

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