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Mindelheim

23.01.2020

Warum Mindelheim so viele Fördergelder abschöpft

Wenn Geld gespart werden kann, ist die Freude im Mindelheimer Rathaus groß. Hier achtet man besonders darauf, welcher Fördertopf passt.

Plus Weil Mindelheims Kämmerer weiß, wo Zuschüsse winken, kann sich die Kreisstadt so manches teure Projekt eher leisten - so auch beim Freibad.

Über Verwaltungen wusste der Volksmund ja schon immer am allerbesten Bescheid. Hier würden Vorgänge im Schneckentempo nach Stechuhr produziert, der arbeitende Teil der Menschheit mit Bürokratie überzogen und und und. Tatsächlich hat die Arbeitsverdichtung längst auch die Verwaltungen erreicht, die wegen immer neuer Aufgaben kaum noch Land sehen. Wie sehr es lohnt, wenn man auf eine hellwache Verwaltung setzen kann, zeigen Beispiele aus Mindelheim.

Dass die Unterallgäuer Kreisstadt seit 2016 über ein saniertes Hallenbad verfügt, hat viel mit Kämmerer Wolfgang Heimpel zu tun. Von den zwölf Millionen Euro Baukosten schaffte er es, dass 4,1 Millionen Euro an Fördergeldern vom Freistaat Bayern zugeflossen waren. Letztlich waren es also nur 7,9 Millionen Euro, die Mindelheim selbst aufbringen musste. Der Umbau war zwischen 2009 und 2016 erfolgt. Zunächst war die Außenhülle energetisch erneuert worden. Dazu nutzte die Stadt einen Sondertopf des Freistaates.

Wolfgang Heimpel und sein waches Ohr bei der Regierung

Heuer im September soll nun die Sanierung des Mindelheimer Freibades beginnen. Und wieder leistete der Kämmerer wichtige Vorarbeit. Als durchsickerte, der Freistaat werde ein Sonderförderprogramm in Höhe von 20 Millionen Euro für ganz Bayern auflegen, war Heimpel und Bürgermeister Stephan Winter rasch klar: Eine Chance auf Fördergelder hat nur, wer seine Hausaufgaben rechtzeitig erledigt hat und möglichst schnell einen formvollendeten Antrag bei der Regierung von Schwaben einreicht. Die Vergabe erfolgt also nach dem Windhundprinzip: Wer zuerst kommt, wird bedient.

Warum Mindelheim so viele Fördergelder abschöpft

Als das Rennen eröffnet war, war Mindelheim tatsächlich die erste Kommune in Schwaben, die einen Antrag eingereicht hat. Schon im September war Bayerns damaliger Bauminister Hans Reichhart mit den Abgeordneten Franz Josef Pschierer und Klaus Holetschek nach Mindelheim gekommen, um die gute Nachricht gebührend öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen. Damals war allerdings noch unklar, wie hoch der Zuschuss ausfallen wird.

Schnelligkeit lohnt sich für die Stadt: Fast eine Million Euro fließen

Inzwischen ist das geklärt: Mindelheim bekommt 29 Prozent der förderfähigen Kosten. Das sind 974.000 Euro. Der Kämmerer hatte im Vorjahr geschätzt, es könnten zwischen 900.000 und 1,3 Millionen Euro werden. Im Rahmen des Sonderförderprogrammes des Freistaates Bayern zur Sanierung kommunaler Schwimmbäder können 0 bis 40 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten gefördert werden, erläuterte Julia Beck aus dem Rathaus. Mit der Zusage für einen Zuschuss in Höhe von 974.700 Euro Euro liege die Stadt Mindelheim über dem Orientierungswert.

Die Bauarbeiten sollen größtenteils in der kalten Jahreszeit stattfinden, damit die Freibadsaison möglichst wenig eingeschränkt wird. Voraussichtlich wird das Bad im Juli 2021 wieder eröffnet. Der Fertigstellungstermin hängt jedoch von der Dauer der Frost- und Schneeperiode des Winters 2020/2021 ab.

Netto muss die Stadt noch 6,5 Millionen Euro selbst schultern. An der Planung soll sich nichts mehr ändern. Im September 2019 wurden in einer Stadtratssitzung mögliche Einsparpotentiale diskutiert. Damals beschloss der Stadtrat, auf die Überdachung und Einhausung der Tischtennisanlage zu verzichten. 59.000 Euro lassen sich so einsparen.

Im großen Schwimmbecken werden weiterhin acht Bahnen mit einer Länge von 50 Metern zur Verfügung stehen. Die jetzigen Becken werden durch Edelstahlbecken ausgetauscht und der Nichtschwimmerbereich wird vergrößert. Um den Freibadbesuchern mehr schattige Plätze bieten zu können, gibt es zukünftig Sonnenschirme und weitere Bäume auf der Wiese.

Erneuert wird außerdem der Sprungturm, der ein eigenes Becken erhält. Für noch mehr Badespaß sorgen dann außerdem eine Breitrutsche, Massagedüsen, ein Was-serspeier, eine Schaukelbucht, mit der die Gäste selbst Wellen erzeugen können sowie ein Wasserschleierpilz. Auch der Neubau der Gaststätte und des Kiosks stehen an.

Der Stadtrat hat im Herbst noch einmal alle Pläne fürs Freibad auf den Prüfstand gestellt.

Wo könnte man beim Freibad sparen?

Windhundverfahren um Freibad-Zuschüsse

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