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Unterallgäu

05.04.2021

Warum der Libelle der Kragen platzt

Kaum zu glauben, welche Juwelen sich in unscheinbaren Wiesengräben verbergen: Die stark gefährdete und streng geschützte Vogel-Azurjungfer hat ihren Namen wegen des schwarzen, vogelähnlichen Mals auf der Oberseite des zweiten Hinterleibsegments bei den Männchen.
Foto: Dr. Michael Schneider/LPV

Wie aus einer Larve eine Vogel-Azurjungfer entsteht und warum die Männchen bei den Libellen auffälliger sind als Weibchen.

In den vergangenen Jahren haben Experten dramatische Bestandsrückgänge bei bestimmten Tier- und Pflanzenarten und damit einen Verlust von Lebensvielfalt im Unterallgäu beobachtet. Seit vergangenem Jahr gibt es daher das Projekt „Arche Noah Unterallgäu“. Im Zuge dessen sollen die Lebensbedingungen von 14 vom Aussterben bedrohten Arten verbessert werden. In einer Serie wollen der Landschaftspflegeverband, der Bund Naturschutz sowie der Landesbund für Vogelschutz mit der Mindelheimer Zeitung die einzelnen Arten vorstellen. Im vierten Teil geht es um die Vogel-Azurjungfer.

Die Libelle ist schwer von anderen Arten zu unterscheiden

Nur drei Zentimeter misst die Vogel-Azurjungfer. Trotz der geringen Körpergröße sind die Männchen wegen der leuchtend hellblauen Färbung recht auffällig, die Weibchen hingegen sind dunkler und unauffälliger. Es ist nicht einfach, diese Kleinlibelle unter gut einem halben Dutzend sehr ähnlicher und häufigerer Azurjungfer-Arten zu erkennen.

Den größten Teil ihres Lebens verbringt die Libelle als Larve im Wasser. Im Unterallgäu kann sie sich nur in kleinen, grundwasserbeeinflussten Wiesengräben mit bestimmten Wasserpflanzen wie der Berle entwickeln. An diese legen die Weibchen ihre Eier. Die geschlüpften Larven häuten sich innerhalb von zwei Jahren über zehn Mal, bis sie zur letzten Häutung aus dem Wasser klettern. An einer Pflanze hängend „platzt ihnen der Kragen“ und die erwachsene Libelle schlüpft. Die Verwandlung ist erst nach mehreren Stunden vollzogen, wenn die Flügel entfaltet sind und der Panzer ausgehärtet ist. Zur Partnersuche fliegen die Libellen im Juni und Juli über ihr Bächlein und bilden zur Fortpflanzung ein„Paarungsrad“.

Zuviel Gras am Ufer behindert die Vogel-Azurjungfer

Da dichter Grasbewuchs den Flug der Vogel-Azurjungfern behindert, werden die Ufer Mitte Mai gemäht. Das Ausbaggern muss fachlich korrekt erfolgen, um die Larven nicht zu schädigen. Schließlich werden Gehölze an den Ufern entfernt, da die die Libelle besonnte Ufer mag. Wie auch bei den übrigen „Arche Noah-Arten“ sind die einzelnen Populationen weit voneinander entfernt. Um auf lange Sicht Inzucht zu vermeiden, wird ein Netz aus geeigneten Lebensräumen geschaffen und so die Ausbreitung dieser Insekten gefördert. (johs)


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