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Unterallgäu

23.07.2018

Warum ein Frachtflugzeug 50 Tonnen Kerosin über der Region abließ

So sah das aus, als eine Boeing über dem Unterallgäu und weiten Teilen Schwabens 50 Tonnen Kerosin abließ.
Bild: Jens Gulyas

Am 1. Juli hatte ein Frachtflugzeug über der Region 50 Tonnen Kerosin abgelassen. Jetzt, nach gut drei Wochen, nennt die betroffene Fluglinie dafür die Gründe.

Es war Sonntag, 1. Juli: Eine Boeing 747 Typ 48 EF (SCD) mit der Registrierung HL 7420 war um 14.58 Uhr in Mailand mit dem Ziel Südkorea gestartet. Über dem Großraum Schwaben dreht das Flugzeug plötzlich ab, zog einige Runden über der Region. Einer unserer Leser, Jens Gulyas, beobachtete um 17.28 Uhr ein Flugzeug am Himmel und hielt diesen Moment mit der Kamera fest.

Der Pilot der Frachtmaschine hatte keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als den Flug abzubrechen. Mit dem vollgetankten Flugzeug wäre eine Sicherheitslandung in Frankfurt zu gefährlich gewesen, weshalb sich der Pilot gezwungen sah, insgesamt 50 Tonnen Kerosin über der Region Allgäu/Schwaben zwischen Landsberg/Ettringen, Krumbach, Ulm und Memmingen abzulassen.

Nach langem Zögern hat sich nun auch die Airlines auf eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion gemeldet und die Ursachen für den „Fuel Dump“ erklärt. Die Managerin der Zweigniederlassung der Asiana Airlines Inc. Regional Cargo mit Sitz in Frankfurt, So-min Kwon, teilte mit, dass der Frachter, der auf dem Weg von Mailand nach Incheon – einer Hafen- und Industriestadt an der Nordwestküste Südkoreas – unterwegs gewesen sei, zum Flughafen Frankfurt umgeleitet wurde, weil eine Störung am Anzeigesystem des Antriebs-Nr. 4 (Indication System of Engine No. 4) angezeigt wurde.

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Um eine sichere Notlandung zu ermöglichen, wurde nach Anweisung der Flugleitung (Control Tower) Treibstoff über die angewiesene Region abgelassen, so So-min Kwon. Auf Anfrage der MZ teilte das Bayerische Verkehrsministerium mit, dass für das Notverfahren Treibstoffschnellablass (fuel dumping) die Vorschriften der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO gelten. Demnach soll das Verfahren über möglichst dünn besiedeltem Gebiet und in einer Mindestflughöhe von 6000 Fuß über Grund (etwa 1800 Meter) stattfinden. Es erfolge grundsätzlich immer eine Absprache des Piloten mit der verantwortlichen Flugverkehrskontrollstelle, in der Regel die DFS Deutsche Flugsicherung.

Beim Ablassvorgang werde der durch Auslassdüsen an den Tragflächen versprühte Treibstoff durch Turbulenzen hinter dem Flugzeug zu einem feinen Kraftstoffnebel verwirbelt. Dieser verdampfe in der Atmosphäre. Der Kerosindampf werde dann durch Sonneneinstrahlung zu Kohlendioxid und Wasser umgewandelt.

Die Bundesregierung gehe davon aus, dass nur etwa acht Prozent der gesamten Treibstoffmenge den Erdboden erreichen können. Des Weiteren verteile sich die Treibstoffmenge, die gegebenenfalls den Erdboden erreichen kann, über weite Strecken. Denn Flüge, bei denen das Notverfahren zum Ablassen von Kerosin angewendet wird, finden niemals nur über einem einzigen Ort statt, sondern reichen meist sogar über mehrere Regionen oder Bundesländer, so Pressesprecherin Gabriele Dorby vom Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr.

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