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Leserfragen

17.09.2015

Warum ist Mindelheim so ein Krähennest?

So sieht es immer wieder aus am Himmel über Mindelheim. Die Frundsbergstadt ist seit Jahrzehnten schon Heimat einer großen Krähenkolonie. Nicht alle Anwohner freuen sich darüber.
Bild: Johann Stoll (Archiv)

Die Vögel gehören zum Stadtbild – zum Leid vieler Anwohner. Mindelheim gilt als "Hauptstadt der Krähen". Weshalb sich die Vögel hier so wohl fühlen.

Erst hört man sie in der Ferne, dann wird das Gekrächze immer lauter, und schließlich zieht ein Schwarm Krähen am Himmel entlang. Wer im Südwesten Mindelheims wohnt, der dürfte dieses Schauspiel öfter zu sehen bekommen: Mehrere hundert Saatkrähen leben zwischen Bahnlinie und Mindelburg im Tiergarten und am Eichet, etwa 900 Brutpaare wurden in den vergangenen Jahren insgesamt im Stadtgebiet gezählt. Mindelheim gilt schon lang als „Hauptstadt der Krähen“. Aber warum ist das so?

Ralf Müller versucht es erst mal mit einem Scherz. „Weil es bei uns so schön ist“, sagt der Leiter des Ordnungsamts und lacht. Aber er wird gleich wieder ernst. Dass die Stadt ein wahres Krähennest sei, habe vor allem mit dem Nistverhalten der Vögel und Mindelheims Lage über dem Meeresspiegel zu tun. „Die Vögel bevorzugen ein bestimmtes Höhenband“, erläutert der Experte. Damit ist die Höhe gemeint, auf der ein Ort liegt – bei Mindelheim sind das etwa 600 Meter über dem Meeresspiegel.

Optimale Lebensbedingungen für Krähen in Mindelheim

Dieses Höhenband zieht sich Müller zufolge vom Bodensee über Memmingen und Mindelheim bis Augsburg. Entlang dieser Strecke gebe es mehrere Kolonien der als vom Aussterben bedroht geltenden Tiere. Es sei also nicht so, betont Müller, dass sich die Vögel ausschließlich in Mindelheim so wohlfühlen würden. Richtig ist aber: Rund um das Freibad und die Mindelburg finden die Tiere optimale Lebensbedingungen und viel von dem, was sie besonders während der Nistzeit suchen: Wiesen und hohe Laubbäume.

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Die Sache mit den Krähen ist für Müller eine „sehr umstrittene Geschichte“. Zum einen wisse er, dass sich viele Mindelheimer – gerade zur Brutzeit im Frühjahr – von Lärm und Dreck gestört fühlen. Andererseits ist er der Meinung, „dass jeder seinen Platz haben sollte“. Aber ob die Vögel tatsächlich noch auf die Rote Liste der bedrohten Arten gehören – das sei eine andere Frage.

Müller betont, dass man in Mindelheim in gewisser Weise noch Glück habe: Denn die Krähen leben größtenteils außerhalb der Stadt beziehungsweise am Rand. In anderen Orten sei das nicht so: Dort würden zum Teil ganze Kolonien in den Stadtparks oder auf freien Grundstücken leben.

Greifvögel sollten die Krähen in Mindelheim vergrämen

Um die Krähen auch in Mindelheim vom Stadtkern fernzuhalten, hatte die Stadt 2012 auf Greifvögel zurückgegriffen: Drei Falken und ein Bussard sollten die Krähen damals vergrämen, also so sehr aufschrecken, dass sie sich erst mal zurückziehen. Gejagt werden dürfen die unter Artenschutz stehenden Tiere nicht. Die Stadt habe Müller zufolge auch danach die Erlaubnis bekommen, wieder eine Vergrämung durchzuführen. Weil es aber nicht dringend notwendig gewesen sei, habe man darauf verzichtet – auch aus Kostengründen: eine Vergrämungsaktion kostet bis zu 20000 Euro. Das war nicht die erste Aktion, mit der man den Krähen zu Leibe rücken wollte: Vor fast 60 Jahren fand sich in der Mindelheimer Zeitung schon ein Bericht über eine Großjagd auf Krähen im Landkreis, in den 90er Jahren rückte die Feuerwehr den Nestern noch mit der Löschspritze zu Leibe.

Seit wann es so viele Krähen in Mindelheim gibt, kann Ralf Müller nicht sagen. Viele Jahrzehnte dürften es aber schon sein. Denn der Ordnungsamtschef weiß, dass nach dem Zweiten Weltkrieg so einige Rezepte in der Region kursierten, wie man eine Krähe schmackhaft zubereitet.

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