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Unggenried

14.01.2021

Warum sich ein Unggenrieder Landwirt einen Londoner Bus gekauft hat

Anton Stümpfls (35) Faible für Oldtimer hat eine Vorgeschichte. Ein Jahrzehnt war er weltweit unterwegs und hat alte Busse gefahren. Auf seinem Biohof in Unggenried will er die Busse schon bald in Szene setzen.
Bild: Oliver Wolff

Plus Der Biolandwirt Anton Stümpfl hat einen alten Londoner Doppeldecker-Bus gekauft, baut ihn zum Restaurant um und hat mit ihm große Pläne. Seine Passion zu großen Oldtimern hat eine Vorgeschichte.

Sie sind Londons rollende Wahrzeichen: die roten Doppeldeckerbusse. Auf über 700 Linien fahren täglich mehr als 8000 Busse. Anton Stümpfl aus Unggenried hat vor Kurzem ein älteres Modell aus den 60er-Jahren gekauft. Der „Routemaster“, so heißt das Modell, steht auf seinem Biohof in Unggenried und wird gerade zum Restaurant umgebaut: Im Unterdeck soll einmal die Küche und im Oberdeck der Gastraum sein. Es ist nicht Stümpfls einziges Projekt. Schon bald möchte der Biolandwirt auf seinem Hof monatlich Streetfood- und Kulturfestivals austragen.

Zehn Jahre auf der ganzen Welt unterwegs

Eigentlich ist der 35-Jährige ein Weltenbummler. „Ich war zehn Jahre mit meinem VW-Bus unterwegs, habe viele Länder gesehen und viele Kulturen kennengelernt“, erzählt Stümpfl. Vor etwa zwei Jahren ist er zurück nach Unggenried gegangen, um den Hof seiner Eltern zu übernehmen. Es sei an der Zeit gewesen, sesshaft zu werden, sagt er.

Etwa 8000 rote Busse fahren täglich in London. Ausgemusterte Oldtimer-Modelle sind bei Sammlern sehr beliebt und werden bis in den hohen fünfstelligen Bereich gehandelt.
Bild: Oliver Wolff

Doch was hat diese Geschichte mit dem London-Bus zu tun? Stümpfl führt in den Hinterhof und zeigt einen ganzen Fuhrpark an Oldtimerbussen aus Amerika und Europa. Der älteste kommt aus den 40er-Jahren. Stümpfl sagt: „Das Sammeln ist meine Leidenschaft, die großen Fahrzeuge faszinieren mich.“ Weil er als Familienvater und Landwirt jetzt nicht mehr in der ganzen Welt unterwegs sein könne, habe er sich gedacht, die Welt ein Stück weit nach Hause zu bringen.

Das hat der Landwirt mit seinen Bussen vor

Nur bei den Bussen sollte es nicht bleiben: Sie werden gerade umfangreich umgebaut. Stümpfl will, sobald die Temperaturen und die Corona-Lage es zulassen, auf seinem Hof Festivals feiern. „Es sollen Genussfestivals werden. Für jeden soll etwas dabei sein.“ Die Busse baut er zusammen mit Freunden zu Food-Trucks um. Jeder Bus bekommt ein eigenes Motto, zum Beispiel das einer amerikanischen Saftbar. Ein alter Tourbus aus den 60er-Jahren einer amerikanischen Band, deren Name Stümpfl nicht weiß, soll einmal als Show-Bühne dienen. Hier sollen einmal Musiker auftreten und für Unterhaltung sorgen. Einen ausgedienten Faschingswagen, ein Piratenschiff, hat Stümpfl auch zuletzt gekauft. Darin entsteht eine hawaiianische Tiki-Bar mit Dachterrasse.

Im Londoner Bus soll ein Restaurant entstehen

Der Londoner Bus wird einmal das Highlight am Hof sein, da ist sich Stümpfl sicher. „Es ist fast alles original, die Sitze sind noch mit Kokosfasern gepolstert. So etwas gebe es heute gar nicht mehr, sagt der 35-Jährige.

Die Sicherheit wurde in den alten Bussen buchstäblich groß geschrieben.
Bild: Oliver Wolff

Damit im Oberdeck später Gäste platznehmen können, wurde jede zweite Sitzreihe umgedreht und zwischen den Sitzen Tische eingebaut. Dass man oben wegen der damals üblichen niedrigen Bauart nur gebückt laufen kann, findet Stümpfl keineswegs schlimm. „Das ist doch der Charme der alten Dinger, außerdem sitzt man ja“, sagt er und lacht.

So sieht das rollende Restaurant des Unggenrieder Landwirts von innen aus. Weil die Decke nicht besonders hoch ist, können Erwachsene nur gebückt laufen.
Bild: Oliver Wolff

Abgekauft hat Stümpfl den „Routemaster“ von einem Bekannten. Dieser hatte den Bus eigentlich selbst als Foodtruck umbauen und nutzen wollen, erzählt der Landwirt. „Er hat es einfach zeitlich nicht geschafft und dann habe ich ihm meine Pläne erzählt und zugeschlagen.“ Etwa ein mittlerer fünfstelliger Betrag war fällig. „Die Londoner Busse sind auf der ganzen Welt gefragt und haben einen hohen Sammlerwert“, erklärt Stümpfl.

Warum nicht der TÜV, sondern das Bauamt gefragt ist

Bis in der Busküche die ersten Burger brutzeln oder Pommes frittiert werden können, muss noch das Bauamt den Umbau abnehmen. Warum eigentlich nicht der TÜV? Stümpfl erklärt, bei dem Bus und seiner reinen Nutzung auf dem Hof handle es sich um einen sogenannten „feststehenden Wagen“.

Anton Stümpfl baut zusammen mit Freunden den Bus zum Erlebnis-Restaurant um.
Bild: Oliver Wolff

Aber vielleicht wird Stümpfl seinen Wagen einmal zum Beispiel für Firmenfeiern vermieten. Er wisse es noch nicht, je nach dem, ob es eine Nachfrage gibt. „Der Motor läuft, er muss für die Fahrt nur zugelassen werden.“ Ein Blickfang ist der Londoner Bus ohnehin und sicherlich der Star auf jeder Party.

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