1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Warum sich eine Unfallflucht nicht lohnt

Unterallgäu

12.02.2019

Warum sich eine Unfallflucht nicht lohnt

Copy%20of%20Golf_Unfallschaden_3.tif
2 Bilder
Wer so eine Delle verursacht und dann einfach weiterfährt, ohne auf den Geschädigten zu warten oder die Polizei zu informieren, begeht Unfallflucht und damit eine Straftat, die je nach Höhe des entstandenen Schaden sogar mit Haft geahndet werden kann.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Im vergangenen Jahr haben sich im Unterallgäu 455 Unfallfahrer aus dem Staub gemacht. Dabei sind das Risiko, erwischt zu werden, und die Strafen hoch.

Ein vergessener Blick in den Rückspiegel, ein bisschen zu viel Schwung beim Einparken oder beim Öffnen der Autotür und schon ist es passiert: Die Delle am anderen Auto ist nicht zu übersehen. Das wäre halb so schlimm, würde sich der Verursacher um den Schaden kümmern, den er da angerichtet hat. Tatsächlich ist das jedoch oft nicht der Fall: 455 von insgesamt 3505 Unfallfahrern haben sich im vergangenen Jahr im Landkreis Unterallgäu aus dem Staub gemacht – und damit strafbar. „Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist kein Kavaliersdelikt. Das ist und bleibt eine Straftat“, erklärt Polizeihauptkommissar Josef Eberhard von der Polizeiinspektion Mindelheim. Er gibt Tipps, wie man sich im Fall des Falles richtig verhält und sich so eine Menge Ärger erspart. Denn Unfallflucht wird empfindlich bestraft - und sehr viel häufiger aufgeklärt, als viele offenbar glauben.

Für Josef Eberhard gehören Fälle von Unfallflucht zum Alltag: 136 mal hat es im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Mindelheim gescheppert, ohne dass sich der Verursacher anschließend um den Schaden - meist Dellen, Kratzer oder ein kaputter Außenspiegel - gekümmert hat. „Die Gründe, warum einer wegfährt, sind vielschichtig“, ist Eberhards Erfahrung. Der eine will sich Ärger ersparen, der andere verhindern, dass sein Versicherungsbeitrag steigt, und ein Dritter vertuschen, dass er gar keinen Führerschein hat oder betrunken unterwegs war.

Eine Unfallflucht kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden

Dabei scheint manch einem nicht klar zu sein, dass er sich mit einer Unfallflucht deutlich mehr Ärger einhandelt als mit dem Unfall an sich. Denn die Strafen sind nicht ohne. Sie reichen von einer Geldstrafe bis zu drei Jahren Haft – je nachdem, wie groß der angerichtete Schaden ist oder ob sogar jemand verletzt wurde. Je nach Höhe des Fremdschadens kann außerdem der Führerschein für mehrere Monate weg sein und es gibt Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Verursacher gefunden wird, ist relativ groß“, sagt Eberhard. Von den 455 Unfallfluchten im Landkreis wurden 202 aufgeklärt, im Bereich der Polizeiinspektion Mindelheim ist die Aufklärungsquote sogar noch ein bisschen höher: Hier liegt sie bei 48 Prozent. Es wurde also bei fast jeder zweiten Unfallflucht ein Täter ermittelt.

Die Unterallgäuer zeigen Zivil-Courage

Zu verdanken ist das laut Eberhard überwiegend Zeugen, die sich im besten Fall das Nummernschild gemerkt und die Polizei informiert haben. „Wegschauen ist hier fehl am Platz“, sagt er und appelliert an die Zivil-Courage. Schließlich wäre man selbst als Geschädigter ja auch froh, wenn der Verursacher gefunden würde und man nicht auf den Reparaturkosten sitzen bliebe. Gibt es keine Zeugen, lassen manchmal auch die Spuren Rückschlüsse auf den Verursacher zu: Fahrzeugteile, die an der Unfallstelle liegen geblieben sind, können einzelnen Fabrikaten zugeordnet werden und auch Lackspuren können verräterisch sein. Und manchmal haben die Polizei und der Geschädigte das seltene Glück, dass der Verursacher am Unfallort das Kennzeichen seines Autos verloren hat – und er so schnell zu ermitteln ist.

Noch besser wäre freilich, er hätte sich erst gar nicht davongemacht. Wer ein anderes Auto beschädigt hat – übrigens egal ob mit einem Fahrzeug oder als Fußgänger – muss eine angemessene Zeit auf den Besitzer des Autos warten. Was als angemessen gilt, hängt laut Eberhard von den Umständen ab: Üblicherweise geht man von 20 bis 30 Minuten aus. „Aber von einer Frau wird keiner verlangen, dass sie nachts eine halbe Stunde auf einem unbeleuchteten Parkplatz ausharrt.“ Kehrt der Geschädigte in dieser Zeit nicht zu seinem Auto zurück, reicht es aber nicht aus, ihm einfach einen Zettel mit Name, Adresse und Telefonnummer unter den Scheibenwischer zu klemmen. „Das ist rechtlich zu wenig“, so Eberhard. „Schließlich könnte so ein Zettel ja abhandenkommen.“

Wer sich nach dem Unfall sofort meldet, ist auf der sicheren Seite

Der Verursacher ist deshalb zusätzlich verpflichtet, die nächste Polizeidienststelle zu verständigen – sonst begeht er trotz Wartezeit und Zettel Fahrerflucht. Den Anruf bei der Polizei empfiehlt der Hauptkommissar übrigens auch dann, wenn man glaubt, dass gar nichts passiert ist. Denn unter der scheinbar heilen Oberfläche könne durchaus etwas kaputtgegangen sein. „1000 Euro Schaden sind schnell passiert“, ist seine Erfahrung. Die Polizei schaut sich den Schaden vor Ort an und dokumentiert ihn mit Fotos. So lässt sich auch klären, ob die Delle am Kotflügel wirklich vom Parkplatzrempler gerade eben stammt oder von einem früheren Unfall.

Grundsätzlich gilt: „Wenn man sich unverzüglich meldet, ist man auf der sicheren Seite.“ Zwar kann das Gericht von einer Strafe absehen, wenn sich der Unfallverursacher innerhalb von 24 Stunden meldet. Aber auch nur dann, wenn der Unfall nicht im fließenden Verkehr passiert und der Schaden verhältnismäßig gering ist. „Davonfahren gibt nur Scherereien“, fasst Eberhard deshalb zusammen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren