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Bad Wörishofen

23.02.2021

Warum stach der 48-Jährige mit dem Küchenmesser auf drei Frauen ein?

Ein 48-jähriger Bulgare steht seit Dienstag vor dem Landgericht memmingen, weil er im Mai des vergangenen Jahres brutal auf drei Frauen eingestochen haben soll. Ihm wird versuchter Mord und versuchter Totschlag vorgeworfen.
Bild: Kurt Kraus

Plus Seit Dienstag muss sich ein Mann vor dem Landgericht Memmingen wegen versuchtem Mord und versuchtem Totschlag verantworten. Ein Opfer wäre fast gestorben.

Nach einem Gewaltexzess gegen drei Frauen in Bad Wörishofen muss sich ein 48-Jähriger seit Dienstag vor Gericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, die Frauen mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben. Das Memminger Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Christian Liebhart muss ein Urteil finden, dem Angeklagten wird versuchter Totschlag in zwei Fällen und im dritten Fall sogar versuchter Mord zur Last gelegt.Schon zum Prozessauftakt geht es recht eng her unter den Beteiligten, und es könnte an den vier weiteren Verhandlungstagen noch enger werden.

So schildert die Staatsanwaltschaft den Hergang der Bluttat in Bad Wörishofen

Coronabedingt mit Scheiben aus Plexiglas voneinander getrennt, sitzen der Angeklagte, seine Dolmetscherin und sein Verteidiger Werner Hamm völlig ungewohnt auf der linken Seite, vom Zuschauerbereich des großen Sitzungssaals im Memminger Landgericht aus gesehen. Der Vertreter der Anklage, Oberstaatsanwalt Thorsten Thamm, sitzt dagegen diesmal auf der rechten Seite.

Neben ihm haben die Rechtsanwältinnen Anja Mack, Theresa Pilz und Nicole Pitsch Platz genommen. Sie vertreten die drei bei dem Messerangriff verletzten Frauen, die als Nebenklägerinnen an dem Prozess teilnehmen wollen. Sie dürfen sich aber erst zu ihrem jeweiligen Rechtsbeistand setzen, wenn sie als Zeuginnen ausgesagt haben. Das wird voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag der Fall sein, der für den 15. März geplant ist.

Für die drei Opfer stehen zwei weitere Dolmetscherinnen bereit. Das Schwurgericht selbst, das laut Gerichtsverfassungsgesetz für alle versuchten oder vollendeten Tötungsdelikte zuständig ist, besteht aus drei Berufsrichtern und zwei Schöffen.

Im Mai vergangenen Jahres wohnte der 48-jährige Arbeiter mit seiner damals 34-jährigen Lebensgefährtin sowie mit deren Tochter und Mutter in ein und derselben Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Bad Wörishofen. In der Nacht zum 24. Mai, gegen 2.15 Uhr, soll der 48-Jährige zunächst mit seiner Freundin in Streit geraten sein. Dann habe er „plötzlich ein Küchenmesser mit einer spitz zulaufenden Klinge“ an sich genommen, heißt es in der Anklageschrift.

Daraufhin sei die Tochter seiner Freundin aus der Wohnung gerannt, um Nachbarn um Hilfe zu bitten. Der Angeklagte habe in der Zwischenzeit seine Lebensgefährtin mit dem Messer angegriffen und ihr zweimal in den linken Oberarm geschnitten.

Dann habe er auch noch die 63 Jahre alte Mutter seiner Freundin attackiert, die inzwischen aufgewacht und auf den Flur gekommen war. Mehrfach habe er auf die Frau eingestochen und dann mit den Füßen auf die bereits zu Boden gegangene Frau eingetreten.

Die Frau erlitt schlimme Frakturen im Gesicht und verlor mehrere Zähne. Danach habe er sich wieder seiner Freundin zugewandt, sie am Hals gepackt und mehrfach auf sie eingestochen. Dabei habe er den Tod der 34-Jährigen „zumindest billigend in Kauf genommen“, führt der Staatsanwalt aus. Beide Frauen erlitten mehrere Stich- und Schnittwunden.

Eines der drei Opfer wäre ohne medizinische Intensivpflege nicht mehr am Leben

Während seine Freundin keine lebensgefährlichen Verletzungen erlitt, hätten die der 63-Jährigen zugefügten Wunden „ohne intensivmedizinische Maßnahmen zum Tod der Geschädigten geführt“, wirft Thamm dem Angeklagten vor.

Zwischenzeitlich sei eine 38-jährige Nachbarin hinzugekommen. Weil er habe verhindern wollen, dass diese weitere Hilfe holen könne, habe sich der Angeklagte entschlossen, auch die Nachbarin zu töten. Damit habe er gleichzeitig verhindern wollen, dass die zuvor begangen Taten entdeckt würden.

Die Nachbarin habe die gefährliche Situation jedoch erkannt und sei geflüchtet. Der Angeklagte jedoch sei ihr gefolgt und habe der Flüchtenden einmal in den Rücken gestochen, ehe er sie von hinten zu fassen bekam und ihr in den Oberkörper stach. Mehrfach habe er gerufen, dass er jetzt alle umbringen werde. Schließlich gelang der 38-Jährigen die Flucht in die Wohnung eines weiteren Mitbewohners. Als der Angeklagte die Frau verfolgte, schlug ihm der Nachbar zweimal mit der Faust ins Gesicht und verhinderte damit eine Fortsetzung des Geschehens.

Falls sich der Sachverhalt im Laufe der nächsten Prozesstage so bestätigt, wäre tatsächlich ein versuchter Mord gegeben. Wer nämlich „einen Menschen tötet, um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken“, wird nicht wegen Totschlags belangt, sondern als Mörder mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft, heißt es im Paragrafen 211 des Strafgesetzbuches. Und das gilt grundsätzlich, wenn jemand eine solche Tat auch nur versucht.

Lesen Sie dazu auch: Messerstecher nach Bluttat in Bad Wörishofen wegen Mordversuchs angeklagt

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