Kultur

17.06.2013

Was Kino alles kann

Diesen Kinoabend konnte das Publikum auch bei zunächst leerer Leinwand genießen. Der Kammerchor „Vocal total“ sang im Mindelheimer Filmtheater Filmmusik.
Bild: Höger

Musik aus bekannten Streifen und besondere Kurzfilme: Den Abend im Filmtheater genossen nicht nur Cineasten

Mindelheim Das Kino hat es heute nicht leicht, ständig muss es sich behaupten, bisweilen sogar selbst erklären: Habe ich noch meine Berechtigung? Ein ganz klares „ja“ will man da doch entgegnen. Kino ist nicht einfach der große Bruder vom Fernsehen. Kino kann viel mehr. Es macht aus dem sonst eher singulären Genuss ein gesellschaftliches Filmerlebnis. Die Kinobetreiber Daniela und Marcel Höger hatten für das Mindelheimer Filmtheater schon so manche originelle Idee und so war das Kino auch wieder nahezu voll, als „Chor auf Kino“ traf. Gemeint ist der Mindelheimer Kammerchor „Vocal Total“, der Filmmusik vortrug und ausgewählte Kurzfilme so herrlich eingebettet hat.

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Der Chor „Vocal Total“, unter der neuen Leitung von Ottmar Einsiedler, ließ mit den toll arrangierten Filmhits gleich eine ganze Reihe an Bildern erwachen. Es zeigte sich nicht nur einmal, dass Film und Musik zusammengehören. Das ist genau die große Macht herausragender Filme, in der Komposition aus Bild, Dialog, Filmschnitt und Musik den Eindruck zu vermitteln, jede Szene kann nur so stattfinden. Filme mit diesem Anspruch werden Klassiker.

Und ebensolche Klassiker wehten romantisch oder wehmütig durch den Kinosaal – „Scarborough fair“ etwa. Schon sah man wieder Dustin Hoffman als Benjamin Braddock, der sich in die Liebeswirren zwischen der großartigen Anne Bancroft als Mrs. Robinson und ihrer Tochter Elaine (Katharine Ross) heftigst verstrickt. Oder „Moon River“, das bereitwillig noch einmal als Zugabe gegeben wurde und so Audrey Hepburn, die dafür 1962 den Oscar für den besten Filmsong erhielt, gleich zwei Mal an diesem Abend imaginär durch den Raum huschen ließ.

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Mary Poppins war auch mit von der Partie

Besonders schön und charmant waren die beiden Arrangements der Songs aus dem Kinderfilm „Mary Poppins“: Neben dem Zungenbrecher „Supercallifragilistic“ eben der Klassiker „Chim Chim Cheree“. Ohne Filmmusik wäre auch das Kino nur halb so schön, das galt nicht nur für diesen besonderen Abend, sondern ist auch belegt anhand der Geschichte des Kinos, die immerhin mit Livemusikbegleitung begonnen hat. Die Kurzfilme waren dann ein ebensolcher Streifzug durch die Filmgeschichte, lauter kleine Juwelen an Zeichentrickfilmen von 1937 bis 2013. Den Anfang machte ein Ausschnitt aus dem Film „Fantasia“ von 1940, in dem Musik als „Lichtton“ erklärt wird, sehr amüsant, die Tonspur je nach Instrument tanzen und flattern zu sehen.

Dann grüßten noch Bugs Bunny, Mickey als toller Dirigent, Donald als ewiger Tollpatsch und der singende Wal, der dann doch der Dummheit der Menschen zum Opfer fällt.

Der vielleicht lustigste Film des Abends dürfte die kongeniale „Einmannband“ von Pixar (USA 2005) gewesen sein, derart gestenreich und detailverliebt, da war einfach das ganze Kino von Lachen erfüllt.

Absoluter Höhepunkt des Abends war der oscarprämierte Film „Im Flug erobert“ von John Kahrs aus dem Haus Walt Disney (2013). Es ist ein brillantes kleines Werk und eine traumwandlerische Liebeserklärung an die Fantasie und damit letztlich auch an das, was Kino sein sollte: Ein Ort, der die Sinne beflügelt, der es erlaubt, dass die Seele im Flug erobert wird.

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