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Zaisertshofen

09.02.2019

Was ein Dorf wie Zaisertshofen zusammenschweißt

Markus Forster ist Chef der Freiwilligen Feuerwehr Zaisertshofen. Nur wenn alle zusammenhalten, klappt es im Dorf, sagt er und geht selbst mit gutem Beispiel voran.
Bild: jsto

Plus Markus Forster ist Chef der Feuerwehr und ein Beispiel für Hilfsbereitschaft. Gemeinsam haben die Wehrleute viel durchgestanden, auch den Tod eines Kameraden.

Das Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft. Wer aber sind diese Menschen, die sich für ihren Ort selbstlos einsetzen und jede Menge Freizeit für andere opfern? Die Mindelheimer Zeitung stellt in einer losen Reihe solche Vorbilder vor.

Wenn der Fasching wieder zur Hochform aufläuft, ist Markus Forster fest beim „Goakahaufa“ dabei, einem Ableger des Oldtimer-Vereins. Das eigentliche Regiment führt in der fünften Jahreszeit die Zaisonarria. Zaisertshofen ist Faschingshochburg im Unterallgäu, nicht die einzige. Damit ist klar: Auch der Vorsitzende der örtlichen Feuerwehr ist fest ins närrische Geschehen eingebunden. Beim ersten Faschingsumzug läuft er bei den Narren mit, bei der zweiten Schicht hilft er als Feuerwehrmann, den Verkehr zu regeln. Nur wenn alle zusammenhalten, klappt es im Dorf, sagt er. Zaisertshofen ist da in vieler Hinsicht vorbildlich.

Feste Absprachen, gegenseitige Rücksichtnahme, so gehen die Vereine ins neue Jahr. Alle haben sich darauf verständigt, 2019 das Dorffest ausfallen zu lassen, weil der TSV ein Jubiläum feiert. Da steckt immens viel Arbeit drin, also soll auch dieser Verein die Ernte einfahren. Ein andermal darf ein anderer Verein von einem großen Fest profitieren. Geld brauchen sie schließlich alle.

Was ein Dorf wie Zaisertshofen zusammenschweißt

Markus Forster ist Fischer, Sänger und bei weiteren acht Vereinen in Zaisertshofen

Markus Forster ist Mitglied in zehn Vereinen. Dazu zählt der Fischereiverein. Dort ist er Schriftführer. Wenn andere sich zum Erholen vor den Fernseher setzen, ist er draußen in der Natur am Baggersee. Im Kirchenchor singt er sonntags als Tenor mit. Mal in Zaisertshofen, mal in Mattsies. Die Sänger der beiden Tussenhausener Ortsteile haben längst fusioniert. Nur so war der Chor mit seinen 18 Sängern zu halten.

Seit 26 Jahren ist Markus Forster bei der Feuerwehr und seit zwölf Jahren deren Vorsitzender. Warum er das macht und so viel Freizeit opfert? Begonnen hatte alles mit Joachim Schmid. Der hatte ihn und seine Freunde damals gefragt, ob sie nicht bei der Feuerwehr mithelfen wollten. „Jeder hat gleich gesagt: ja klar“, erinnert sich Forster. Seither ist er dabei und genießt den Zusammenhalt, die Kameradschaft und gegenseitige Hilfsbereitschaft. Denn eines ist ungeschriebenes Gesetz: Wenn ein Feuerwehrmann Unterstützung braucht, kann er auf seine Kameraden zählen.

Der Dienst bringt aber nicht nur schöne Seiten mit sich. Einmal war die Feuerwehr auf der Suche nach einem Vermissten ausgerückt. Kameraden fanden ihn dann tot im Bach schwimmen. Auch Forster war da dabei. Es war ein furchtbares Erlebnis, das sie lange beschäftigt hat. Sie haben dann einen Notfallseelsorger hinzugeholt, der ihnen half, das schlimme Erlebnis zu verarbeiten. „Das Wichtigste ist, über solche Erlebnisse zu sprechen.“

Die Helfer der Feuerwehr Zaisertshofen erfahren viel Dank von ihren Mitmenschen

Meist aber bekommen die Helfer ganz viel Dankbarkeit zu spüren. Manche sagen es persönlich, wenn sie nach einem schweren Unfall wieder genesen sind. Andere lassen es über Verwandte ausrichten. „Das gibt ein gutes Gefühl, etwas Sinnvolles und Wichtiges zu tun“, sagt Markus Forster. Und es motiviert, auch die vielen Schulungen und Übungen zu meistern.

Dass eine gut ausgerüstete Feuerwehr mit einer motivierten Mannschaft für jeden Ort Gold wert ist, ist allen klar. Und doch hat auch die Feuerwehr Zaisertshofen Nachwuchssorgen. 60 Mitglieder, davon 30 bis 40 Aktive, zählt sie. Das klingt für einen 1000-Einwohner-Ort nach viel. Den Jungen fällt es aber immer schwerer, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen. Viele arbeiten oder lernen auswärts. Wer die Woche über in Stuttgart ist, sagt Forster, hat am Wochenende keine große Lust mehr, bei der Feuerwehr mitzumachen. Er versäumt auch Lehrgänge.

Früher sei es üblich gewesen, nach 25 Jahren im aktiven Feuerwehrdienst aufzuhören. „Das traut sich heute keiner mehr, weil jeder weiß: Dann klafft eine Lücke.“ Auch von den ohnehin mit Arbeit überlasteten und immer weniger werdenden Bauern wäre so mancher froh, wenn er den Dienst bei der Feuerwehr quittieren könnte.

Bei der Jugendfeuerwehr dagegen sind noch alle dabei, darunter auch viele Mädchen. Noch meistert die Wehr die zehn bis 15 Einsätze, die im Schnitt pro Jahr anfallen. Das geht von Verkehrsunfällen bis hin zu kleineren und großen Bränden, die es gottlob aber schon seit ein paar Jahren nicht mehr gab. Dabei ist Forster besonders der ortsansässigen Firma Ruf dankbar, die gleich fünf Feuerwehrleute beschäftigt. Die sind im Ernstfall dann auch am schnellsten vor Ort.

Mit dem Fahrrad ist Markus Forster schneller am Feuerwehrhaus Zaisertshofen als mit dem Auto

Er selbst fällt tagsüber in der Regel aus. Forster arbeitet in Memmingen bei Rohde & Schwarz als Kommunikationselektriker. Auch er zählt also zu den Auspendlern. Nur in diesen Tagen rund um Neujahr hat er Urlaub.

Plötzlich schreckt Markus Forster vom Küchentisch hoch, blickt kurz auf seinen Piepser und schon läuft er mit der Jacke unter dem Arm zur Tür. Sofort schwingt er sich aufs Rad. Damit geht es am schnellsten runter ins Dorf. Jetzt bloß keine Zeit verlieren. Mit dem Auto bräuchte er viel länger bis zum Feuerwehrhaus. Der 42-Jährige, der gerade von seinem Ehrenamt als Vorsitzender der Feuerwehr Zaisertshofen erzählt, befindet sich plötzlich mitten in einem realen Einsatz.

Später wird sich herausstellen: Ein Traktor bei Immelstetten hatte Feuer gefangen. Da war auch die benachbarte Feuerwehr aus Zaisertshofen herbeigerufen worden, um Schlauchleitungen zu legen. Dazu war das Löschfahrzeug LF8-6 mit einem Fassungsvermögen von rund 800 Litern Löschwasser rübergefahren worden. Als zweiten Wagen besitzt die Feuerwehr Zaisertshofen noch einen Kombi, den sie teilweise aus Eigenmitteln erworben hat.

Die Gefahr, dass das Feuer auf den benachbarten Wald übergreifen könnte, war gemeinsam mit anderen Feuerwehren nach gut zwei Stunden Einsatz gebannt worden.

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