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Natur

29.07.2013

„Was ist los mit Toni?“

Dieser sechs Zentimeter große Satelliten-Sender war Toni umgebunden, der seinen Standort damit an die Schweiz übermittelte.
Bild: müsa

Ein Jungstorch, der mit einem Satelliten-Sender aus der Schweiz ausgestattet war, kam im Unterallgäu ums Leben

Salgen Als Vogelexperte Volker Ziemer vor einiger Zeit einen Anruf erhielt, dass ein toter Storch nahe der Bahnlinie westlich von Hausen gefunden worden ist, war die Sache für den LBV-Ortsgruppenvorsitzenden anfangs nicht außergewöhnlich. Als er sich am nächsten Tag auf die Suche machte, fand er nur noch die Überreste des Tieres. „Vermutlich hat sich ein Fuchs den toten Storch als Mahlzeit geschnappt“, mutmaßt Ziemer. Den aufgefundenen Ring mit den Daten sendete er an die Vogelwarte Sempach in der Schweiz, die den Vogel beringt hatte. Damit war der Fall für ihn abgeschlossen.

Dies änderte sich schlagartig: Einige Tage später erhielt Ziemer eine E-Mail von LBV-Kreisgruppenvorsitzenden Georg Frehner. Die Rundmail mit dem Betreff „Was ist los mit Toni?“ von Weißstorchenexpertin Oda Wieding aus der LBV-Zentrale in Hilpoltstein schien wichtig zu sein. Im Rahmen eines Schweizer Satellitentelemetrie-Projekts namens „SOS Storch“ wurden einige Störche mit Satellitensendern versehen, um das geänderte Zugverhalten der Vögel besser zu erkunden und damit zum Schutz des Weißstorchs beizutragen.

Die Forschungen ergaben, dass nahezu die Hälfte der schweizerischen Störche in Südspanien bleibt und viele Tausend Westzieher den Zug nach Süden in Spanien beenden, da sie dort genügend Nahrung in Reisfeldern und vor allem auf großen, offenen Mülldeponien vorfinden. „Damit könnte, unter Berücksichtigung weiterer Aspekte, die steigende Anzahl an Störchen in unserer Region erklärt werden“, sagt Volker Ziemer.

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Das letzte Signal an die Forscher kam aus dem Unterallgäu

Der vermisste Storch Toni gehörte ebenfalls zum Schweizer Projekt. In einem Zoo aufgewachsen, erhielt Toni einen GPS-Sender auf den Rücken geschnallt, um die Daten seiner Flugstrecke sowie seine Körpertemperatur an die Forscher zu übermitteln. Als das Projektteam unter der Leitung von Dr. Holger Schulz zwei Wochen keine neuen Daten mehr von Toni erhielt, startete der Projektleiter einen Aufruf im Internet und an die LBV-Zentrale, alle Augen und Ohren im Unterallgäu offen zu halten, da die letzte Spur in der Region zwischen Tussenhausen und Markt Wald zu finden war.

Zuvor war Toni lange Zeit am Bodensee, bis er dann etwa 80 bis 100 Kilometer nach Nordosten ins Unterallgäu flog. Doch dann blieben die erwarteten abendlichen Aktivitätsdaten aus; ein Zeichen, dass sich der Vogel nicht mehr bewegte. „Aus Erfahrung wissen wir, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass auch ein lebender Vogel eineinhalb Stunden lang ruhen kann und sich nicht bewegt. Zumal die Batteriespannung mit 3,68 Volt und die gemessene Temperatur um 29 Grad im normalen Bereich liegen und keinen Hinweis auf den Tod des Vogels geben“, schrieb Holger Schulz in der Mail noch voller Zuversicht.

Als Volker Ziemer diese Nachricht las, erinnerte er sich an den toten Storch bei Hausen. Mit Gummistiefeln gerüstet, fuhr er nochmals an die Fundstelle – und fand nach einigem Suchen im hohen Gras den sechs Zentimeter großen Sender, der eindeutig dem Storch Toni zuzuordnen war. „Vermutlich ist der Vogel mit einem Zug kollidiert“, vermutet Ziemer. „Störche sind keine geschickten Flieger, sondern gute Segler. Darüber hinaus sind sie sehr windempfindlich und können deshalb oftmals nicht mehr rechtzeitig einem relativ nahen, größeren Hindernis ausweichen.“

Die Frage „Was ist los mit Toni?“ war damit geklärt – auch wenn sich alle eine positivere Antwort gewünscht hätten.

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