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Demenz-Fachtag in Mindelheim

27.04.2015

Was kannst du noch?

Bei der Fachtag „Demenz und Begegnung“ im Forum Mindelheim zeigte der BRK-Seniorentreff, wie die Arbeit mit Erkrankten aussehen kann. Judith Csokas animierte die Zuhörer zum Mittun, etwa zum Füßetrampeln.
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Bei der Fachtag „Demenz und Begegnung“ im Forum Mindelheim zeigte der BRK-Seniorentreff, wie die Arbeit mit Erkrankten aussehen kann. Judith Csokas animierte die Zuhörer zum Mittun, etwa zum Füßetrampeln.
Bild: Johann Stoll

Demenz Wie ein selbstbestimmtes Leben im Alter möglich ist. Manchmal ist dazu nicht einmal großer Aufwand nötig, wie sich zeigt

Unter ihnen sind wahre Gedächtniskünstler. „Die Glocke“ von Friedrich Schiller fehlerfrei aufsagen - das ist für die Damen und Herren des Seniorentreffs des Roten Kreuzes kein allzu großes Problem. Dabei sind die meisten deutlich über 80, einzelne fast 90 Jahre alt.

Wie aber schaffen die das nur? Auf dem Fachtag „Demenz und Begegnung“ im Forum Mindelheim hat Judith Csokas mit ihren Senioren vorbeigeschaut. Seit gut 25 Jahren trifft sich die Gruppe des Roten Kreuzes jeden Montag um 14.30 Uhr in der Hospitalstiftung. Was sie dort tun, trägt ganz offensichtlich bei, fit im Kopf zu bleiben.

Das geht verblüffend einfach. Zum Beispiel mit Bewegungsspielen. Hebt Csokas ein rotes Kärtchen, halten sich alle die Augen zu. Bei einem grünen stehen sie auf und bei einem gelben fangen sie mit den Füßen zu trampeln an. Die Besucher der Tagung machten artig mit. All das regt nicht nur den Kreislauf an, es hilft auch, das Gedächtnis fit zu halten. Die Senioren durften sich über tosenden Applaus für ihren couragierten Auftritt freuen.

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Demenz ist längst zur Volkskrankheit geworden. Dennoch ist ein selbstbestimmtes Leben durchaus möglich, wie Stephan Vogt von der ehrenamtlichen Demenzhilfe unterstrich. Er stellte die betreute Wohngemeinschaft in Memmingerberg vor. In elf Zimmern leben demenzkranke Menschen zusammen. Überraschend dabei: die Türen sind immer offen. Das funktioniere, wenn sich die Gruppe gut abspricht und die Betroffenen gut unterstützt werden. Da spielten auch Ehrenamtliche eine wichtige Rolle. „Was kannst du noch?“ sei die entscheidende Frage, und nicht, was die Menschen nicht mehr beherrschten. So kochen die Mieter zusammen und pflegen auch sonst die Gemeinschaft, etwa am Esstisch.

Neben Memmingerberg gibt es in Woringen und seit Dezember auch in Erkheim solche Wohngruppen. Die Kosten liegen pro Mieter bei rund 1600 Euro, sagte Vogt. Das sei nicht mehr als in der stationären Pflege.

Dass sich Demenz nachweislich verlangsamen lässt, zeigte Liz Kapitel auf. Eine Studie aus Erlangen habe gezeigt, dass Bewegung, dass Fordern von Leistung den Kranken hilft. Spazierengehen oder tanzen - alles sei hilfreich. Sein Brot beim Frühstück könne jeder selber streichen. Auch Gemüse schneiden könnten Demenzkranke prima. Und auch beim Tischdecken könnten Demenzkranke gut eingesetzt werden, auch wenn vielleicht statt Messern nur Gabeln neben den Tellern landen. Aber irren sei menschlich. Wo also ist das Problem?

Betroffene Männer könne man mit einem Besuch im Baumarkt oder einem Blick unter die Motorhaube geistig fordern. Letztlich gehe es immer darum, das Vorhandene zu stärken. Dabei sei besonders wichtig, dass die Patienten miteinander redeten. Zum Beispiel beim gemeinsamen Spielen.

Der Fachtag war von der Koordinationsstelle für Seniorenangelegenheiten der Stadt Mindelheim organisiert worden. Mehrere Aussteller wie das Rote Kreuz oder die Malteser präsentierten ihre Leistungen für Ältere.

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