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Pfaffenhausen

22.02.2018

Was passiert da im Pfaffenhausener Moos?

Im Moor hinterlassen die Maschinen tiefe Spuren. Doch nach Auskunft des Experten werden diese auch bald wieder verschwunden sein. Der weiche Boden regeneriert sich selbst, sagt Jens Franke von Landschaftspflegeverband.
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Im Moor hinterlassen die Maschinen tiefe Spuren. Doch nach Auskunft des Experten werden diese auch bald wieder verschwunden sein. Der weiche Boden regeneriert sich selbst, sagt Jens Franke von Landschaftspflegeverband.
Bild: Gutmann

Schwere Maschinen sorgen für mehr Lebensraum. Wir erklären, was genau gemacht wird.

Im Naturschutzgebiet Pfaffenhauser Moos wird gearbeitet. Ein Traktor mit Anhänger und ein Bagger sind im Einsatz und hinterlassen Spuren im weichen Boden. Passanten waren deshalb verunsichert: Was geht hier vor sich? Die Mindelheimer Zeitung hat bei Jens Franke, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Unterallgäu nachgefragt, der für die Maßnahmen zuständig ist.

Herr Franke, was genau wird im Pfaffenhauser Moos gemacht?

Jens Franke: Im Sommer findet eine regelmäßige Mahd der Streuwiesen statt. Im Winter kümmern wir uns darum, die Gehölze in Schach zu halten.

Warum?

Franke: Die Gehölze müssen zurückgeschnitten werden, damit die wertvollen Wiesenlebensräume nicht zuwachsen und genug Licht bekommen. Das ist der gleiche Grund, den jeder aus seinem Garten kennt, wenn er dort die Sträucher und Hecken schneidet.

Wie lange wird die Maßnahme denn etwa dauern?

Franke: Genau kann man das nicht sagen, weil es auch vom Verlauf der Witterung in den nächsten Tagen abhängt. Wenn es so gut weiterläuft wie bisher, sollte es etwa noch eine Woche dauern.

In wieweit wird bei den Maßnahmen darauf geachtet, dass es sich um ein sensibles Naturschutzgebiet handelt, mit geschützten Pflanzen und Tieren?

Franke: Genau deshalb, weil es sich um ein Naturschutzgebiet mit anspruchsvollen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten handelt, werden die Pflegemaßnahmen durchgeführt. Wenn z. B. das dort wachsende, vom Aussterben bedrohte Zierliche Wollgras nicht mehr genügend Licht bekommt, weil es vom Schilf und Sträuchern überwuchert wird, wird es in dem Gebiet verschwinden. Im Gesamten geht es darüber hinaus darum, die Wiesenlandschaft nicht verbuschen zu lassen, weil anspruchsvolle Wiesenvögel wie Bekassine das Gebiet sonst nicht mehr nutzen könnten. Sie brauchen vor allem ungestörte Brut-, Rast- und Nahrungsplätze und freie Sicht. Deshalb werden wir auch in den nächsten Jahren Schritt für Schritt daran weiterarbeiten müssen, Sichtbarrieren im Zentrum des Gebietes klein zu halten. Es sollen nicht alle Gebüsche dort verschwinden, sondern ihre Lage soll sich auf lange Sicht eher in die Randbereiche verschieben. Dort bieten die Büsche Heckenbrütern gute Nistmöglichkeiten und schirmen das Naturschutzgebiet gegen äußeren Einflüssen ab.

Hatten die Arbeiter, die dort im Moos mit Traktor und Bagger unterwegs waren, besondere Anweisungen, inwieweit sie „vorsichtiger“ vorgehen sollten, weil sie sich in einem Naturschutzgebiet befinden?

Franke: Die Geräte, die im Einsatz sind, sind besondere schonende Modelle. Entscheidend ist der Bodendruck. Es gibt im Moor nie eine hundertprozentige Garantie, dass man nicht mal eine Fahrspur hinterlässt. Aber das ist nicht tragisch … wenn Sie einen Schwamm ausdrücken, dann saugt der sich von allein wieder voll. Die Auftragnehmer haben Erfahrung in Moorgebieten und kennen die Grenzen. Ich war regelmäßig dabei und was ich gesehen habe, war aus Sicht des Schutzgebietsmanagments alles okay. Ich wäre nicht zufrieden, wenn man nichts sehen würde von der Gehölzbeseitigung.

Was passiert mit den Zweigen und dem geschnittenen Holz, das momentan am Feldweg Richtung Schöneberg gelagert wird?

Franke: Das Holz wird später gehäckselt und liefert so einen regenerativen Brennstoff. Jetzt im Frühjahr zur Brutzeit wäre es wichtig, dass Spaziergänger ihre Hunde nah bei sich behalten und zum Beispiel auch keine Stöckchen für ihre Hunde in Wiesen und feuchte Äcker geworfen werden. Wir veranstalten übrigens auch jedes Jahr Führungen für die Bevölkerung im Pfaffenhausener Moos. Der nächste Termin steht schon fest. Die Führung findet am Mittwoch, 13. Juni, um 16 Uhr statt.

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