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Mindelheim

16.02.2021

Was tun, wenn die Intensivstation in Mindelheim voll ist?

Nach schweren Operationen müssen Patienten häufig auf die Intensivstation – doch nicht immer gibt es dort freie Betten. Gerade in Corona-Zeiten müssen sich benachbarte Kliniken gegenseitig aushelfen.

Plus In Zeiten von Corona spielt die Notfall-Kommunikation zwischen den Kliniken eine immer wichtigere Rolle. Wie es in Mindelheim und den Allgäuer Kliniken läuft.

„Betten, die längere Zeit frei sind, gibt es auf Intensivstationen nur sehr selten – Corona hin oder her“, sagt Prof. Dr. Lars Fischer, Chefarzt der operativen Intensivmedizin am Klinikum Memmingen. Die Pandemie verstärke den Druck zusätzlich. Um dennoch alle Patienten versorgen zu können, kommt es immer wieder vor, dass die Krankenhäuser in der Region sich gegenseitig aushelfen.

Der Ärztliche Direktor des Mindelheimer Klinikums, Dr. Manfred Nuscheler sagt, die regionale Zusammenarbeit auf medizinischer Ebene mit dem Klinikum Memmingen und den Partnerkliniken des Klinikverbunds Allgäu „funktioniert traditionell sehr gut“. Im Interesse akut erkrankter Patienten werde bei Engpässen ausgeholfen.

Intensivstationen sind Nadelöhre, sagt der Memminger Chefarzt

Memmingens Chefarzt Prof. Fischer sagt: „Intensivstationen sind Nadelöhre.“ In Memmingen sei dort jeden Morgen um sieben Uhr Visite. „Danach haben wir eine Idee davon, wie viele Notfallpatienten über Nacht dazu gekommen sind, wer auf eine Normalstation verlegt werden kann und wie viele Betten entsprechend frei sind oder frei werden“, erläutert der Arzt. Zudem werde überprüft, wie viele Patienten voraussichtlich neu dazu kommen. Exakt planbar sei das zwar nie. Aus dem Operationsplan der Klinik sei aber zumindest ersichtlich, wie viele Eingriffe stattfinden, nach denen der Patient mutmaßlich auf die Intensivstation muss. Nur: „Die Zahl der Betten, die frei werden, entspricht nicht immer der Zahl der Betten, die gebraucht werden.“

Lars Fischer ist Chefarzt im Memminger Krankenhaus.

Im Ernstfall müssten Operationen kurzfristig verschoben werden – sofern das medizinisch vertretbar sei. Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, werden die Patienten nach ihren Eingriffen, seien es Notfall- oder geplante Operationen, in nahe liegende Kliniken gebracht. Dafür müsse der Kreislauf der Betroffenen allerdings stabil genug sein. „Manchmal dient dann auch der Aufwachraum sozusagen als Puffer“, sagt Fischer. Auch Nuscheler unterstreicht, dass Patienten nur verlegt werden können, wenn ihr Zustand das auch zulässt.

Warum Corona-Patienten besondere Fälle sind

Um Bettenprobleme zu lösen, sei vor allem eines wichtig: Kommunikation. Hat ein Krankenhaus keine Kapazitäten mehr, werden normalerweise die Kliniken in der Region abtelefoniert, sagt Fischer. Die Corona-Krise habe den Druck auf die Intensivstationen jedoch verstärkt, das Vorgehen im Fall eines hohen Patientenaufkommens wurde entsprechend angepasst.

Denn: Ein Corona-Patient mit einem schweren Verlauf, der auf der Intensivstation betreut werden muss, bleibt laut Fischer im Schnitt mindestens 18 Tage dort – wesentlich länger als Menschen mit anderen Leiden. „Nicht nur bei uns, sondern in ganz Deutschland wurden dadurch die Betten knapp.“ Deswegen wurden für die Zeit der Corona-Pandemie sogenannte Steuerungsverbünde gegründet. Ein ärztlicher Leiter ist dabei jeweils für die Koordination der Patienten zuständig. Der Verbund Memmingen/Unterallgäu umfasst unter anderem das Klinikum Memmingen und die Kreiskliniken in Ottobeuren und Mindelheim. „Der ärztliche Leiter hat den Überblick darüber, wo wie viele Betten frei sind, und kann im Zweifel auch bestimmen, welcher Patient wo betreut wird“, sagt Fischer. Ist im eigenen Verbund kein Platz frei, setze sich der ärztliche Leiter mit den Verantwortlichen der nächstgelegenen Steuerungsverbünde in Verbindung: „Das ist zwar sehr aufwendig, aber das System funktioniert und hat sich bewährt.“

Manfred Nuscheler ist der Ärztliche Direktor des Mindelheimer Klinikums.

Manche Operationen werden inzwischen nachgeholt

Um die Kliniken in der Corona-Krise zu entlasten, durften monatelang keine Eingriffe stattfinden, die längere Zeit verschoben werden konnten. Die entsprechende Anordnung der Regierung von Schwaben wurde allerdings Ende Januar aufgehoben. Seither hat sich die Situation laut Fischer nicht weiter verschärft. „Nicht alle Eingriffe werden sofort nachgeholt, es wird trotz allem noch immer auf die vorhandenen Kapazitäten an den Kliniken geachtet.“ In Memmingen gibt es auf der operativen Intensivstation aktuell zehn Betten, auf der internistischen Intensivstation 14.

In Ottobeuren sind es sechs Intensivbetten, in Mindelheim acht. Derzeit sind die Arbeiten bereits angelaufen, um die Intensivstation in Mindelheim mit drei weiteren Betten auf elf vollausgestattete Intensivplätze zu erweitern. Mindelheims Ärztlicher Direktor Dr. Nuscheler: „Eine bauliche, technische und personelle Investition, die nicht nur in Zeiten einer Pandemie die Versorgungskapazität Schwerstkranker deutlich verbessert, stellen Intensivbetten und Intensivpflegekräfte in der rasanten Entwicklung der Medizin doch immer schon einen Engpass dar“. In Ottobeuren wird mit dem großen Neubau aller Klinik-Funktionsbereiche die Intensivkapazität mittelfristig von sechs auf neun Betten ausgebaut.

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