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Bad Wörishofen

08.02.2019

Was wird aus dem Erbe von Thermenkönig Josef Wund?

Josef Wund baute unter anderem die Therme in Bad Wörishofen. 2017 kam er bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Ravensburg ums Leben.
Bild: imago/7aktuell (Archiv)

Plus Ein Jahr nach dem Tod von Josef Wund gibt es immer noch keinen Erbschein für dessen Stiftung. Die Ermittlungen zur Ursache des Flugzeugabsturzes dauern an.

Josef Wund war der Bäderkönig Deutschlands. Die Therme Bad Wörishofen und die Therme in Erding waren und sind wegweisend in der Republik. Wund starb im Dezember 2017 bei einem Flugzeugabsturz. Wer sein Vermögen erbt, wie es mit geplanten Großprojekten weitergeht, das alles ist jedoch bis heute nicht geklärt. Dies bestätigte Jörg Wund, der Sohn des Architekten, gegenüber unserer Redaktion.

Weiterhin nicht geklärt ist außerdem, warum das Flugzeug abstürzte, in dem neben dem damals 79 Jahre alten Wund auch der Pilot und der Co-Pilot starben. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Ravensburg unserer Redaktion mit. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, berichtet Christine Weiss, die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft. „Es wird noch einige Zeit dauern, bis die polizeilichen Akten vorgelegt werden.“

Josef Wund starb 2017 bei einem Flugzeugabsturz

Josef Wund war am 14. Dezember 2017 als Passagier einer Cessna C 510 auf dem Weg an den Bodensee. Die Maschine war nach Angaben der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) um 17.43 Uhr in Egelsbach gestartet. Bei dem Flugzeug handelte es sich um ein Flug-Taxi, das einer Firma aus Österreich gehörte. Die Maschine stürzte beim Anflug auf Friedrichshafen bei Waldburg in ein Waldstück.

Am 14. Dezember 2017 stürzte eine Cessna mit Josef Wund an Bord in ein Waldstück bei Ravensburg.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)

Um 18.23 Uhr hatte der Flughafen Zürich zum letzten Mal Funkkontakt mit der Maschine. Auf weitere Anrufe habe die Besatzung nicht mehr reagiert, berichtet die BFU. Etwa eine Minute später stürzte die Cessna in den Wald. Zur genauen Absturzursache könne man weiterhin keine Angaben machen, sagte BFU-Sprecher Germout Freitag gegenüber unserer Redaktion. Die Untersuchungen seien allerdings weit fortgeschritten. Man gehe deshalb davon aus, dass heuer ein Abschlussbericht vorgelegt werden kann, sagt Freitag.

Die Wund-Stiftung hält sich zur Erbsache bedeckt

In welchem Tempo es indes in der Erbsache weitergeht, ist nicht zu sagen. „Zum laufenden Erbscheinsverfahren erteilt die Josef Wund Stiftung keine Auskünfte“, teilte Christoph Palm mit. Der einstige Oberbürgermeister von Fellbach wurde von Josef Wund noch zu dessen Lebzeiten als Geschäftsführer der Stiftung mit Sitz in Stuttgart berufen. „Die Stiftung geht, wie die Familie Wund, nach wie vor davon aus, dass der Wille des Erblassers, seine Stiftung zur Alleinerbin zu machen, Rechtswirksamkeit erlangen wird.“ Auf der Internetseite der Stiftung ist zu lesen, dass Wund „auf diesem Weg seine Unternehmensnachfolge regeln und die Allgemeinheit an seinem wirtschaftlichen Erfolg teilhaben“ lassen wollte. Die Stiftung fördert Projekte aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kreativität.

Wann Rechtssicherheit besteht, vermag auch Jörg Wund nicht zu sagen. „Wir Erben haben uns geeinigt“, sagt Wund. „Wir hoffen nun, dass das Nachlassgericht bald die Josef Wund Stiftung als Alleinerbin einsetzt.“ Die Thermen in Bad Wörishofen und Erding nehmen bei alledem eine Sondersituation ein. Hier erfolgte der Übergang auf die nächste Generation nämlich schon im Jahr 2016. Jörg Wund ist Hauptgesellschafter und zudem Chef in Erding und Bad Wörishofen, wie er unserer Redaktion sagte. Der größte Teil des Nachlasses von Josef Wund soll aber in die Stiftung fließen. Dass sich auch seine Schwester künftig in erster Reihe für das Unternehmen engagieren werde, sei ausgemacht, sagte Jörg Wund bereits im vergangenen April. Sie werde sich um das Badeparadies Schwarzwald in Titisee-Neustadt kümmern, wo er selbst kein Gesellschafter sei.

Bad Wörishofen war das zweite Bad der Wund-Gruppe

Dass sich die Erbangelegenheit so lange hinzieht, hat einen Grund in der begonnenen Reform der Notariate im Bundesland Baden-Württemberg, wo die Wund-Gruppe ihren Hauptsitz hat. Seit einem Jahr sind nun die Amtsgerichte zuständig, die eine Menge Fälle übernehmen mussten. Der Südkurier zitiert zudem den zuständigen Gerichtssprecher in Tettnang, wonach die Erbberechtigung der Stiftung nicht ausreichend dargelegt sei. Das Gericht hat hier noch Klärungsbedarf. Wie die Zeitung weiter berichtet, hatte Wund zu Lebzeiten 55 Firmen gegründet.

Bild: Ulrich Wagner

Bekanntlich wurde zwischenzeitlich das Architekturbüro in Friedrichshafen geschlossen. In einer anderen Firma gab es jüngst Bewegung: Die JW TV-Vermögensverwaltung GmbH Friedrichshafen hat neue Geschäftsführer, Peter Baumeister und Günter Renz. Das geht aus dem Handelsregister hervor. Ausdrücklich ist diese GmbH auch berechtigt, als Testamentsvollstreckerin tätig zu werden, wie im Handelsregister nachzulesen ist.

Erding war das erste Bad der Unternehmensgruppe Wund, Bad Wörishofen folgte, dann das Badeparadies Schwarzwald, die Badewelt Sinsheim und die Badewelt Euskirchen. Josef Wund war auch der Erbauer des Deutschen Pavillons der Weltausstellung Expo 2000. Was aus den Plänen wird, das Bad in Sinsheim auf das Vierfache der Größe auszubauen und ein neues Großbad der Wund Gruppe in Frankfurt-Bad Vilbel zu bauen, ist unklar. Insgesamt geht es hier um 700 Millionen Euro.

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