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Unterallgäu

20.07.2020

Welche Zukunft hat die Landwirtschaft im Allgäu?

Wie steht es um die Landwirtschaft im Allgäu?
Bild: Matthias Becker

Plus Jungbauern haben auf Einladung der Landwirtschaftsministerin darüber beraten, wie es mit ihrem Berufsstand weitergehen soll. Von unsinnigen Vorschriften und fairem Wettbewerb. Was eine spezielle App leisten soll.

Tierskandale, der Preisdruck im Einzelhandel haufenweise Regeln und Vorgaben, gerade erst die Hiobsbotschaft von der geplanten Schließung der Landwirtschaftsschule in Mindelheim 2022: Für Bauern ist die Lage derzeit nicht einfach. Wie die Landwirtschaft dennoch zukunftsfähig bleiben kann, darüber haben sich 37 junge Bauern aus ganz Bayern beraten, darunter auch Vertreter aus dem Allgäu.

Peter Schöllhorn

Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber ( CSU) hatte die Kommission einberufen. Im Mai 2019 nahm das Gremium seine Arbeit auf, jetzt hat es den Abschlussbericht vorgestellt. Bei den Beratungen saß auch Peter Schöllhorn aus dem Oberallgäuer Betzigau am Tisch. Er ist zuversichtlich, dass die Forderungen der Junglandwirte Gehör finden.

Ein 25-jähriger Landwirt würde den Hof gerne für die nächste Generation erhalten

Schöllhorn ist 25 Jahre alt und leitet einen Betrieb mit Weidemastrindern im Nebenerwerb. Sein Wunsch ist es, dass die nächste Generation den Hof weiterführen kann – vielleicht sogar im Vollerwerb. Die Vorschläge, die das Gremium erarbeitet hat, könnten dabei helfen, sagt der Oberallgäuer. In die Kommission kam er über sein Engagement im Arbeitskreis „Landwirtschaft, Ökologie, Verbraucherschutz und Energie“ der katholischen Landjugend. Regelmäßig haben sich die Junglandwirte getroffen, oft auch über mehrere Tage. Am Ende steht ein 20-seitiger Bericht mit zahlreichen Forderungen.

Für Schöllhorn und die anderen besonders wichtig sind praktikable und verlässliche Rahmenbedingungen. „Widersprüchliche Regelungen und Vorschriften, die Landwirte, Bauunternehmen und Behörden vor Rätsel stellen, wie zum Beispiel beim Bau von Güllegruben, darf es in Zukunft nicht mehr geben“, sagt der Oberallgäuer. Ebenfalls ganz oben auf der Liste der Forderungen steht ein fairer Wettbewerb. „Wir sind bereit, hohe Standards einzuhalten. Aber es kann nicht sein, dass Produkte auf den Markt kommen, die im Ausland mit schlechteren Standards erzeugt wurden und dann auch noch gleich behandelt werden“, moniert Schöllhorn.

Junglandwirte schlagen ein Bonussystem für Regionalprodukte vor

In ihrem Bericht schlagen die Junglandwirte nicht zuletzt deshalb ein Bonussystem für Regionalprodukte vor. Es soll ähnlich wie das bekannte Payback-Bonusprogramm funktionieren und zusammen mit dem Lebensmittel-Einzelhandel eingeführt werden.

Weitere Forderungen in dem Bericht sind beispielsweise die Begrenzung der Schlachttier-Transporte auf maximal 400 Kilometer, die Einführung eines Netzes an Experimentierbetrieben und die Entwicklung einer Beratungs-App mit fachlichen Informationen, Veranstaltungsdaten und Entscheidungshilfen, abgestimmt auf die jeweilige Ausrichtung des Betriebs.

Einig waren sich die Junglandwirte bei den Treffen nicht immer, mitunter wurde hitzig diskutiert, sagt Schöllhorn. Beispielsweise, als es darum ging, ob Betriebe ab einer bestimmten Größe keine Direktzahlungen mehr bekommen sollten. „Die Kommissionsteilnehmer aus großen Betrieben waren dagegen, die aus kleinen dafür.“ Eine Lösung gab es am Ende nicht.

Dennoch sei Landwirtschaftsministerin Kaniber von dem „Ideenfeuerwerk“ begeistert gewesen, sagte ein Sprecher des Ministeriums gegenüber unserer Zeitung. „Sie hat eine intensive Prüfung des Berichts in Auftrag gegeben.“ Es werde nun abgeklärt, welche Forderungen umgesetzt werden können. Einen Zeitrahmen gebe es nicht. „Manches kann Bayern nicht allein entscheiden.“

Das weiß auch Andreas Schießl. Der Oberostendorfer war ebenfalls Teil der Kommission, konnte aber nicht an allen Treffen teilnehmen, weil er seinen Betrieb im Haupterwerb leitet. Der Ostallgäuer hält beispielsweise einheitliche EU-Standards für wichtig, aber auch für „fast unmöglich“. Zumindest würde deren Einführung sehr lange dauern, sagt Schießl. Auch manche der anderen Forderungen könne die Politik nicht alleine erfüllen. „Vieles liegt am Lebensmittelhandel“, sagt Schießl. Dennoch findet er es gut, dass die Junglandwirte ihre Meinung äußern konnten. Die Bauern hoffen jetzt, dass möglichst viele ihrer Forderungen und Ideen berücksichtigt werden. „Wenn uns zu wenig vorwärts geht, werden wir der Ministerin einen Brief schreiben“, sagt der Oberallgäuer Schöllhorn.

Wie es um die Landwirtschaftsschule in Mindelheim steht, lesen Sie hier:

Landwirtschaftsschule: Landrat Eder kämpft für die Bauern

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