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Zwischenzeugnis

13.02.2015

Weniger Text, mehr Gespräch

Der Zeugnistag ist immer ein ganz besonderer Tag für Kinder und Eltern. Damit immer weniger „böse Überraschungen“ für Kummer sorgen, hat die Türkheimer Grundschule ein etwas anderes Zwischenzeugnis getestet.

Wie Türkheimer Grundschullehrer eine noch engere Kooperation mit Schülern und Eltern aufbauen

Heute ist Zwischenzeugnistag – kein ganz stressfreier Tag für Schüler und Eltern. Die verbalen Beurteilungen der Schüler seitens der Lehrkräfte werden von Eltern oft nicht richtig verstanden oder fehlinterpretiert. Deshalb hat das Kollegium der Grundschule Türkheim bereits zu Beginn des Schuljahres 2009/2010 beschlossen, für Abhilfe zu sorgen. Die Zwischenzeugnisse sollten dahingehend verändert werden, dass mehr Zeit für Gespräche bleibt und weniger Zeit in das aufwendige Formulieren von Zeugnistexten investiert wird.

Ein eigenes Zwischenzeugniskonzept wurde entwickelt. Als Modus-Schule (ausgezeichnete Schulen, die vom Ministerium die Erlaubnis haben, neue innovative Prozesse auszuprobieren) war dies möglich. Der Elternbeirat hat dies auch begrüßt.

So werden zum Beispiel bereits im Herbst (November/Dezember) Entwicklungsgespräche mit Eltern anstelle des allgemeinen Elternsprechtages geführt. Die Lehrkraft macht davon individuelle Aufzeichnungen. Bei Bedarf werden zwischen Lehrkraft und Eltern Vereinbarungen getroffen, um den Lernweg des Kindes positiv zu beeinflussen (zum Beispiel regelmäßige Leseübungen zuhause, regelmäßiges Kontrollieren des Hausaufgabenheftes, Beschränkung der Hausaufgabenzeit bei Überforderung …). Diese Vereinbarungen werden schriftlich festgehalten und von Lehrer und Eltern unterschrieben. Auch das Zwischenzeugnis setzt ein Gespräch voraus.

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Ein ganz wichtiger Punkt sei aber laut der Schulleiterin Hildegard Ohlmann zudem, dass alle Schüler ein Zwischenzeugnis erhielten, das keine individuellen Zeugnistexte mehr enthielte, sondern die Lehrerin ein Kind standardisiert durch das Ankreuzen auf einer Skala von fünf Wertestufen beurteilt. In den darauf folgenden drei Wochen seien die Lehrkräfte angehalten bei Bedarf Eltern zu einem weiteren Gespräch einzuladen. Aber auch die Eltern könnten den Wunsch für ein Gespräch äußern. Bei diesem Zeugnisgespräch werde dann konkret über die Leistung des Kindes gesprochen, die getroffenen Vereinbarungen reflektiert und eventuell neue oder angepasste Vereinbarungen getroffen.

Das Konzept an der Grundschule Türkheim wird durch ein sogenanntes „Dokumentierte Lernentwicklungsgespräch“ in den Flexiblen Grundschulklassen noch ergänzt. Dort bekommen die Kinder im Laufe des Februars auch einen Selbsteinschätzungsbogen. Dieser Bogen sieht fast identisch aus wie das Zwischenzeugnis, nur beginnen alle Sätze mit „Ich kann …“ oder „Ich erledige …“ und Ähnliches. Diese Einschätzung können die Schüler zusammen mit ihren Eltern zuhause auch mit dem Ankreuzen einer Wertungsskala vornehmen. Rund eine Woche später kommen die Kinder mit ihren Eltern zu einem Lernentwicklungsgespräch mit der Klassenlehrkraft zusammen. Diese hat den selben Schriftbogen analog mit den Sätzen „Du kannst …“, „Du erledigst …“ ausgefüllt. Das Gespräch führen dann Lehrerin und Kind, die Eltern nehmen eher eine beobachtende Rolle ein, können sich bei Bedarf aber auch in das Gespräch einschalten. „Bei dem Gespräch werden vor allem die Punkte angesprochen, bei denen die Werte der Selbsteinschätzung der Kinder und der Fremdeinschätzung durch die Lehrkraft differieren“, erklärt Ohlmann. Gemeinsam treffe man dann Zielvereinbarungen für das zweite Halbjahr und halte diese schriftlich fest.

Durchweg positive Erfahrungen gesammelt

„Den großen Vorteil der neuen Konzepte sehen wir darin, dass in der direkten Kommunikation und in der engen Zusammenarbeit mit den Eltern viel nachhaltiger die Lernentwicklung der Kinder begleitet werden kann. Zudem können Missverständnisse zwischen Eltern und Lehrern aufgehoben werden oder besser sie entstehen erst mal gar nicht. Das Kind steht mit seinem Lernen, seiner Motivation und seinen Fähigkeiten viel mehr im Zentrum“, bilanziert Ohlmann.

Durch die neuesten Entwicklungen, dass Kinder sich im Vorfeld auch selber einschätzen dürfen (müssen), erwerben sie laut Ohlmann zudem eine ganz wichtige Kompetenz – sich über das eigene Tun und Arbeiten selber reflektieren zu können.

Deshalb freut es Hildegard Ohlmann nun auch, dass seit diesem Schuljahr die Umstellung des normalen Zwischenzeugnisses auf ein „Dokumentiertes Lernentwicklungsgespräch“ für alle Grundschulen erlaubt ist.

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