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Konzert

29.06.2011

Wenn Musiker und Instrument eins werden

Sie wurden beim Konzert in der Klangwerkstatt fast eins: Sixto Corbalán und seine paraguayanische Harfe.
Bild: Foto: Maria Schmid

Sixto Corbalán, Harfenist aus Paraguay, begeistert die Zuhörer in der Klangwerkstatt in Markt Wald

Markt Wald Bei dem diesjährigen vierten Werkstattkonzert in der Klangwerkstatt Markt Wald konnten sich die Konzertbesucher die Frage stellen: Ist es die Magie der „Arpa paraguayana“? Oder ist es Sixto Corbalán, der 27-jährige Harfenist aus Paraguay, der diesen unglaublichen Zauber seiner Harfe entlockt und damit die Gäste entzückt?

Die von dem Spiel ausgehende Faszination zog das Publikum sofort in ihren Bann. Es schien durch die Perfektion und Schnelligkeit der Finger den Atem anzuhalten. Die Werkstatt hatte sich in einen Konzertraum verwandelt und es roch angenehm nach Holz. Doch als der „junge Wilde der lokalen Harfenszene“ aus Paraguay die ersten Saiten anzupfte, waren die meisten nur noch in sein Spiel vertieft.

Sixto Tadeo Corbalán Sanabria entführte in ungeahnte Gefilde der Harfenmusik. Das Publikum hörte nicht nur gewohnt südamerikanische Rhythmen, sondern das Feuer und die Melancholie, Klangfarben voller Intensität, voller Dramatik. Corbalán entführte Jung und Alt in eine neue Literatur für dieses königliche Instrument. Da gab es Tango, Bossa nova, Jazz und Country-Töne ebenso zu hören wie Rock’n Roll. Corbalán erzählte von „The Mother’s Love“, von wilden „Kaskaden“ rauschenden Wassern und brachte „Souvenirs“ aus Paraguay mit.

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Das Lächeln schien sich bei den Besuchern bei „Laras Theme“ aus Dr. Schiwago, „El cóndor pasa“, „Yesterday“, dem „Jailhouse Rock“ oder dem Country-Song „Sweet, Sweet, Smile“ zu vermehren.

Wie zu einem Klangkörper zusammengeschweißt

Wer hat noch das Anfahren und Schnaufen einer Dampflok in Erinnerung? Nun, Sixto Corbalán brachte sie so richtig in Fahrt und das alles mit und auf seiner Harfe. Er stand und spielte, ganz in sich und seine Musik versunken. Der Harfe hatte er „Stelzen“ verpasst. Sie lehnte an seiner rechten Schulter. Dabei spürte er sie und ihren Klang ganz besonders. Der Rhythmus und die Melodien schweißten sie zusammen zu einem Klangkörper.

André Schubert sagte zur Begrüßung, Sixto Corbalán sei im letzten Jahr zum Musikantenstammtisch gekommen und habe einige selbst komponierte Stücke vorgetragen. Mit Hilfe der beiden Halbtonschlüssel an seiner linken Hand erzeugte er chromatische Tonfolgen, die auf seinem Instrument bis dahin als nicht spielbar galten. Er wurde spontan zu diesem Konzert in die Werkstatt eingeladen und hat es nun wahr gemacht. Beim „roots folk world music“-Festival in Rudolstadt Ende Juni wird er ebenfalls im Bühnenprogramm der „Ruth“-Preisverleihung 2011 zum 10-jährigen Bestehen spielen.

Aber Sixto Corbalán ist nicht nur ein ausgezeichneter Harfenist sondern auch Komponist. Dabei betonte er immer wieder auch die großen Talente seines Bruders Juan Jorge Corbalán Sanabria. Gemeinsam sind sie die „Hermanos Corbalán“. Er wirkte beim wohlverdienten Applaus und Bravo-Rufen bescheiden und ein wenig verlegen – doch seine schwarzen Augen strahlten vor Freude. Zwar war die Begrüßung auf deutsch, lieber sei ihm jedoch Englisch, denn seine beiden Heimatsprachen, Spanisch und die Ursprache Guarani, könnten die Gäste nicht verstehen. Doch Sixto Corbalán brauchte nicht viele Worte, er sprach mit den Saiten seiner Harfe und die versteht jeder.

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