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Orgelwanderung

28.05.2015

Wenn Pfeifen Geschichten erzählen

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2 Bilder
Zwei Stationen der Orgelwanderung im Bild. Links ist die mechanische Truhenorgel von 2010 von OBM Dieter Schingnitz zu sehen. Im eigenen Stadel präsentierte Franz Eimansberger den Gästen seine elektropneumatische Walcker-Orgel aus dem Jahre 1955.

Franz Eimansberger führt Interessierte zu fünf Standorten in Türkheim

Die vom Türkheimer Organisten Franz Eimansberger angebotene „Orgelwanderung“ entlang der Maximilian-Philipp-Straße war für die Teilnehmer ein ganz besonderes Erlebnis. Er zeigte nicht nur die angekündigten vier Orgeln in der Kapuzinerkirche, der Pfarrkirche und in seinem Stadel, sondern erzählte auch von einer fünften, besser gesagt, einem Harmonium, das wahrscheinlich aus der spätgotischen Zeit um 1880 stammt. Auf diesem zweimanualigen Harmonium mit Pedalen wird zu bestimmten Anlässen in der Loreto-Kapelle gespielt. Es sollte nach dem Verkauf eines Hauses in Mindelheim, in dem es in der Garage stand, zerstört werden. Als Franz Eimansberger davon erfuhr und niemand das edle Instrument haben wollte, holte der Organist das Harmonium nach Türkheim. Nun steht es in der Loreto-Kapelle und darf weiterhin zur Ehre der Gottesmutter klingen.

Und die anderen Orgeln? Die pneumatische Hindelang-Orgel in der Kapuzinerkirche ist aus dem Jahr 1906. Sie hat zwölf klingende Register und Nebenregister. Auf ihr spielte Eimansberger Werke aus dem Barock wie die „Canzona C-Dur“ von Johann Caspar Kerll (1627-1693), die „Toccata F-Dur“ von dessen Schüler Franz Xaver Murschhauser (1668-1738) und „Jesu bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach (1685-1750). Das „Ave Maria“ von Alexandre Guilmant (1837-1911) passe jedoch besser zu dieser romantischen Orgel, ein Werk voller Sanftheit und zarten Klangbildern.

Bevor die Wanderung zur Pfarrkirche Maria Himmelfahrt weiterging, machte die Gruppe einen Zwischenstopp im Stadel von Franz und Ingrid Eimansberger. Eine große Orgel in einem Stadel? Das ist eine ganz besondere Geschichte. 1999 sollte die elektropneumatische Walcker-Orgel von 1955 mit elf klingenden Registern und Nebenregistern der Gustav-Werner-Kirche in Stuttgart verschrottet werden. Das durfte nach Ansicht von Eimansberger nicht geschehen. Er bot den Abbruchleuten zusätzlichen Lohn, wenn sie nichts beschädigen und keine Kabel kappen würden. Mit seinem Schwager und einem Lkw fuhr er nach Stuttgart, lud die unzähligen Teile auf und fuhr nach Türkheim zurück. Im Dach des Stadels, dem „Musikantenhof“, hat diese Orgel einen wunderbaren Platz gefunden, nicht nur zur Freude der Familie Eimansberger, sondern auch zur großen Freude der Gäste.

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Hier erläuterte der Organist auch den Unterschied zwischen einer pneumatischen und dieser elektropneumatischen Orgel. Außerdem war es für das Publikum ein einmaliges Erlebnis. Denn wann können sie die „Beinarbeit“ mit den Pedalen eines Organisten beim Spielen des Instrumentes sonst sehen?

Er ist ja sonst immer oben auf der Orgelempore und die Töne der vielen hundert Orgelpfeifen schwingen sich in den Kirchenraum hinab. Hier spielte Eimansberger das „Praeludium und Fuge e-moll“ von Nicolaus Bruhns (1665-1697) und das „Praeludium und Fuge G-Dur, BWV 541“ von Johann Sebastian Bach. In der Pfarrkirche stand im Chor eine mechanische Truhenorgel von 2010 von OBM Dieter Schingnitz aus Privatbesitz mit fünf Registern und geteilten Schleifen. Bei der „Fuge C-Dur“ von Johann Pachelbel (1653-1705) und dem „Ave Maria klare“ von Johann Kaspar Ferdinand Fischer (1670-1746) konnte der Unterschied zu einer großen Orgel klar erkannt werden.

Der Höhepunkt der Wanderung war schließlich die mechanische Schingnitz-Orgel von 1999 mit ihren 30 klingenden Registern und Nebenregistern. Einige der Gäste gingen mit auf die Orgelempore, um dieses Meisterwerk ganz aus der Nähe betrachten und Franz Eimansberger beim Spiel sehen zu können.

Er spielte „Drei Stücke für Harpischord“ von Jeremiah Clarke (1659-1707) und das „Basse et Dessus de Trompette“ von Luis-Nicolas Clérambault (1676-1749). Die Krönung war schließlich die „Toccata et Fuga d-moll, BWV 565“ von Johann Sebastian Bach. Der wohlklingende, kräftige Applaus der begeisterten Zuhörer war mehr als verdient. (sid)

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