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Schule

09.11.2018

Wenn Realität und Wahn verschwimmen

In den einzelnen Therapiesitzungen treffen die unterschiedlichsten Charaktere aufeinander. Das Foto zeigt (von links): Luca Eidloth, Jacob Melder, Lara Schuster, Johanna Lein und Laura Ziegler.
Bild: Christine Michalka-Marahrens

Theater-AG des Türkheimer Gymnasiums führt „Alice im Anderland“ von Stefan Altherr auf. Warum dabei bei allen Beteiligten auch etwas Wehmut mitspielte

Ganz nach dem Motto „Alice im Wunderland? Das ist doch ein alter Hut!“ nahmen die jungen Schauspieler der Theater-AG des Joseph-Bernhart-Gymnasiums die zahlreichen Zuschauer an zwei Theaterabenden mit in eine seltsame, teilweise sogar verstörende Welt.

Zwar zeigten sich einige Parallelen zum Originaltext, doch hatte die Inszenierung relativ wenig mit der heilen Welt, die vielen noch aus dem Buch oder Disney-Film bekannt ist, gemeinsam.

So setzt die Handlung des Stücks erst nach den Erlebnissen von Alice im Wunderland ein: Ihre Eltern sind bei einem Brand ums Leben gekommen, woraufhin Alice (Franziska Röthel) in die Nervenheil Ramstein-Miesenbach eingeliefert worden ist und dort von mehr oder weniger engagiertem Fachpersonal (Simone Sirch, Maren Stärk, Jasmin Xu, Duy Nugyen) betreut wird.

Immer dabei ist natürlich auch die Grinsekatze (Adrian Rögele), mit welcher die medikamentenabhängige Alice in einer Welt zwischen Fantasie und Realität auch auf ihre Gefährten aus dem Wunderland trifft – allerdings in einer ganz anderen Form.

Der Hutmacher (Jacob Melder) leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, die Herzogin (Johanna Lein) entpuppt sich als Kindsmörderin, die Köchin (Laura Ziegler) fungiert als Tratschmaul, die Raupe (Lara Schuster) ist ein tiefentspannter Hippie geworden und das Kaninchen (Luca Eidloth) leidet unter Verfolgungswahn. Und als wäre das alles noch nicht genug, muss Alice gegen das Terrorregime der Herzkönigin (Sarah Hof) und des Herzbuben (Jonas Reif) ankämpfen, wobei nicht immer klar ist, was eigentlich noch real ist und was sich nur in ihrem Kopf abspielt.

Das Besondere ist: Die Schülerinnen und Schüler haben sich das Stück von Stefan Altherr selbst ausgesucht und die Rollen eigenständig verteilt.

Neben einem wöchentlichen Probentermin in der Schule trafen sie sich zusätzlich immer wieder auch privat, um an ihrem Stück zu feilen, das Bühnenbild zu besprechen und die Kostüme für die Aufführungen auszusuchen.

Und so entführten sie die Zuschauer in eine „andere“ Welt zwischen Lachen und Weinen, bei welcher sich die (wahn)witzigen und todernsten Inhalte ständig abwechselten.

Am Ende wurde das junge Ensemble, welches aus Schülerinnen und Schülern der Q11 und Q12 des Gymnasiums bestand, mit tosendem Applaus für die harte Arbeit des vergangenen Jahres belohnt.

Doch auch ein bisschen Wehmut lag in der Luft, denn für alle Beteiligten war es leider das letzte Theaterstück ihrer Schullaufbahn.

Weitere Mitwirkende waren Gerrit Liebel, Marc Linder, Johanna Mayr, Lisa Neumann, Lisa Schmid, Florian Schmidt und Franziska Thalmeir. (mz)

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