Newsticker

München hebt Maskenpflicht auf und lockert Kontaktbeschränkungen
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Wenn andere über das eigene Leben bestimmen müssen

29.06.2009

Wenn andere über das eigene Leben bestimmen müssen

Bad Wörishofen Das Thema Patientenverfügungen oder andere mögliche Regelungen für die Gestaltung des letzten Lebensabschnittes beschäftigt die Menschen ja seit geraumer Zeit viel intensiver als dies früher der Fall war. Durch die neue Gesetzesregelung, die kürzlich in Kraft getreten ist und die vor allem den persönlichen Willen noch stärker in den Vordergrund gestellt hat, wurde das Thema erneut in den Fokus gerückt. Wenn sich dieses Themas dann noch zwei Medienprofis wie Fernsehpfarrer Jürgen Fliege und sein Partner, Rechtsanwalt Professor Dr. Volker Thieler, annehmen, dann strömen die Menschen offensichtlich in Massen. So geschehen bei der Veranstaltung im Tagungszentrum Inspira des Steigenberger-Hotels in der Kneippstadt. Wohl um die 400 Menschen hatten sich eingefunden und den ohnehin großen Saal bis hinaus auf den Gang besetzt.

Veranstalter zum Thema Patientenverfügung war die Kestler- Häusler-Stiftung. Deren Vorsitzender Dr. Thieler ist auch eng mit dem Kneippstädter Krafthandverlag verbunden. Dieser war deshalb auch Mitinitiator des Themas.

Während Pfarrer Fliege die Problematik des würdigen Abschieds von der Lebensbühne vor allem von der menschlichen Seite betrachtete, war Thieler für die juristischen Voraussetzungen zuständig. Flieges Credo war schnell klar: Wenn auch der letzte Abschnitt einer Lebensreise würdig sein soll, dann sind dazu Menschen notwendig, die einen lieben und denen ganz und gar vertraut werden kann. Die müsste es eigentlich in jedem Fall geben, so Fliege.

Die Hälfte der Besucher noch "ohne"

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Bei seiner Frage in den Saal, wer von den Anwesenden bereits eine Patientenverfügung oder ein Testament verfasst habe, stellte sich heraus, dass erst etwa die Hälfte sich dieser beiden Themen ernsthaft angenommen hatte. Für Fliege ein überraschendes Ergebnis mit der Konsequenz, dass hier durchaus Aufklärung angebracht sei.

Dass sich dieses Befassen heute kaum noch ohne rechtlich abgesicherte Begleitung erledigen lässt, dahingehend appellierte der Jurist Volker Thieler. Hilflos und zum Betreuungsfall werden könne man schließlich nicht erst im Alter, sondern durch besondere Umstände, wie beispielsweise einen Unfall, früher. Deshalb forderte er die Anwesenden fast schon auf, bereits frühzeitig eine Vorsorgevollmacht für eine oder mehrere nahestehende Personen auszustellen, die jedoch ab sofort Gültigkeit haben müsse und die auch Patientenverfügungen überflüssig mache.

Das neue Gesetz mache dies noch notwendiger, denn immerhin stünden bereits jetzt 1,2 Millionen Bürger in Deutschland unter gesetzlicher Betreuung. Dass genau dies viele nicht wollen, wurde aus Beiträgen aus dem Publikum mit negativen Erfahrungen deutlich. Aber auch mit der sofort greifenden Vorsorgevollmacht, die laut Volker Thieler bis in weitreichende Details der ärztlichen Behandlung, des Vermögens und des Aufenthaltsortes eingreifen und juristisch abgesichert sein müsse, konnten sich etliche Anwesende nicht recht anfreunden. Volker Thieler vertrat diese Meinung jedoch vehement als einzig Richtige - im Anschluss an die Veranstaltung wurden entsprechende Vorlagen solcher Verfügungen für 20 Euro angeboten.

"Vielleicht sollten wir damit auf Tournee gehen"

Pfarrer Fliege war am Ende zufrieden: "Zunächst einmal war ich überwältigt von der Resonanz auf unser Angebot", sagte er unserer Zeitung nach der Veranstaltung. "Es zeigt mir, dass es notwendig ist, noch mehr Informationen unter die Menschen zu bringen. Vielleicht sollten wir damit sogar auf Tournee gehen."

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren