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Brauchtum im Unterallgäu

15.08.2016

Wenn auch das Vieh geweihte Kräuter bekommt

Aus Heil-, Nähr- und Zierpflanzen werden zum „großen Frauentag“ prächtige Sträuße gebunden, die dann in der Kirche geweiht werden.
Bild: Josef Hölzle

Maria Himmelfahrt ist für Gläubige der „große Frauentag“. Dann steht für viele die Heilkraft der Kräuter im Mittelpunkt.

Am 15. August begehen die Katholiken das Fest „Mariä Himmelfahrt“. Es ist ein Feiertag, in dessen Mittelpunkt die kirchliche Kräuterweihe steht. Die 30 Tage danach nennt man „Frauendreissigst“. In dieser Zeit soll es nach dem alten Volksglauben recht wundersame Zeichen geben.

Mit dem Fest erinnert die Kirche an die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Tag gilt schon immer als „Krone der Muttergottesfeste“ und wird deshalb auch „Großer Frauentag“ genannt.

Brauchtum am Feiertag: Schutz vor Blitzschlag, Feuer und anderem Übel

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Nach altem Brauch werden Heil- und Nährpflanzen zu Büscheln gebunden und in der Kirche geweiht. Im Unterallgäu nennt man diese Kräuterbuschen „Weihsang“. Mit der Segnung, so schreibt ein altes Kirchenbuch, soll Maria verherrlicht werden. Es werde dabei aber auch „um Gesundheit des Leibes und der Seele für jene Gläubigen gebetet, welche von diesen Kräutern in frommer Gesinnung Gebrauch machen“. Von der Weihsang und den geweihten Kräutern versprachen sich die Menschen einst besondere Kräfte.

Im Glauben an die Kraft der gesegneten Kräuter wurden die Buschen im Dachboden aufgehängt oder sie zierten den Herrgottswinkel in der Stube. Die geweihten Pflanzen sollten das Haus vor Blitzschlag, Feuer und anderem Übel schützen. Bei Gewittern streute die Bäuerin deshalb auch ein paar geweihte Kräuter ins Herdfeuer. Zum Schutz vor Krankheiten im Stall mischten die Bauern geweihte Kräuter dem Viehfutter bei.

Mariä Himmelfahrt: Glaube und Aberglaube liegen nah beieinander

Mit dem Fest Maria Himmelfahrt beginnt auch eine besonders geheimnisvolle 30-tägige Zeit. Man nennt sie den „Frauendreißigst“. Glaube und Aberglaube kommen sich hier sehr nahe und bildeten im Laufe der Zeit manch übernatürliche Erwartungen. So glaubte man, dass die Kräuter während des „Frauendreißigst“ besondere Segens- und Abwehrkräfte entfalten und auch ihr Gift verlieren.

„Hier hat die Gottesmutter die ganze Natur vom Himmel aus geweiht“, hieß es. Auch die in diesen Wochen nach Himmelfahrt gelegten Hühnereier galten als unverderblich. Sie wurden deshalb als Vorrat für die lange Winterszeit in Kalk eingelegt. Ansonsten beginnt um diesen Marienfeiertag herum voll die Erntezeit. Der Sommer überschreitet langsam seinen Höhepunkt, die Nächte werden kühler und die Sonne verliert zunehmend an Kraft. Es beginnt zum „Herbstala“, wie man im Unterallgäu zu den Vorboten des Herbstes sagt.

Auch eine Bauernregel gibt Orientierung in Sachen Wetter: „Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so der ganze Herbst sein mag“.

Quasi ein doppelter Feiertag ist der „Frauentag“ in unserer Region für die Gemeinden Mattsies, Markt Wald, Oberkammlach und Türkheim. Diese feiern gleichzeitig auch noch das festliche Patrozinium ihrer „Maria-Himmelfahrts-Kirchen“.

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